Vor der Erkrankung war das Coronavirus für mich weit weg

Stefan Gabriel (46) war immer kerngesund. Bis er am 6. April 2020 am neuen Coronavirus erkrankte – und fast daran starb. Nach vier Wochen Spital und sieben Wochen in der Reha ist er jetzt wieder zu Hause.

Bild_Stefan_Gabriel.png«Montag, 6. April 2020: Ich kann mich genau an diesen Tag erinnern. Unser Team war in zwei Gruppen aufgeteilt, die abwechselnd im Büro waren, damit wir die Abstände einhalten konnten. An diesem Montag hatte ich Nachmittagsdienst. Am Vormittag habe ich den Haushalt erledigt und für meine Frau und meine zwei Söhne gekocht. Nach dem Mittag kam es schlagartig: Ich hatte 39,5 ° C Fieber, rote Augen und extreme Kopfschmerzen. Ich dachte mir schon, dass mich jetzt das Coronavirus erwischt hat. Auch wenn ich weder Husten noch Geschmacksverlust hatte. Meine Frau rief den Hausarzt an. Weil ich mit 46 Jahren und ohne Vorerkrankungen nicht zur Risikogruppe für das Coronavirus gehörte, konnte ich keinen Test machen. Ich solle versuchen, das Fieber zu senken. So schlecht wie an diesem Tag hatte ich mich ewig nicht mehr gefühlt. In der Nacht auf den 7. April stieg das Fieber auf 40 ° C . An diesem Tag – am 16. Geburtstag meines Sohnes – lag ich nur im Bett. Am Mittwoch ging es mir dann so mies, dass mich meine Frau ins Spital Stans gefahren hat. Dort wurde ich positiv auf das Coronavirus getestet und stationär aufgenommen. 

Horror für meine Familie

Dann ging es Schlag auf Schlag. Ab Donnerstagmittag kann ich mich an fast nichts mehr erinnern. Meine Frau und meinen Arbeitgeber habe ich am Freitag informiert, dass ich auf die Intensivstation verlegt werde. Am Samstag wurde ich intubiert und ins Koma versetzt. Mein Zustand verschlechterte sich, und ich wurde mit der Rega ins Luzerner Kantonsspital geflogen. Dort stellten die Ärzte fest, dass meine Lunge schon extrem angegriffen war. Nach vier Tagen reichte die Beatmungsmaschine nicht mehr aus, meine Lunge konnte meinen Körper nicht mehr mit genügend Sauerstoff versorgen. Mein Zustand verschlechterte sich drastisch. Deshalb kam das ECMO-Transport-Team aus Zürich, schloss mich an die Herz-Lungen-Maschine an und flog mich ins USZ. Es folgten kritische Tage. Nach zwei oder drei Tagen hat sich mein Zustand endlich ein wenig gebessert und der Sauerstoff konnte im Blut wieder angereichert werden. Ich habe von alldem nichts mitbekommen. Für meine Familie und mein Umfeld waren diese Wochen der Horror. Ich war auf der Schwelle, hätte sterben können. Ohne ECMO wäre ich jetzt tot.

Ich weiss nicht, wo ich mich angesteckt habe

Nach insgesamt einem Monat Spitalaufenthalt wurde ich in die Reha nach Davos verlegt. Nach etwa zwei Wochen im Koma konnte ich nur noch den kleinen Finger bewegen, weder Arme noch Beine anheben war möglich. Da habe ich mir schon Gedanken gemacht: Kann ich je wieder laufen? Funktioniert mein Körper wieder? Das ist mir extrem eingefahren. Zum Glück ging es von Tag zu Tag besser. In der Reha angekommen, habe ich realisiert, dass vor allem meine Organe geschädigt sind. Leber, Niere, Milz, Lunge: Alles wurde vom Virus angegriffen. Meine Leberwerte waren lange viel zu hoch, ich hatte zu wenig rote Blutkörperchen und dauernd einen zu hohen Puls. Schritt für Schritt ging es mit dem Muskelaufbau und viel Lungentraining aber aufwärts, und nach sieben Wochen konnte ich nach Hause. Für mich ist es das erste Mal, dass ich so etwas erlebe. Ich glaube, man muss es einfach akzeptieren und annehmen. Rückgängig machen kann man es nicht mehr. Ich weiss nicht, wo ich mich angesteckt habe. Auch weiss ich nicht, wie ich die Krankheit ohne intaktes Umfeld durchgestanden hätte. Ich bin einfach froh, dass ich noch lebe, dass ich gehen, sprechen, denken kann. Es kommt schon wieder gut.»






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