«Ich habe die Chance auf ein neues Leben erhalten»

Anfang Jahr hat Franziska Biellmann (43) am USZ ein neues Herz bekommen. Freude und Dankbarkeit, ein neues Leben in Angriff nehmen zu dürfen, haben bei der Molekularbiologin stets die Angst vor möglichen Komplikationen überwogen.


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«Ich möchte nicht wissen, wessen Herz jetzt in mir schlägt.»
Herztransplantierte Franziska Biellmann

«Ich bin mit einem Herzfehler zur Welt gekommen. Mit sieben Tagen wurde ich zum ersten Mal operiert, beim zweiten Mal war ich gerade ein Jahr alt. Wie es sein könnte mit einem gesunden Herzen, daran habe ich nie einen Gedanken verschwendet. Macht ja auch wenig Sinn, wenn man keinen Vergleich hat. Mit dreissig dann, als Folge einer dritten Operation, bekam ich den ersten Herzschrittmacher. Es folgten fünf weitere Schrittmacher in 13 Jahren. «Ich habe Ihnen den schönsten Tod genommen – Sie werden nie an einem Herzstillstand sterben», hat sich der Arzt bei mir entschuldigt. Für Aussenstehende mag das vielleicht verlockend klingen, etwas nach ewigem Leben. Für mich war es eine befremdliche Vorstellung: Was für einen Tod kann ich jetzt erwarten?

Um den vierzigsten Geburtstag herum merkte ich, dass meine Kräfte schwinden. Selbst kurze Spaziergänge
wurden zur Qual. Energie? Gleich null! Das schränkt ein. Nicht nur, was den Bewegungsradius anbelangt, sondern auch gesellschaftlich. 2016 kam ich auf die Liste für eine Herztransplantation. Sagt man das den Leuten? Dem Partner sicher. Ansonsten sprach ich nicht darüber. Einfach, um mein Umfeld nicht in eine unangenehme Situation zu bringen: «Jesses, die Franziska braucht ein neues Herz» – wie soll jemand damit überhaupt umgehen?

Als am 27. Januar spätabends das Telefon klingelte und man mir mitteilte, ich bekäme noch in dieser Nacht ein neues Herz, stellte ich mich erst einmal unter die Dusche. Eine Viertelstunde später holte mich die Ambulanz ab und fuhr mit mir ins Universitätsspital in Zürich. Mit Blaulicht. Ich dachte noch: «So viel Aufhebens müssten die eigentlich auch nicht machen, ich bin doch kein Notfall.» Die achtstündige Operation verlief ohne Zwischenfälle. Auch danach: keine Komplikationen. Logisch, bin ich dem Spender und seinen Angehörigen dankbar. Wissen, wessen Herz jetzt in mir schlägt, möchte ich hingegen nicht. Ich will die Büchse der Pandora nicht öffnen und etwas heraufbeschwören, von dem man nicht weiss, wie es herauskommt.

Zehn Monate sind seit meiner Operation vergangen. Ich fühle mich unglaublich gut, die Energie ist zurückgekehrt. Natürlich muss ich auch Medikamente nehmen – und die haben Nebenwirkungen. Mein Gesicht und mein Körper sind aufgedunsen vom Kortison. Dass ich aufgrund meines geschwächten Abwehrsystems kein Sushi und keinen Schimmelkäse mehr essen darf, an diesen Gedanken muss ich mich erst noch gewöhnen. Aber im Ernst: Wenn man abwägt, dass sich mir dafür die Chance auf ein neues Leben bietet, ist das sicherlich zu verkraften.»


​Im Nationalen Organspenderegister kann man eintragen, ob man nach dem Tod Organe und/oder Gewebe für eine Transplantation spenden möchte oder nicht. Der Eintrag im Register ist freiwillig und kann jederzeit geändert werden: www.organspenderegister.ch.


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