Mehr Lebern für Transplantation geeignet dank Perfusionsverfahren namens HOPE

Weltweit herrscht Organmangel. Jährlich sterben viele Menschen, weil nicht genug Spenderlebern für eine Transplantation zur Verfügung stehen. In der Schweiz sind derzeit 162 Patienten auf der Warteliste für eine neue Leber registriert (01.01.2015). Um diese Situation zu verbessern, werden am UniversitätsSpital Zürich seit Oktober 2011 auch Organe nach Herzstillstand entnommen. Dank dem HOPE-Verfahren können mehr dieser Organe als bisher für Lebertransplantationen verwendet werden.

​Entnahme von Organen nach Herzstillstand

Die Entnahme von Organen nach Herzstillstand erfolgt streng nach gesetzlichen Bestimmungen. Nach dem Eintreten des Herzstillstands beim Spender wird nach einer Wartezeit von 10 Minuten der Hirntod fachmännisch bestätigt. In der Zeit zwischen Herzstillstand und Entnahme der Organe werden diese jedoch weder gekühlt noch mit Sauerstoff versorgt. Weil dies bei den Empfängern der Lebern zu einem erhöhten Komplikationsrisiko führen kann, werden die Spenderorgane teilweise nicht eingesetzt. Damit gehen sie für potentielle Empfänger auf der Warteliste verloren.

«HOPE» - Hoffnung für Menschen mit Leberschäden

Nach langjähriger Forschungs- und Entwicklungstätigkeit haben Mitarbeiter der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie des UniversitätsSpitals Zürich die HOPE-Methode (HOPE = Hypothermic Oxygenated machine PErfusion) im Jahre 2012 erstmals weltweit angewendet. Das Besondere des HOPE-Verfahrens ist eine Spülung der Leber mit einer kalten, mit Sauerstoff angereicherten Lösung. Die Ärzte führen diese Spülung im Operationssaal durch, direkt vor der Einpflanzung der Leber in den Empfänger. Das Verfahren soll Vorschäden am Spenderorgan reduzieren und die Funktion der Leber im Empfänger verbessern.

Viele Menschen könnten profitieren

«Wir haben im Rahmen unseres Programms bis heute 31 Patienten mit schweren Lebererkrankungen auf diese Weise mit einer neuen Leber versorgt und haben dabei sehr gute Erfahrungen gemacht», sagt Prof. Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationsmedizin. Der Erfolg sei das Ergebnis von 15 Jahren intensiver Forschungsarbeit von mehreren Teams. Derzeit wird die Methode weiterhin im Rahmen einer Studie untersucht. Die verantwortlichen Ärzte sind vorsichtig optimistisch. Sollte sich der Erfolg weiterhin bestätigen, könnte die HOPE-Methode weltweit angewendet werden. Prof. Pierre-Alain Clavien: «Damit könnten rund 25% der Patienten auf den Wartelisten zusätzlich mit einer Leber versorgt werden. In der Transplantationschirurgie wäre das ein grosser Schritt vorwärts.»

Schema zur Leberperfusion (HOPE-Technik)

Ansprechpartner für Fragen

 

Prof. Dr. Pierre-Alain Clavien ist ein international bekannter Spezialist für HPB-Chirurgie und Lebertransplantation. Seine chirurgische Ausbildung erhielt er in Genf und Basel, seine Spezialisierung in HPB-Chirurgie vervollständigte er an der University of Toronto in Kanada. Danach leitete er die HPB-Chirurgie und Lebertransplantation an der Duke University in den USA. Im Jahr 2000 übernahm er die Leitung der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie am UniversitätsSpital Zürich.

Prof. Dr. med. Pierre-Alain Clavien
Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie
UniversitätsSpital Zürich
Tel. +41 44 255 33 00
clavien@access.uzh.ch

Weitere Informationen: http://www.hope-liver.com/
Studie im Journal of Hepatology: http://www.ncbi.nlm.nih.gov/pubmed/242’95’869