Frische Zellen für müde Muskeln

Wissenschaftler am USZ prüfen erstmals an Patientinnen eine neue Methode zur Behandlung von Inkontinenz. Dabei sollen körpereigene Stammzellen den erschlafften Schliessmuskel reparieren. Die Studie beginnt Anfang 2018.

​Es kann beim Niesen passieren, beim Hüpfen oder beim Lachen: Unkontrolliert lösen sich aus der Blase ein paar Tropfen Urin. Inkontinenz ist lästig und schränkt die Lebensqualität ein. Prof. Daniel Eberli von der Klinik für Urologie am USZ forscht – zusammen mit Wissenschaftlern der Universität Zürich – seit zehn Jahren an einer neuen Methode, um das Problem dort zu behandeln, wo es entsteht: im Schliessmuskel um die Harnröhre. Mit einer Studie an 40 Patientinnen mit leichter Inkontinenz möchte er nun erstmals prüfen, ob die Methode wirkt und wie gut sich der Schliessmuskel regeneriert.

Kling einfach, ist aber aufwändige Spitzenmedizin

Bei dem von Eberli und seinem Team entwickelten Verfahren werden den Patientinnen Stammzellen aus dem Wadenmuskel entnommen, im Labor auf 80 Millionen Zellen vermehrt und anschliessend in den erschlafften Schliessmuskel gespritzt, den sie wieder stärken sollen (siehe Grafik). «Das ist ein perfekter Kreislauf», sagt der Urologe. Als Nebenwirkung wird lediglich ein leichter Muskelkater erwartet, weil die Muskelbildung durch elektromagnetische Stimulation unterstützt wird. Möglich macht die Studie das EU-Förderprogramm Horizon, das sechs Millionen Franken beisteuert. «Das Ganze ist extrem teuer», erklärt Daniel Eberli. Denn hinter dem auf den ersten Blick einfach klingenden Verfahren steckt aufwändige Spitzenmedizin: Die Gewinnung der Zellen und ihre Vermehrung müssen strengsten Richtlinien zur Qualitätssicherung genügen. Bevor die Zellen injiziert werden, wird über deren genetischen Fingerabdruck geprüft, ob sie tatsächlich Muskeln bilden können. Die Einspritzung der Zellen in den Schliessmuskel erfolgt ultraschallgesteuert und hoch präzise.

 

Interessierte Patientinnen können sich melden

Gleichzeitig ist die Methode extrem schonend: Für die Gewinnung der Stammzellen genügt ein Muskelstück von der Grösse eines Würfelzuckers. «Wir geben einer Frau, die minimal inkontinent ist, die Chance, den Schliessmuskel aus eigener Kraft zu reparieren, und machen dabei absolut nichts kaputt», betont Eberli. Die Ethikkommission hat der Studie zugestimmt. Interessierte Patientinnen können sich immer noch anmelden. Erste Ergebnisse sind für Mitte 2019 zu erwarten.

Weitere Informationen und Anmeldung für die Studie: music2020.ch

Prof. Dr. Dr. med. Daniel Eberli, Leitender Arzt der Klinik für Urologie.

 

 

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