«Patienten waren froh, dass jemand an sie dachte»

Das neue Coronavirus lenkte den Fokus im Gesundheitswesen auf akute Fälle. Damit chronisch Kranke nicht vergessen werden, griffen speziell ausgebildete Pflegeexpertinnen zum Telefon. USZ-Expertin Gabriela Schmid-Mohler erklärt, was es mit diesen „Advanced Practise Nurses“ auf sich hat.

Frau Schmid-Mohler, in den letzten Wochen haben Sie und Ihr Team chronisch kranke Patientinnen und Patienten angerufen. Weshalb? 

AGabriela Schmid-Mohler.pngls der Bund den Lockdown beschloss, war uns schnell klar, dass viele chronisch Kranke vor einem Problem stehen würden. Denn die Restriktionen kollidierten in vielen Fällen mit Behandlungsplänen.
Ein Beispiel: Menschen, die an einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) leiden, sollten sich 30 Minuten pro Tag bewegen. Das war kaum mehr möglich. Zudem vermuteten wir, dass manche älteren Personen sozial isoliert waren und womöglich Hilfe und Informationen für den Alltag benötigten.

Was waren die Reaktionen?

Im Alltag hatten sich die meisten gut organisiert – etwa, was das Einkaufen angeht. Trotzdem kam unser Anruf für viele genau im richtigen Moment. Manche Patienten hatten Fragen, einigen ging es sehr schlecht, sie trauten sich aber nicht zum Arzt oder dachten, dass Ärzte nun anderes zu tun hätten. In solchen Fällen nahmen wir Rücksprache mit dem Ärzteteam, um das weitere Vorgehen zu besprechen und einzuleiten. In anderen reichten auch Tipps, zum Beispiel was die tägliche Bewegung angeht. Durchs Band spürten wir eine grosse Dankbarkeit. Die Menschen empfanden es als aussergewöhnlich, dass in dieser Zeit jemand an sie dachte.

Wer sind diese telefonierenden Pflegefachleute?

Es handelt sich um speziell ausgebildetes Personal. Man spricht von „Advanced Practise Nurses“ (APN). Das sind Pflegeexpertinnen und -experten, die auf die Betreuung von Patientinnen und Patienten mit komplexen chronischen Krankheiten spezialisiert sind – jeweils auf einem ganz spezifischen Fachgebiet. Es sind also Fachleute aus der Pflege, die zusätzlich ein Hochschulstudium der Pflegewissenschaften absolviert haben.

Warum braucht es solche Pflegeexpertinnen und -experten?

Der Hauptfokus beim Arzt ist die Verordnung der richtigen Therapie. Bei uns ist es die konkrete Umsetzung im Alltag. Patienten werden darin unterstützt, selbst besser mit ihrer Krankheit umgehen zu können. Wir schulen sie zum Beispiel darin, Symptome besser einschätzen zu können und Medikamente richtig zu nehmen. Oder wir entwickeln gemeinsam konkrete Bewegungspläne.

Sind die Pflegeexpertinnen also vor allem beratend tätig?

Beratung macht in der Tat einen Grossteil unserer Arbeit aus. Häufig bekommen Menschen mit komplexen chronischen Krankheiten viele Tipps von unterschiedlichen Fachleuten. Der Physiotherapeut rät zu mehr Bewegung, die Ernährungstherapeutin zu gesundem Essen, die Ärztin zu Medikamenten, und so weiter. Als zentrale und konstante Ansprechperson koordinieren wir und helfen, Prioritäten zu setzen. Kommt dazu, dass sich Betroffene häufig in schwierigen psychosozialen Situationen befinden. Wir sind Vertrauenspersonen, auch für niederschwellige Fragen. Für Ärzte stellt das eine grosse Entlastung dar.

Wer kann von der Unterstützung profitieren?

Pflegeexpertinnen werden in der Regel vom Behandlungsteam aufgeboten. Sie sind jeweils auf ein Krankheitsbild spezialisiert. Am USZ gibt es sie zum Beispiel in den Bereichen Psychische Erkrankungen, Herzinsuffizienz, Sklerodermie sowie COPD.

Falls Sie von unserer Unterstützung profitieren möchten, melden Sie sich bei den nachfolgenden Kontaktpersonen des jeweiligen Bereiches.

Menschen mit COPD:
E-Mail: pflege.copd@usz.ch
Weitere Informationen: Pflegeberatung für Menschen mit COPD
Wir haben für Sie mehrere Krafttrainings für zu Hause zusammengestellt. Zu den Heimtrainings

Menschen mit Herzinsufizzienz:
APN Team Pflegeberatung Herzinsuffizienz
E-Mail: pflegeberatung.herzinsuffizienz@usz.ch
Tel.: +41 44 255 42 65

Menschen mit Sklerodermie:
Silvia Fux-Mösslacher, Pflegeexpertin MScN
E-Mail: silvia.fux-moesslacher@usz.ch
Tel.: +41 44 255 14 27

Menschen mit psychischen Erkrankungen:
Mirella Palamar, Pflegeexpertin
E-Mail: mirella.palamar@usz.ch
Tel.: +41 79 768 25 02
Psychiatrisches Konsiliardienst-Sekretariat:
Tel.: +41 44 255 52 80

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