«So ein Unfall geht am Patienten und seinem Umfeld niemals spurlos vorüber»

Prof. Dr. Jan Plock ist Leitender Arzt in der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des USZ. Er ist Spezialist für Verbrennungen und behandelt immer wieder Patienten, die Starkstromverletzungen erlitten haben, viele davon durch so genannte Lichtbögen oder durch den direkten Kontakt mit Stromleitungen, nachdem sie auf Bahnwaggons geklettert sind. Das Bundesamt für Verkehr (BAV) starten heute zusammen mit der SBB und der bfu eine Kampagne dazu.

Starkstrom_Story.jpgHerr Prof. Plock, welche Verletzungen sind typisch für Stromunfälle?
Das Verletzungsausmass hängt von der Stromstärke ab. Es reicht von der kleinen Kontaktverbrennung bis hin zu ausgeprägten, grossflächigen und tiefen Verletzungen der Haut. Wenn Starkstrom durch den Körper geleitet wurde, sind auch Verletzungen der Gefässe, der Muskulatur und der inneren Organe möglich. Betreffen diese das Herz, sind solche Stromschläge häufig direkt tödlich.

Wie werden stromverletzte Patientinnen und Patienten am USZ behandelt?
Stromverletzungen werden in unserem hochspezialisierten Zentrum für Brandverletzte behandelt. Damit tiefere Verbrennungswunden erfolgreich heilen können, müssen die betroffenen Gewebeareale abgetragen werden bis gesundes und gut durchblutetes Gewebe zum Vorschein kommt. Oft sind grosse rekonstruktive Operationen und Hauttransplantationen notwendig.

Das hört sich nach einem langen und mühsamen Genesungsweg an. Wir lange müssen die Patienten im USZ bleiben?
Je nach Ausmass der Verletzungen ist das sehr verschieden. Manche Patienten sind nur wenige Tage im Spital, andere für mehrere Monate. Danach schliesst sich für viele Patienten eine lange Rehabilitationszeit an. Wenn beispielsweise grosse Muskelgruppen und Nerven am Arm ersetzt werden mussten, kehrt das Gefühl darin erst nach einiger Zeit zurück. Dann müssen die Armbewegungen völlig neu gelernt werden.

Tragen die Patienten bleibende Schäden davon?
Nicht alle können einfach in ihr früheres Leben zurückkehren. Einige müssen sich völlig neu orientieren, weil sie ihren Beruf und ihre Hobbys nicht mehr ausüben können. Viele Patientinnen und Patienten leiden an chronischen Schmerzen, an Einschränkungen durch die Narben, und sie müssen eine aufwändige Hautpflege in ihren Alltag einplanen. Etwa ein Drittel der Patienten mit Starkstromverletzungen erleidet auch einen Verlust einer oder mehrerer Extremitäten. Das erfordert eine prothetische Versorgung mit entsprechenden lebenslangen Einschränkungen im Alltag. Nicht vergessen darf man, dass ein solcher Unfall auch für das Umfeld, die Familie und den Freundeskreis eine grosse Belastung ist, die an ihnen nicht spurlos vorübergeht.

Wir unterstützen vom USZ aus deshalb die Kampagne von SBB und BfU zur Verhütung solcher Unfälle sehr und hoffen, sie schafft Aufmerksamkeit dafür, wie gefährlich die Nähe zu Stromleitungen ist und welche schlimmen Folgen Stromunfälle haben können. (Martina Pletscher)

Das Zentrum für Brandverletzte am UniversitätsSpital Zürich ist das grösste Brandverletztenzentrum der Schweiz. Das Zentrum ist hochspezialisiert und hat über 35 Jahre Erfahrung in der Versorgung brandverletzter Patienten. Das Zentrum umfasst eine Intensivstation, eine Intermediate Care Station (IMC), zwei Bettenabteilungen sowie die Poliklinik der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie.

Mehr Informationen zum USZ Zentrum für Brandverletzte.
Zur Kampagne von BAV, SBB und bfu: www.happy-end.ch 

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Prof. Dr. Jan Plock ist als Leitender Arzt in der Klinik für Plastische Chirurgie und Handchirurgie des USZ tätig. Neben der klinischen Tätigkeit forscht er im Bereich der rekonstruktiven und regenerativen plastischen Chirurgie.

 


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