Heimtückisches Chamäleon

Mit dem zertifizierten klinischen und wissenschaftlichen Endometriosezentrum baute Patrick Imesch in den letzten elf Jahren am USZ eine wichtige Anlaufstelle für Frauen auf.

Endometriose kennt viele Formen. «Wir nennen sie nicht ohne Grund das Chamäleon unterden gynäkologischen Erkrankungen», sagt der Leiter des Endometriosezentrums, Patrick Imesch. Zellen der Gebärmutterschleimhaut (= Endometrium) wandern und siedeln sich an den Eierstöcken, der Blase, am Bauchfell, Darm oder auch an inneren Organen an. Das dort eingenistete Zellgewebe wächst und blutet fortan mit jedem weiblichen Zyklus. Die Schmerzen der Betroffenen während der Menstruation sind ausgesprochen stark und können gar chronisch werden.

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Endometriose-Patientinnen leiden Monat für Monat unter unerträglichen Schmerzen.







































10 Prozent der Frauen betroffen

Bis eine Frau ans USZ findet, leidet sie meistens schon mehrere Jahre unter nicht eindeutig lokalisierbaren Schmerzen, die die konsultierten Ärzte nicht korrekt einzuordnen vermochten. «Endometriose ist weitgehend unerforscht und geht darum in der Diagnosefindung oft vergessen», stellt Patrick Imesch in seiner Sprechstunde immer wieder fest. Während Brustkrebs ein allgegenwärtiges Thema ist, haben die wenigsten Frauen jemals von Endometriose gehört. Fakt ist: Rund zehn Prozent der Frauen im reproduzierfähigen Alter leiden unter dieser heimtückischen, wenn auch gutartigen Krankheit. 

Darum betreibt das Endometriosezentrum am USZ klinische Forschung und vernetzt sich international. Jede Patientin der Endometriose-Sprechstunde trägt zum Aufbau einer aussagekräftigen Forschungsdatenbank bei. «Die anfänglich 90 Konsultationen im Jahr 2008 haben sich kontinuierlich auf heute jährlich 500 gesteigert», sagt Patrick Imesch. Rund 200 Patientinnen hilft nur eine Operation, bei der die Endometrioseherde entfernt werden. «Zunehmend können wir aber auch medikamentös helfen.» Die Einnahme von Gelbkörperhormonen reguliert den weiblichen Zyklus, was das monatliche Wiederaufflammen der Endometriose reduziert. 

Dabei ist Endometriose keinesfalls ein neues Phänomen. Bereits vor rund 120 Jahren erhielt die Krankheit ihren Namen. Seither führt sie ein Schattendasein. Eine gewisse Stigmatisierung wegen des weiblichen Zyklus und der Monatsblutung mag dabei eine Rolle spielen. Betroffene schweigen zudem oftmals in der Annahme, dass Frauen aussergewöhnliche Schmerzen im Unterleib schlichtweg auszuhalten haben.In den vergangenen Jahren äusserten sich verschiedene prominente Betroffene und gaben der Krankheit ein Gesicht. Dazu gehören die Sängerin Cyndi Lauper oder auch die Schauspielerin Whoopi Goldberg. Endometriose war übrigens auch der Grund, weshalb Marilyn Monroes Kinderwunsch unerfüllt blieb.

Endometriose und Kinderwunsch
In der Tat kann Endometriose zu Unfruchtbarkeit führen. «In der Sprechstunde geht es oft nicht nur um Schmerzlinderung, sondern auch darum, die Chance auf eine Schwangerschaft zu erhöhen.» Dazu arbeitet Patrick Imesch USZ-intern mit dem Reproduktionszentrum zusammen. «Beschwerdefreiheit ist unser primäres Ziel. Wenn wir sogar helfen können, einen Kinderwunsch zu erfüllen, bereitet uns das noch mehr Freude.»


Zur Spezialsprechstunde zur Endometriose an der Klinik für Gynäkologie 





Eine Betroffene erzählt



Silvia Holdener, 35, ist Primarlehrerin und lebt in der Zentralschweiz. Nach einem über sechs Jahre dauernden Leidensweg wurde sie an das zertifizierte Endometriosezentrum am USZ überwiesen.

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Silvia Holdener, wie kamen Sie der Endometriose auf die Spur?

​Mit 29 fing es an. Während der Menstruation litt ich unter starken Schmerzen beim Stuhlgang. Aus einem wurden drei Tage, an denen ich mit heftigen Schmerzen ausser Gefecht war. Erst dachte ich an Verdauungsprobleme oder eine Nahrungsmittelallergie. Über Endometriose las ich erst viel später einen Artikel und meldete mich bei der Frauenärztin. Die erste Operation war im Herbst 2015. Mein Bauchraum war damals mit Endometrioseherden der höchsten Stufe übersät.

Wie fanden Sie ans USZ?

​Das Medikament, das die Herde eindämmen sollte, vertrug ich schlecht. Trotzdem nahm ich es zwei Jahre lang ein. Die Schmerzen kehrten trotzdem zurück. Im April 2018 war klar, dass die Endometriosewieder ausgebrochen war. Erst suchte ich noch einen Ausweg mit Homöopathie und einer Ernährungsumstellung. Meine Lebensqualität war inzwischen derart eingeschränkt, dass eine weitere Operation unausweichlich wurde. Die Frauenärztin überwies mich dafür ans USZ. Ich bin froh über diesen Entscheid. So fand meine Odyssee ein Ende.

Wie sah die Behandlung am USZ aus?

​Mein betreuender Arzt Dr. Patrick Imesch nahm sich viel Zeit für meine Fragen. Auch die Betreuung durch die Viszeralchirurgen Dr. Matthias Turina und Dr. Andreas Rickenbacher war angenehm. Mir tat in dieser schwierigen Phase die humorvolle Art der Ärzte sehr gut. Im Nachhinein schauten Dr. Imesch und ich gemeinsam den Film meiner Operation. Sie dauerte sieben Stunden. In Millimeterarbeit wurden die Endometrioseherde entfernt. Ein Teil des stark befallenen Darms musste entfernt werden. Von Januar bis Ende März 2019 wurde ich insgesamt drei Mal unter Vollnarkose operiert.

Wie geht es Ihnen heute?

​Seit Mitte Mai arbeite ich wieder zu 100 Prozent als Primarlehrerin. Im Moment bin ich beschwerdefrei,werde aber halbjährlich am USZ untersucht. Auch eine Schwangerschaft sollte noch möglich sein. Mein Umfeld war stets eine wichtige Stütze. Zum Austausch bin ich zudem einer Facebook-Gruppe von Endometriose-Patientinnen beigetreten.





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