Patienten mit erhöhtem Risiko für Herzkrankheiten sollten auch zur Darmspiegelung

Forscher des UniversitätsSpitals Zürich haben in einer Studie nachgewiesen, dass Patienten mit erhöhtem Risiko für koronare Herzkrankheit auch ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs tragen. Ärzte sollten deshalb diese Patienten zur Früherkennung schicken, auch wenn noch keine Symptome auftreten.

Fettleibigkeit, Rauchen, Bewegungsmangel, schlechte Ernährungsgewohnheiten, fortgeschrittenes Alter und Diabetes mellitus Typ 2 gelten als Risikofaktoren für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Dieselben Faktoren sind auch als Ursachen für Darmkrebs bekannt.

Der Zusammenhang verschiedener Erkrankungen mit gemeinsamen Risikofaktoren wird schon seit einiger Zeit vermutet und untersucht. So ist aus einer chinesischen Studie bekannt, dass bei Patienten mit nachgewiesener koronarer Herzkrankheit auch häufiger Darmkrebs festgestellt wird.

Darmkrebs ist heilbar, vorausgesetzt, die Erkrankung wird in einem frühen Stadium entdeckt – also zu einem Zeitpunkt, an dem noch kaum oder keine Anzeichen dafür auftreten. Dr. med. univ. David Niederseer und PD Dr. med. Christian Schmied von der Klinik für Kardiologie des UniversitätsSpitals Zürich sowie Prof. Christian Datz, Krankenhaus Oberndorf (Österreich), haben deshalb in einer Studie untersucht, ob sich auch schon bei Risiko-Herzpatienten ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs erkennen lässt.

Ein wichtiger Beitrag zur lebensrettenden Früherkennung

In der Studie wurden 2098 Männer und Frauen erfasst die weder in Bezug auf Herz noch Darm Symptome aufwiesen. Für sämtliche Teilnehmer wurde nach etablierten Risikoscores errechnet, mit welcher Wahrscheinlichkeit sie eine Herzkrankheit entwickeln oder an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung sterben werden. Bei allen Teilnehmern wurde anschliessend eine Koloskopie (Darmspiegelung) durchgeführt und deren Ergebnis mit dem kardiovaskulären Risiko abgeglichen. Dabei zeigte sich eine signifikante Übereinstimmung von erhöhtem Risiko für Herzerkrankungen und festgestellten Veränderungen verschiedener Stufen im Darm.

Die Resultate der Studie, die am 9. Mai 2017 im renommierten Journal of the American College of Cardiology publiziert wurden, sind für die Identifikation darmkrebsgefährdeter Personen ein grosser Gewinn. Ärzte sollten daran denken, dass bei Frauen und Männern mit erhöhtem Risiko für koronare Herzkrankheit auch ein erhöhtes Risiko für Darmkrebs besteht und insbesondere diese Patienten zur Darmspiegelung zur Krebsfrüherkennung schicken, auch wenn noch keine Symptome auftreten.


Publikation:
David Niederseer, Andreas Stadlmayr, Ursula Huber-Schönauer, Martin Plöderl, Christian Schmied, Dieter Lederer, Wolfgang Patsch, Elmar Aigner, Christian Datz
Cardiovascular Risk and Known Coronary Artery Disease Are Associated With Colorectal Adenoma and Advanced Neoplasia
http://www.onlinejacc.org/content/69/18/2348


Ansprechpartner für Fragen:
Dr. med. univ. David Niederseer
Klinik für Kardiologie, UniversitätsSpital Zürich
david.niederseer@usz.ch

Unternehmenskommunikation, UniversitätsSpital Zürich
+41 44 255 86 20, medien@usz.ch


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