Im Bett statt auf der Luftmatratze: «Sommergrippe»

Die Sommergrippe kann einen die Ferien ganz schön vermiesen, schlimmstenfalls muss deswegen eine lang geplante Reise sogar abgesagt werden. Was ist eine Sommergrippe und wie kann man sie verhindern? Dazu PD Dr. Stefan Kuster, Infektiologe am UniversitätsSpital Zürich.
Herr Kuster, Sommergrippe, ist das ein Gerücht oder eine Krankheit?
Es ist eine Krankheit, aber in der Regel keine echte Grippe, sondern ein grippaler Infekt, aber ausgelöst durch
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andere Viren. Von einer echten Grippe sprechen wir, wenn die Erkrankung durch Influenzaviren ausgelöst wird. Diese Viren können selten auch im Sommer einmal auftauchen, sind aber auf der Nordhalbkugel primär im Winter verbreitet vorhanden. Reiserückkehrer von der Südhalbkugel können aber eine Influenza aus den Ferien mitbringen.

Genau genommen müssten wir also von einer «Infektion im Sommer» sprechen?
Richtig. Es ist eine Infektion mit Viren, genauso wie die grippalen Infektionen im Winter.

Wie unterscheidet sich denn diese Erkrankung von der echten Grippe?
Die so genannte Sommergrippe kann sich mit Schnupfen, Husten, Bläschen im Mund und Halsweh zeigen, also wie ein grippaler Infekt im Winter auf die oberen Atemwege beschränkt sein. Sie kann aber auch als Magen-Darm-Grippe mit Übelkeit, Erbrechen oder Durchfall daherkommen. Diese Infekte können auch einmal über mehrere Tage andauern, aber ihr Verlauf ist generell eher leichter als bei einer echten Grippe. Bei einer echten Grippe ist oftmals das Krankheitsbild anders; man fühlt sich innerhalb kurzer Zeit sehr krank.

Welche Viren sind denn für diese Sommerinfektionen verantwortlich?
Meist handelt es sich um Enteroviren, die offenbar den Sommer mehr mögen als die Grippe- und Erkältungsviren, die das Winterhalbjahr bevorzugen. Ganz genau, weiss man jedoch nicht, ob spezielle Umweltfaktoren für diese jahreszeitliche Variabilität verantwortlich sind. Grundsätzlich ist es auch so, dass wir uns mit den Viren, von denen gerade viele vorhanden sind, einfach mit höherer Wahrscheinlichkeit anstecken.

Auch die Viren sind also gerne unterwegs. Besteht in Flugzeugen und im Zug erhöhte Ansteckungsgefahr?
Genauso sehr oder genauso wenig wie bei den Winterviren. Auch bei den Enteroviren erfolgt die Übertragung über Tröpfchen oder direkten Kontakt.

Wie kann ich mich unterwegs und generell schützen?
Wie bei den Winterviren geht es hauptsächlich darum, andere zu schützen, wenn man selbst erkrankt ist: Abstand halten, in die Armbeuge oder ein Einwegtaschentuch niesen, Hände regelmässig waschen oder desinfizieren, bei Fieber zu Hause bleiben. Wer gesund ist, befolgt die üblichen Hygienemassnahmen.

Und was kann ich tun, wenn es mich trotzdem erwischt?
Die üblichen Erkältungsmittel lindern vor allem die Symptome, die Krankheit heilt von selbst wieder ab. Bei Fieber zu Hause bleiben und darauf achten, dass man niemand anderen ansteckt. (Martina Pletscher)

Stefan Kuster_2.jpgPD Dr. med. Stefan Kuster ist Leitender Arzt in der Klinik für Infektionskrankheiten und Spitalhygiene. Am USZ arbeitet er seit 2007, mit einem Unterbruch 2009/10 für einen Arbeits- und Forschungsaufenthalt in Toronto. Seine Schwerpunkte sind die Prävention spitalerworbener Infektionen und der Schutz vor der Ausbreitung multiresistenter Keime. Sein besonderes Interesse gilt dabei den respiratorischen Viren («Erkältungskrankheiten und Grippe»); so forscht er zu Influenza im Spital, d.h. bei Mitarbeitenden und Spitalpatienten.



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