Der falsche Pilz kann tödlich sein

Pro Jahr werden schweizweit bis zu 600 Personen wegen Pilzvergiftungen in ein Spital eingeliefert. Kommt es im Grossraum Zürich zu Vergiftungen, landen viele Patienten bei ihr – Prof. Dr. med. Dagmar Keller Lang, Direktorin des Instituts für Notfallmedizin am UniversitätsSpital Zürich. Sie kennt die häufigsten Gründe einer Pilzvergiftung und weiss, wie man sich dagegen schützt.

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Dagmar Keller, wie erkenne ich, dass ich giftige Pilze gegessen habe?

Das Spektrum der Symptome ist extrem breit. Die häufigsten sind Übelkeit, Erbrechen, Bauchkrämpfe und Durchfall. Seltener treten Herz-Kreislauf-Beschwerden auf, die im schlimmsten Fall zu einem Herz-Kreislauf-Stillstand führen. Pilzgifte können zu Leber- und Nierenversagen führen und Vergiftungen mit halluzinogenen Pilzen zu neuro-psychiatrischen Symptomen.

Wie behandeln Sie die Patienten?

Wir halten immer sofort telefonische Rücksprache mit der Tox Info Suisse. Wenn die Pilze noch im Magen sind, geben wir Aktivkohle, um die Pilze zu neutralisieren. Allerdings initiieren viele Patienten bereits Zuhause das Erbrechen, damit die Pilze aus dem Körper herauskommen. Auf der Notfallstation machen wir das nicht wegen der Gefahr von Komplikationen. Je nach Giftpilzsorte verabreichen wir ein Gegengift.

Welches ist in der Schweiz der gefährlichste Pilz?

Eindeutig der Knollenblätterpilz, der dem ungefährlichen Champignon gleicht. Der Pilz ist extrem giftig und führt zu Leberversagen. Aber es gibt ein Gegenmittel. Das Medikament Legalon enthält Silibinin, welches antitoxisch auf die Leberzellen wirkt. Allerdings ist das Antidot keine Freifahrkarte. Die Zeit zwischen der Vergiftung und der Einnahme des Antidots ist extrem entscheidend. Je früher die Einnahme, desto weniger Leberschäden.

Gibt es einen Fall, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?

Ein Ehepaar geht zusammen Pilze sammeln, isst sie anschliessend und landet eine Stunde später im Notfall. Wir behandeln sie und legen sie in die gleiche Koje, Seite an Seite. Nach einer Weile können sie das Spital verlassen nach entsprechender Aufklärung und Beratung. Bei der Entlassung fragt einer der beiden trotzdem, ob er den Rest der Pilze fürs Essen verwenden kann. Wir haben sie anschliessend nochmals aufgeklärt, warum sie überhaupt im Notfall gelandet sind und nochmals beraten.

Sind nur Pilz-Laien von Vergiftungen betroffen oder trifft es auch erfahrene Sammler?

Es sind eher Leute, die zufälligerweise beim Spazieren im Wald einen Pilz finden. Als Laie ist es schwer, den gefährlichen Knollenblätterpilz vom Champignon zu unterscheiden. Erfahrene Sammler vergiften sich äusserst selten. Durchs Band kann man sagen, dass nur Leute eine Vergiftung erleiden, die ihre Pilze nicht einem Kontrolleur zeigen. Jeder Fund sollte zu einem Experten gebracht werden. 

Was kann ich tun, um mich vor einer Pilzvergiftung zu schützen?

Nichts Unbekanntes essen, insbesondere nicht roh. Pilze immer von einer Fachperson prüfen lassen. Bei Vergiftungssymptomen sofort ins Spital gehen und falls möglich den Pilz mitnehmen zur Identifikation.

Prof. Dr. med. Dagmar Keller Lang ist Direktorin des Instituts für Notfallmedizin. Sie verfügt über die Facharzttitel Innere Medizin und Kardiologie, den Fähigkeitsausweis Sportmedizin sowie den Fähigkeitsausweis Klinische Notfallmedizin. Prof. Keller Lang ist habilitiert, Titularprofessorin an der Universität Zürich und als Consultant für Kardiogenetik an der Klinik für Kardiologie am UniversitätsSpital Zürich tätig. In der Notfallmedizin sammelte sie langjährige klinische Erfahrung, unter anderem in den Notfallstationen der Universitätsspitäler in Basel und Zürich. Sie ist Mitglied mehrerer Fachgesellschaften.

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