Drahtlose Messung des Lungenblutdrucks via Internet

Das UniversitätsSpital Zürich hat am Mittwoch, 22. April 2015, als eines von drei Zentren in Europa und zum ersten Mal in der Schweiz bei drei Patienten mit schwerer Herzschwäche das sogenannte CardioMems Druckgerät implantiert. Die Eingriffe verliefen komplikationslos und ermöglichen eine direkte und genaue Blutdruckmessung im Lungenkreislauf dieser Patienten.

Patienten mit Herzschwäche haben aufgrund des Pumpversagens der linken Herzkammer häufig erhöhte Blutdruckwerte im Lungenkreislauf, welche zu Atemnot, Wasser auf der Lunge und gegebenenfalls zu Pumpversagen führen können. Die frühe Erkennung des Druckanstiegs im Lungenkreislauf ermöglicht es dem Arzt, durch Anpassung der Medikamente eine Überwässerung der Lunge und damit eine Notfallhospitalisation zu verhindern. Ein neues, implantierbares Blutdruckmessgerät erlaubt es dem Patienten, täglich die Lungenblutdruckwerte an den behandelnden Arzt zu übermitteln. Es kann mit einem Katheter in die Lungenzirkulation auf Herzhöhe eingeführt werden.

Herzschwäche (auch Herzinsuffizienz genannt) bis hin zum Pumpversagen der linken Herzkammer ist eine häufige Folge von Herzinfarkt, hohem Blutdruck, aber auch Herzmuskelerkrankungen. Viele Patienten überleben heute einen Herzinfarkt und entwickeln danach  über Jahre zunehmend eine Insuffizienz. Gleiches gilt für Patienten mit Hypertonie und schlecht kontrollierten Blutdruckwerten sowie  mit selteneren Herzmuskelerkrankungen. Aufgrund dieser Entwicklung ist die Herzschwäche eine der häufigsten Hospitalisationsursachen in der Schweiz und vielen westlichen Ländern.

Lungendruckwerte erreichen behandelnden Arzt per Internet
Hospitalisationen von Patienten mit Herzinsuffizienz kosten viel Geld, sind oft wiederkehrend und nicht nur für den Patienten, sondern auch für das Gesundheitssystem eine Belastung. Entsprechend ist ein frühzeitiges Erkennen erhöhter Druckwerte in der Lunge, die der Überwässerung des Lungenkreislaufs und einer damit einhergehenden Leistungsschwäche und Atemnot vorausgehen, von grosser Bedeutung. Das neue CardioMems-Gerät von St. Jude Medical übermittelt täglich oder sogar häufiger drahtlos die Lungendruckwerte des Patienten an das ihn behandelnde Herzinsuffizienzzentrum. Das Gerät braucht keine Batterie und wird durch Induktionsströme einer am Rücken des Patienten angelegten Magnetspule mit Energie versorgt. Aufgrund der übermittelten Werte kann der behandelnde Arzt bereits vor dem Auftreten eines Lungenödems mit einer Änderung der Medikation eingreifen. Erste Studien haben ergeben, dass dadurch die Anzahl der Hospitalisationen deutlich vermindert werden kann.

Das UniversitätsSpital Zürich hat mit der Herzinsuffizienz-Arbeitsgruppe im Universitären Herzzentrum die zurzeit bedeutendste Abteilung in diesem Bereich in der Schweiz. Über 2'500 ambulante Patientenkonsultationen werden jährlich gezählt. Im vergangenen Jahr betreute das Herzinsuffizienz Team rund 1'100 Fälle stationär, wovon 16 Patienten einer Herztransplantation zugeführt wurden.

Ansprechpartner für Fragen:
Prof. Thomas Lüscher
Direktor der Klinik für Kardiologie, UniversitätsSpital Zürich
Tel.: 044 255 21 21; thomas.luescher@usz.ch

Bildmaterial:

CardioMems-Infografik
Bildlegende: CardioMems® Gerät mit Abfragesystem (unten links), Drucksensor (oben) und Lungendruckkurve (unten rechts)

Implantation
Bildlegende: Implantation des CardioMems® Drucksensors in die Lungenvene (siehe Pfeil)

Operation am USZ
Bildlegende: Das UniversitätsSpital Zürich gehört zu den drei ersten Zentren in Europa, die dieses neue Überwachungsgerät implantieren. Das Implantationsteam (von links nach rechts): Prof. Frank Ruschitzka, PD Dr. Frank Enseleit, Prof. Thomas F. Lüscher, Klinik für Kardiologie am UniversitätsSpital Zürich

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