«Eine Geschlechtskrankheit ist nicht peinlich»

In den letzten Jahren treten Syphilis, Gonorrhoe und Chlamydien wieder häufiger auf – oft als unangenehmes «Mitbringsel» aus leidenschaftlichen Ferien. Prof. Thomas Kündig, Dermatologe und Spezialist für Geschlechtskrankheiten, über Symptome und Behandlungsmöglichkeiten.

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Thomas Kündig, Prof. Dr. med.
Klinikdirektor der Dermatologischen Klinik

Herr Kündig, häufen sich Patientinnen und Patienten mit Geschlechtskrankheiten nach der Ferienzeit?
In den Ferien sind sexuelle Abenteuer sicherlich gehäuft und leider ist auch der Kondomgebrauch nicht konsequent. Dies erhöht die Gefahr für unangenehme «Reisemitbringsel» und wir behandeln jeweils einige solche Fälle. Statistisch gesehen sind die saisonalen Schwankungen bei Geschlechtskrankheiten allerdings gering. Dies hängt wohl damit zusammen, dass die Ferien halt nur kurz sind. Die meisten Ansteckungen mit Geschlechtskrankheiten geschehen dann doch zu Hause.

                               


Welche Krankheiten sind das vorwiegend?

Bei ungeschütztem Sex können HIV und Hepatitis Viren übertragen werden sowie bakterielle Erreger einer Urethritis (Harnröhrenentzündung), d.h. Gonokokken, Chlamydien und Ureaplasmen. Leider gibt es auch Erreger, welche nicht über das Ejakulat übertragen werden, sondern auch bereits über intensiven Hautkontakt. In diesen Fällen bietet auch ein konsequenter Gebrauch von Kondomen keinen hundertprozentigen Schutz, da Kondome ja nicht die ganze Haut abdecken. Durch intensiven Haut- oder Schleimhautkontakt übertragen werden z.B. Syphilis Bakterien, Herpes Viren oder Humane Papillomaviren (HPV). Letztere können zu Genitalwarzen führen.

Sind die Krankheiten wirklich «gut und einfach behandelbar»?
Das hängt vom Erreger ab. Bakterielle Infektionen (Gonorrhoe, Syphilis, Chlamydien, Ureaplasmen) können mit Antibiotika behandelt werden. Allerdings werden zunehmend Antibiotika-resistente Stämme beobachtet, insbesondere bei der Gonorrhoe. Schwieriger ist es bei Krankheiten, die durch Viren ausgelöst werden, wie Hepatitis, HPV und natürlich bei einer HIV-Infektion. Bei HIV/Aids gibt es bisher nur eine antiretrovirale Therapie (ART), bei der eine Reihe von Medikamenten lebenslang eingenommen werden muss. Gegen Hepatitis A und B gibt es Impfungen. Diese müssen aber erfolgen, bevor man in Kontakt mit dem Virus kommt. Es gibt auch eine Impfung gegen HPV, letztere schützt aber in erster Linie gegen diejenigen HPV Typen, welche z.B. Gebärmutterhalskrebs verursachen können, nicht aber gegen alle HPV Virentypen, welche Genitalwarzen hervorrufen.

Was ist das Gefährliche an diesen Krankheiten?
Bei manchen Krankheiten kann die Erstansteckung symptomlos abklingen und bleibt deshalb mitunter erst einmal unbemerkt. Oder die Symptome werden nicht ernst genommen. Die Krankheit wird dann erst in einem späteren Stadium entdeckt, und bis dahin wurde sie vielleicht schon weiter übertragen. Unbehandelt können diese Krankheiten aber schwerwiegende Auswirkungen und Komplikationen bringen: Unfruchtbarkeit, Leberzirrhose, Krebs (Leber, Gebärmutterhals) und natürlich AIDS.

Bei welchen Symptomen sollte man aufmerken und zum Arzt?
Spätestens wenn offene Stellen im Genitalbereich auftreten oder Brennen beim Wasserlassen. Wichtig ist, die Ansteckung früh zu erkennen, damit auch gleich der Partner, die Partnerin getestet werden kann. Also lieber einmal mehr zum Arzt. Wer wechselnde oder mehrere Sexualpartner gleichzeitig hat, soll mit seinem Arzt, seiner Ärztin über sexuell übertragbare Infektionen sprechen und sich beraten lassen, ob und wann Tests nötig sind.

Sind Geschlechtskrankheiten noch immer ein Tabu?
Es gibt über ein Dutzend sexuell übertragbare Krankheiten. Es sollte niemandem peinlich sein, sich mit einer solchen Krankheit infiziert zu haben. Wichtig ist, zu handeln, sich untersuchen zu lassen und dann gegebenenfalls Personen zu informieren, die man gefährdet haben könnte, um weitere Ansteckungen zu vermeiden. Am besten ist aber immer noch vorbeugen, sich informieren und schützen.

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Werden häufig unangenehme "Mitbringsel" aus den Ferien - Geschlechtskrankheiten treten wieder häufiger auf























Die Spezialisten

Der Dermatologe, ist Facharzt für «Dermatologie und Venerologie», wobei «Venerologie» nicht etwa «Venenerkrankungen» meint, sondern «Geschlechtskrankheiten», abgeleitet von «Venus», die römische Göttin der Liebe. Frauen können sich auch an ihre Gynäkologin oder ihren Gynäkologen wenden.



Zur Klinik für Dermatologie

In Bezug auf die Prävention bietet das BAG eine sehr informative Internetseite an:
https://www.lovelife.ch/de/safer-sex/safer-sex-check/


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