Rauchfrei ins neue Jahr

Endlich mit Rauchen aufhören! Ist das auch Ihr Vorsatz für 2019? Aber wie klappt das am besten? Dr. med. (I) Daniele Marino, Pneumologe und zuständig für die Sprechstunde zur Rauchentwöhnung am USZ, gibt Tipps und erklärt, warum E-Zigaretten keine «gesunde Alternative» zu Tabak sind.
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Herr Dr. Marino, die Klinik für Pneumologie bietet eine spezielle Sprechstunde zur Rauchentwöhnung an. Wer kommt zu Ihnen?
Die Sprechstunde betreuen eine Psychologin von Lunge Zürich und ich gemeinsam. In unserer Sprechstunde am USZ beraten wir vor allem Raucherinnen und Raucher, die ärztliche Begleitung beim Aufhören benötigen, weil sie z.B. wegen einer Lungenerkrankung oder anderen Vorerkrankungen bereits in Behandlung sind. Dazu kommen Raucher, die zusätzlich zur psychologischen Beratung Medikamente zur Entwöhnung brauchen oder möchten.

Raucherinnen und Raucher wählen häufig den Jahresanfang oder einen anderen speziellen Termin für den Start, mit Rauchen aufzuhören. Ist das hilfreich?
Ja, sich einen festen Starttermin setzen ist wichtig und hat sich bewährt. Wir setzen in der Beratung immer ein Datum fest, an dem die Entwöhnung startet. Man kann sich dann auf diesen Zeitpunkt einstellen und weiss: Ab dann gilt es! Manche wählen irgendein Datum, andere nehmen einen Tag mit Bedeutung, ob Neujahr oder der Hochzeitstag spielt keine Rolle.

Manche nehmen sich vor, von «hundert auf null», also sofort und komplett mit Rauchen aufzuhören. Funktioniert das?
Bei manchen funktioniert der Radikalstopp, andere kommen mit langsam reduzieren besser zum Ziel. Es gibt viele Methoden und Wege, mit Rauchen aufzuhören. Wichtig ist, das passende Rezept zu finden.

Können E-Zigaretten beim Ausstieg helfen?
Sich mit E-Zigaretten das Rauchen abzugewöhnen klappt kaum. Die Einstellung zum Rauchen und das Bedürfnis zu rauchen verändern sich dadurch nicht. Weil die E-Zigaretten an Orten geduldet sind, wo Tabakwaren verboten sind, wird insgesamt oft nicht immer weniger, sondern sogar mehr geraucht.

Vor allem junge Menschen zwischen 15 und 25 Jahren probieren E-Zigaretten und rauchen diese dann regelmässig. Warum ist «elektronisch Rauchen» für sie so attraktiv?
Von den langjährigen Raucherinnen und Rauchern steigen nur wenige auf E-Zigaretten um. Die Aromen der E-Zigaretten sind verführerisch und sprechen sehr junge Menschen an und alle, die Tabakrauch nicht mögen. Ohne den verräterischen Geruch bleibt das Rauchen auch von Eltern unbemerkt. E-Zigaretten sind aber auch eine Einstiegsdroge: Viele probieren dann doch irgendwann Tabakzigaretten aus – und bleiben dabei, oder kombinieren beides.

Wie sehen Sie als Lungenspezialist die zunehmende Verbreitung der E-Zigaretten?
Mit Sorge. Man muss ganz klar sagen, dass wir einfach noch nicht wissen, wie sich das Rauchen von E-Zigaretten auf den Körper auswirkt. Der Nikotingehalt der E-Zigaretten ist ähnlich hoch wie bei konventionellen Zigaretten, wie schädlich die weiteren Substanzen sind, ist aber noch völlig unbekannt. Sicher sagen können wir, dass sie keine «gesunde Alternative» zu Zigaretten sind.

Wie finden Raucherinnen und Raucher denn heraus, welche Methode bei ihnen am meisten Erfolg verspricht?
Am besten lassen sie sich beraten; es gibt viele Wege und Hilfen, mit Rauchen aufzuhören. Die regionalen Ligen sind die idealen ersten Anlaufstellen, um sich zu informieren und bieten auch individuelle Rauchstoppberatungen an.

Wie läuft eine Beratung konkret ab?
Die Abhängigkeit hat eine psychische und physische Komponente. Das Wichtigste sind der Wille zum Aufhören und die Umstellung im Kopf. Deshalb steht für uns die psychologische Beratung an erster Stelle. Die meisten Raucherinnen und Raucher wollen es ohnehin erst einmal ohne Nikotinersatz versuchen.

Wir sehen uns ganz individuell an, wann und in welchen Situationen jemand raucht, welche Muster und Angewohnheiten dem zugrunde liegen, und wie wir diese nutzen können. Raucht jemand am Morgen als erstes eine Zigarette, kann er oder sie trainieren, diese erste Zigarette möglichst lange hinauszuzögern. Wer immer Kaffee und Rauchen kombiniert, sollte ausprobieren, ob der Kaffee auch ohne Zigarette schmeckt, oder ob es eine Alternative dazu gibt, um die Gewohnheit zu durchbrechen. Wichtig ist auch das Umfeld; raucht der Partner weiter, ist es schwierig, damit aufzuhören. Wir ermuntern Paare immer, den Rauchstopp gemeinsam anzugehen.

Und wenn es mit dem Willen und Tricks allein nicht klappt?
Gegen die physische, also die körperliche Abhängigkeit bzw. gegen die Entzugserscheinungen, können wir Nikotinpflaster und -kaugummi, Nasenspray oder Tabletten einsetzen. Die Dosis wird dann nach und nach reduziert. Wenn nötig, kann diese Nikotinersatztherapie mit bewährten Medikamenten ergänzt werden. In welcher Form und in welcher Kombination die Mittel genommen werden, entscheiden wir zusammen mit dem Patienten, abhängig von seinem Gesundheitszustand und seinen Präferenzen.

Wie kann man dranbleiben, wenn man trotz allem wieder zur Zigarette gegriffen hat?
Gut 60 Prozent der Raucherinnen und Raucher möchten aufhören, ein Viertel davon hat es im vergangenen Jahr mindestens einmal versucht. Von den Entzugswilligen, die in einer Beratung waren und medikamentöse Unterstützung hatten, sind nach einem Jahr etwa 25 Prozent dauerhaft rauchfrei. Rückschläge sind also nicht selten und Aufhören für viele schwierig. Vielleicht hat man einfach sein Rezept noch nicht gefunden. Wichtig ist zu verstehen, warum man wieder geraucht hat, um beim nächsten Mal anders zu reagieren. Dranbleiben lohnt sich. Jede Zigarette weniger ist ein Gewinn für die Gesundheit.


FLYER Rauchstoppberatung

LUNGE Zürich


USZ FOTO.JPGDr. med. (I) Daniele Marino ist Oberarzt in der Klinik für Pneumologie und verantwortlich für die Sprechstunde zur Rauchstoppberatung, die das USZ in Zusammenarbeit mit Lunge Zürich anbietet.






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