Schlaganfälle verhindern und Leben retten mit einem einfachen Augentest

Forschende an der Augenklinik des UniversitätsSpitals Zürich haben nachgewiesen, dass mit einem einfachen Test Risikopatienten für Schlaganfälle frühzeitig erkannt werden können.

Ein einfacher Augentest könnte in Zukunft helfen, Patienten mit einem erhöhten Risiko für einen Schlaganfall zu erkennen. Forschende der Augenklinik des Zürcher Universitätsspitals haben in einer prospektiven Studie nachgewiesen, dass mit der Messung der okulären Pulsamplitude hochgradige Carotisstenosen entdeckt werden können. Carotisstenosen sind durch Arteriosklerose verengte Halsschlagadern, die den vorderen und mittleren Teil des Gehirns mit Blut versorgen. Die okuläre Pulsamplitude kann in der augenärztlichen Praxis während einer Routineuntersuchung gemessen werden. Die im Juni 2012 in der amerikanischen Fachzeitschrift «Ophthalmology» publizierte Studie zeigt, dass bei Patienten mit einer niedrigen okulären Pulsamplitude in einer Ultraschalluntersuchung hochgradige Carotisstenosen diagnostiziert werden konnten. Personen mit einer hochgradigen Carotisstenose haben ein stark erhöhtes Risiko, einen Schlaganfall zu erleiden.

In der Schweiz erleiden jedes Jahr rund 12'000 Menschen einen Schlaganfall. Rund ein Drittel der Betroffenen bleibt behindert und ein weiteres Drittel stirbt an den Folgen des Schlaganfalls. Eine möglichst frühe Erkennung einer hochgradigen Carotisstenose kann einen Schlaganfall verhindern. Weil Patienten mit stark ausgeprägten Carotisstenosen symptomfrei sein können, wird diese Krankheit oft spät entdeckt.

Für die Studie hat das Zürcher Forschungsteam 67 Patienten mit einem Verdacht auf eine Carotisstenose untersucht. Dafür wurde ein Augendruckmessgerät verwendet, das neben dem Augendruck auch die okuläre Pulsamplitude misst. Die okuläre Pulsamplitude ist die Differenz zwischen dem systolischen und dem diastolischen Augendruckniveau, die während des natürlichen Herzzyklus entsteht. Wenn der Blutfluss durch eine Carotisstenose gestört ist, wird diese Differenz sehr klein. Die Studie hat gezeigt, dass Patienten mit der niedrigsten okulären Pulsamplitude auch unter den ausgeprägtesten Carotisstenosen litten.

«Unsere Resultate zeigen, dass die okuläre Pulsamplitude eine sichere, einfache und kostengünstige Screeningmethode für Carotisstenosen sein könnte. Es müssen aber noch weitere Studien folgen, um den wahren Wert dieser Methode zur Schlaganfallprävention zu bestimmen», sagt Studienleiter Dr. Pascal Knecht. Die okuläre Pulsamplitude kann auch im Rahmen anderer Augenerkrankungen vermindert sein. Diese sind aber, laut Dr. Knecht, einfach während einer Augenuntersuchung zu entdecken.

Publikation zur Studie in der Fachzeitschrift Ophtalmology (Juni 2012):

Pascal B. Knecht, MD, Moreno Menghini, MD, Lucas M. Bachmann, MD, PhD, Ralf W. Baumgartner, MD, Klara Landau, MD:
The Ocular Pulse Amplitude as a Noninvasive Parameter for Carotid Artery Stenosis Screening: A Test Accuracy Study (PDF)

Ansprechpartner für Fragen:

Dr. med. Pascal Bruno Knecht-Boesch
Oberarzt in der Augenklinik des UniversitätsSpitals Zürich
Telefon +41 76 442 90 07
pascal.knecht@usz.ch oder pascalknecht@gmx.ch

Prof. Dr. med. Klara Landau
Direktorin Augenklinik, UniversitätsSpital Zürich
Telefon +41 44 255 49 00

Medienmitteilung als Druckversion (PDF)