«Man muss sich mit der Organspende auseinander setzen – für seine Angehörigen»

Evelyn Kaufmann engagiert sich für die Organspende. Sie wird am 19. September, am Nationalen Tag der Organspende, am ersten Angehörigentreffen der Schweiz teilnehmen. Organisiert wird das Treffen von der Donor Care Association am UniversitätsSpital Zürich. Wir haben mit Evelyn Kaufmann über ihren ganz persönlichen Bezug zur Organspende gesprochen.

​Evelyn Kaufmann, Mutter von Aliena, musste zusammen mit ihrem Mann am 28. April 2013 eine schwere Entscheidung treffen. Ihre Tochter war nach einer Komplikation mit dem Shunt, den sie seit Geburt wegen eines Hydrocephalus implantiert hatte, sehr plötzlich verstorben. Die Eltern entschieden sich – selbst Träger von Organspendeausweisen – mit den Organen der erst 2-jährigen Aliena anderen Kindern ein neues Leben zu ermöglichen. Wir haben Evelyn Kaufmann gefragt, was sie in dem Moment gefühlt hatte und wie sie die Gespräche mit dem Care-Team empfunden hatte.

Evelyn Kaufmann, Was ging Ihnen durch den Kopf, als Ihnen bewusst wurde, dass man Sie für eine Organspende fragen würde?
Nachdem uns gesagt worden war, dass sie tot ist, war der erste Gedanke, all die Versorgungsschläuche zu entfernen und das Kind in die Arme zu nehmen. Das Team aber meinte, wir sollten zuerst zu einem Gespräch kommen. Und da wurde es uns klar, dass jetzt die Frage nach der Organspende jetzt kommt. Wir waren aber dieser Frage gegenüber ganz offen.

Wie haben Sie den ersten Kontakt empfunden? War es schwierig für Sie, trotz Schock und Trauer sich mit dem Thema Organspende auseinanderzusetzen?
Nach zwei Jahren super Betreuung durch das Kinderspital war dort das Vertrauen sehr gross und der erste Entscheid, Ja zur Organspende, einfach. Danach war es der erste Kontakt mit der Donor Care Association DCA am UniversitätsSpital Zürich. Durch die Vertrauensbasis mit dem Kinderspital war es auch einfacher, Vertrauen zu fassen. Der Kontakt mit der DCA war dann aber sehr wichtig, nicht mehr für den Entscheid, aber für all die offenen Fragen, was denn überhaupt mit dem Kind passiert. Unsere Fragen wurden sehr genau und transparent beantwortet, was uns sehr bestärkt hat in unserem Entscheid. Es war sehr wichtig, immer wieder anrufen zu können, wenn wieder neue Fragen auftauchten. Und deshalb ist die Arbeit der DCA sehr wichtig, auch für das Verarbeiten. Es war auch für Stefan Regenscheit von der DCA nicht einfach, weil es ein Kind war. Und gerade diesen offenen und ehrlichen Austausch haben wir unheimlich geschätzt.

Welche Fragen waren für Sie die wichtigsten, die Sie dem DCA Team stellten?
Wir wollten beispielsweise wissen, wo die Organe hingehen, geografisch, da die Empfänger selbstverständlich anonym bleiben. Es war uns wichtig, dass die Organe Kindern eine neue Chance geben. Mir persönlich war auch der detaillierte medizinische Ablauf sehr wichtig. Auch die Frage, wie es den Kindern geht, die die Organe bekommen haben. Das Kind, das das Herz bekommen hat, war 3/4 Jahre alt und mit wurde erzählt, wie es strahlte, wieder spielen konnte, atmen und wie gut es ihm ging. Ich finde es toll, dass ich die Informationen über die Gesundheit der Kinder, auch wenn ich diese nicht kenne, immer wieder nachfragen kann und ich freue mich extrem, wenn es ihnen gut geht.

Was ist für Sie das Positive an der Organspende?
Dass jemand anderes mit den Organen weiterleben kann.  Es ist nicht zentral, dass unsere Tochter in diesen weiterlebt, sie konnte die Organe nicht mehr brauchen, aber dafür geht es anderen gut. Wir hoffen, dass die Organe sehr lange ihren Dienst tun. Organspende ist eine sehr gute Sache und wir würden diesen Entscheid auch in Zukunft so fällen Wir hoffen natürlich, dass dies nie mehr nötig sein wird.

Was empfehlen Sie anderen Angehörigen. Wie soll man sich vorbereiten?
Man sollte sich unbedingt vorbereiten, und zwar für sich selbst. Es geht nicht darum, ob man dafür ist oder dagegen, wichtig ist, dass man sich überhaupt einmal mit der Frage auseinandersetzt und eine Entscheidung fällt. Nicht dass am Schluss die Angehörigen am Bett stehen und den Entscheid fällen müssen und sich womöglich noch zerstreiten deswegen.

Was ist Ihre Motivation, sich für die Organspende einzusetzen?
Man muss die Leute mit der Nase auf das Thema stupfen, dass jeder seinen Angehörigen den Entscheid abnimmt. Wichtig ist auch, dass man seinen Entscheid nicht nur mit einem Organspende-Ausweis belegt, sondern ihn auch den Nächsten mitteilt und darlegt. Das kann man einmal tun, man muss dies nicht dauernd thematisieren, aber dieses eine Mal ist wichtig. Sich mit der Organspende auseinander zu setzen macht man für seine nächsten Angehörigen.

Am Samstag, 19. September 2015, ist Nationaler Tag der Organspende.

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