Von der Pionierarbeit zur Spitzenmedizin – 50 Jahre Transplantation am USZ

Organempfänger haben heute eine um 10 bis 20 Jahre längere Lebenserwartung als vor 50 Jahren. Ein Fortschritt, der vor allem durch die interdisziplinäre Teamarbeit möglich wurde – heute beteiligen sich über 20 Berufsgruppen an Transplantationen. Von der Zukunft versprechen sich die Spezialisten des UniversitätsSpitals Zürich (USZ) bessere Lösungen gegen die Organabstossung. Um den Organmangel abzuschwächen, verfolgen sie innovative medizinische Ansätze.

Als der Transplantationspionier Prof. Åke Senning und sein Team am 17. Dezember 1964 die erste Organtransplantation am USZ durchführten (eine Niere), war die erwartete Überlebenszeit des Empfängers gering. Die pionierhaften Anfänge der Transplantation waren geprägt von hohen Abstossungs- und Infektionsraten. Angesichts des tödlichen Verlaufs des Nierenversagens wurde dieser Umstand aber in Kauf genommen – die Dialyse befand sich damals erst in Entwicklung. Da die Operationstechniken noch nicht etabliert waren, war es für die Chirurgen eine Herausforderung, die Patienten erfolgreich durch die Operation zu bringen. Doch die Transplantations-Pioniere am USZ wie Prof. Åke Senning oder Prof. Felix Largiadèr und ihre Teams legten den Grundstein zur späteren Transplantationstätigkeit in Zürich. Schliesslich revolutionierte die Einführung der Substanz Cyclosporin im Jahr 1983 die Transplantation. Der Wirkstoff trug dazu bei, die Abstossungsreaktionen der Organempfänger gegen das transplantierte Organ zu unterdrücken. In der Folge wurden auch in Zürich die Transplantationsprogramme für Herzen (1985) und Lebern (1986) aufgenommen. 1992 gelang Prof. Walter Weder und seinem Team die erste Lungentransplantation in der Schweiz. Im Jahr 2000 verpflanzten Pierre-Alain Clavien und sein Team die erste Leber eines Lebendspenders am USZ.

Ein komplexes Teamwork macht Transplantationen möglich
Heute ist das USZ eines von sechs Transplantationszentren in der Schweiz. Als einziges bietet es alle in der Schweiz durchgeführten Transplantationen an. Bis dato wurden über 5000 Organe verpflanzt. Die letzten 50 Jahre haben die Lebensqualität der Organempfänger stark verbessert und ihnen eine um 10 bis 20 Jahre längere Lebenserwartung gebracht. Eine Transplantation ist heute weit mehr als ein chirurgischer Eingriff. Sie ist nur möglich durch die komplexe interdisziplinäre Teamarbeit von Spezialisten – vor, während und nach der Transplantation. Über 20 Berufsgruppen sind direkt oder indirekt an einer Transplantation beteiligt. Das beginnt bei den Donor Care Managern (welche die Organspende fördern), geht über die biomedizinischen Analytiker (welche die immunologischen Kompatibilität von Spender und Empfänger abklären), bis hin zu den Transplantationskoordinatoren, den Organspezialisten sowie zu den Chirurgen und Pflegenden im Operationssaal. In der Nachbehandlung kommen unter anderem Experten aus der Pflege und der Intensivmedizin zum Einsatz sowie Dermatologen, Infektiologen oder Psychologen. Doch die Organtransplantation stösst auch heute noch an Grenzen. Die Medikamente, welche Organempfänger zeitlebens gegen die Abstossung des fremden Organs einnehmen müssen, verursachen unerwünschte Nebenwirkungen. Diese Immunsuppressiva schwächen nicht nur die Abstossungsreaktionen des eigenen Körpers gegen das fremde Organ, sondern auch die körpereigene Abwehr gegen Infektionen und Krebs. Hier setzt die Forschung am USZ mit verschiedenen Projekten an. Das Ziel besteht darin, die Lebensqualität der Empfänger weiter zu verbessern.

Mit medizinischen Innovationen gegen den Organmangel
Die Erfolge der Transplantation führten zu einer weiteren Herausforderung – zur kontinuierlichen Zunahme der Anzahl der Personen auf den Wartelisten potenzieller Organempfänger. Um dem entgegenzuwirken, wurde am USZ 2011 die Organspende nach Kreislaufstillstand (und nachfolgendem Hirntod) eingeführt. 2012 startete die Donor Care Association am USZ. Sie verfolgt das Ziel, die Organspende im Spendenetzwerk Zürich zu fördern. Zusätzlich tragen medizinische Innovationen dazu bei, den Organmangel abzuschwächen: 2012 führten die Universitätsspitäler Zürich und Genf gemeinsam die erste Triple-Crossover-Nierentransplantation durch, bei welcher die Nieren von drei Spender-Empfänger-Paaren quasi übers Kreuz transplantiert wurden. Ein anderer neuer Ansatz besteht darin, geschädigte Spenderorgane durch neue Verfahren so zu behandeln, dass sie trotzdem erfolgreich zur Organtransplantation verwendet werden können. Zur Verbesserung der Funktion dieser Organe führen die Chirurgen am USZ heute eine Art Reinigungsprogramm durch, bei welchem die Organe, zum Beispiel die Leber, mit einer schützenden Flüssigkeit durchspült werden. Auch bei der Lungentransplantation wird derzeit ein ähnliches Verfahren getestet.

​Transplantation multimedial – für Laien

Auf der Website «50 Jahre Transplantation am USZ» kommen USZ-Mitarbeitende aus über 20 Berufen in Movies, Tondokumenten und Texten zu Wort. Sie erzählen, was sie vor, während und nach einer Transplantation zum Wohl der Patienten beisteuern – und was dabei die Knackpunkte und Highlights sind. Sie erzählen zum Beispiel, wie viel Fingerspitzengefühl man als Donor Care Manager braucht, wenn man mit den Angehörigen von Sterbenden über die Möglichkeit einer Organspende spricht. Sie erklären, welche Labortests im Vorfeld einer Transplantation notwendig sind und warum Transplantationen nur von erfahrenen Chirurgen durchgeführt werden. Und sie schildern, wie eng Transplantierte über Jahre hinweg von Mitarbeitenden des USZ begleitet werden – und welchen Fortschritt die Forscher in den letzten 50 Jahren auf dem Gebiet erzielt haben. Neben den USZ-Mitarbeitenden berichten aber auch die betroffenen Patienten, was ihnen persönlich die Transplantation bedeutet.

www.50jahretransplantation.usz.ch


Bildmaterial


Factsheets


Medienmitteilung als Druckversion (PDF)