«Mein Knie soll mich nicht beherrschen»

Subal Miards Knie wurde bei einem Sturz schwer verletzt, seinen Beruf und den Sport musste er deshalb aufgeben. Gegen seine höllischen Schmerzen hat bisher nichts geholfen. Seinen Optimismus hat er sich aber bewahrt.

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Subal Miard hat sich Strategien angeeignet, um mit seinen Schmerzen umzugehen.



«Der Unfall hat mein Leben in Sekunden völlig verändert. Ich war zu Besuch bei Verwandten in Norwegen und schlief auf einer Galerie, etwa drei Meter über Boden. In der Nacht bin ich aufgestanden und im Halbschlaf von der Galerie gestürzt, genau auf mein Knie. Die Kniescheibe war mehrfach gebrochen, regelrecht zerschmettert. Ich kann mich aber nicht erinnern, ob ich Schmerzen hatte, wahrscheinlich war ich im Schock und habe deshalb erst gar nichts gespürt. Ich weckte meinen Schwager, der mich in die nächstgelegene Notfallstation begleitete. Von dort ging es weiter in eine Klinik, wo ich am nächsten Morgen operiert wurde. Nach einigen Tagen reiste ich in die Schweiz zurück und ging hier noch einmal ins Spital. Der Orthopäde hier erkannte, dass auch das Knorpelgewebe im Knie beschädigt war. Ich wurde noch einmal operiert und ging davon aus, dass es nun wohl etwas länger dauern würde, aber alles gut wird. 

Jeden Tag Schmerzen
Das Knie heilte aber nicht wie erhofft. Stattdessen gab es verschiedene Komplikationen, letztlich musste mein Kniegelenk durch eine Gelenkprothese ersetzt werden. In den letzten zwei Jahren bin ich acht Mal operiert worden. Mein Knie reagiert auf jede Belastung, schon wenig Bewegung oder eine Untersuchung lässt es anschwellen. Ich hatte die ganze Zeit auch Schmerzen. Lange dachte ich, dass sie weniger werden, wenn das Knie heilt. Doch sie blieben. Auf der Schmerzskala von eins bis zehn bin ich immer bei einer acht. Jeden Tag. Woher sie kommen und warum das Knie anschwillt, hat bisher niemand herausgefunden, obwohl ich bei verschiedenen Ärztinnen und Ärzten in Behandlung bin. Auch das Blutbild, das regelmässig erstellt wird, ergab nie einen Hinweis. Das Knie vollständig zu versteifen könnte helfen, doch garantieren kann mir das niemand. Deshalb bin ich dazu noch nicht bereit. Um die Schmerzen zu bekämpfen, wurde ich ans Schmerzambulatorium am USZ überwiesen. Ich habe dort die Möglichkeit bekommen, verschiedene Wege und Mittel auszuprobieren. Bisher scheiterte aber jeder Behandlungsversuch, auch hochdosierte Medikamente und eine Nervenblockade haben keine Linderung gebracht. Die Ärztinnen und Ärzte sind unglaublich engagiert. Das zu sehen, hilft mir sehr und lässt mich hoffen, dass wir irgendwann doch noch etwas gegen meine Schmerzen finden. 

Mit Ohnmachtsgefühlen umgehen 
Seit dem Unfall im September 2016 bin ich arbeitsunfähig. In meinen Beruf als Maître de Cabine bei einer Fluggesellschaft kann ich nicht zurück zu kehren. Im Herbst beginne ich eine Umschulung und hoffe, mein Knie macht das mit. Auch Sport musste ich aufgeben: Fitness, Snowboard, Tennis – ich war immer in Bewegung. Jetzt geht gar nichts mehr. Ich kann auch nicht reisen. Das ist schon eine riesige Beeinträchtigung. Viele sind erstaunt, dass ich meinen Optimismus trotz allem bewahrt habe. Ich will mich aber einfach nicht von meinem Knie beherrschen lassen. Manchmal stehe ich auf und weiss: Das wird kein guter Tag. Wenn ich dann etwas lange Geplantes mit Freunden oder der Familie absagen muss, bin ich natürlich enttäuscht. Lange hatte ich das Gefühl, mich immer rechtfertigen zu müssen. Mein Knie soll aber nicht Dauerthema sein. Ich bin ja durch den Unfall keine andere Person geworden. Ich brauche Verständnis, aber ich will nicht geschont werden. Das hilft mir nicht. Mittlerweile hat sich das gut eingependelt. Aber nicht alle Freundschaften haben diese Belastungsprobe überstanden. Ich habe mir sehr bewusst Coping-Strategien angeeignet, die mir helfen, zum Beispiel mit Ohnmachtsgefühlen umzugehen, die ich manchmal habe. Ich kann mich auch selbst gut motivieren. Und ich setze meine Prioritäten und Ziele anders als früher. Sie sind kleiner und näher, ich lebe im Moment. Ich lese viel, habe oft Besuch und gehe wenn möglich raus – auch wenn es manchmal nur um den Block reicht.»


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