Moulagenmuseum Zürich eröffnet eine neue Dauerausstellung zum 20-Jahre-Jubiläum

Wachspräparate, die Hautkrankheiten darstellen, sind auch im Zeitalter der Digitalisierung von grosser Bedeutung für die Ausbildung von Hautfachärzten. Dies zeigt die neue Dauerausstellung «Körper aus Wachs oder Pixel?» des Moulagenmuseums des UniversitätsSpitals Zürich und der Universität Zürich.

Moulagen sind Wachsmodelle von Körperteilen, die von Hautkrankheiten gezeichnet sind. Sie stellen Erkrankungen in Originalgrösse und dreidimensional dar – etwa Ekzeme, Hautinfektionen, Schuppenflechte, Syphilis, Hautpilze oder Formen von Hautkrebs. Moulagen werden über ein Gipsnegativ aus einer Wachsmischung gegossen und anschliessend bemalt. Ab Mitte des 19. Jahrhunderts waren sie lange die wichtigsten Lehrmittel für den dermatologischen Unterricht. Sie eigneten sich ausserdem, um Befunde an Kongressen zu demonstrieren und um die klinische Forschung zu dokumentieren. Daneben wurden sie öffentlich gezeigt, um die Bevölkerung über Geschlechtskrankheiten aufzuklären. Die abschreckende Wirkung der Präparate war dabei nicht unerwünscht.

Wachs und Pixel

Im ausgehenden 20. Jahrhundert ersetzten Dia und Video die Moulagen im Unterricht. Als das Moulagenmuseum vor 20 Jahren eröffnet wurde, begann gerade das Zeitalter der Digitalisierung. Es schien unwahrscheinlich, dass historische Wachsobjekte wieder den Weg zurück in die Vorlesung finden würden Dr. Michael Geiges, Kurator der neuen Dauerausstellung, Oberarzt am UniversitätsSpital Zürich und Medizinhistoriker, stellt heute jedoch fest, dass Moulagen bei den Studierenden wieder sehr beliebt sind und gegenüber virtuellen Darstellungen nach wie vor über grosse Vorteile verfügen: «Ein reales Wachsunikat verweist direkt auf die Leidensgeschichte eines Patienten. Mit seiner unübertroffenen Detailtreue konfrontiert es die Betrachter unweigerlich mit der eigenen Verletzbarkeit. Bei virtuellen 3D-Animationen ist dies viel weniger der Fall.» Diese Erkenntnis habe sich allmählich durchgesetzt, weshalb heute Moulagen in der Dermatologie wieder vermehrt als Lehrmittel eingesetzt würden. «Moulagen sind zudem aussergewöhnliche historische Patientendokumente und wichtige Quellen für die medizinhistorische Forschung», sagt Dr. Michael Geiges.

Weltweit eine der grössten Sammlungen

Das Moulagenmuseum Zürich besitzt eine der weltweit grössten Sammlungen von Wachsmodellen und war Pionier in der Gestaltung von thematischen Ausstellungen. Die nun zum 20-Jahre-Jubiläum eröffnete Dauerausstellung besteht aus drei Teilen. Der erste Teil ermöglicht einen Blick in die Vergangenheit, indem die Besucherinnen und Besuchern direkt erfahren können, wie Hautkrankheiten ausgesehen haben, die es heute bei uns nicht mehr gibt – beispielsweise Pocken. Ein zweiter Teil thematisiert den Wandel der Bildmedien im universitären Unterricht und verschafft einen überblick über die Herstellung und Konservierung der fragilen Unikate. Je länger desto mehr unterstützt die digitale Technik den Einsatz von Moulagen, indem sie die Replizierbarkeit vereinfacht. So erleichtern etwa 3D-Printer den Erhalt und die Herstellung neuer Moulagen. Der dritte Teil gibt einen überblick über alle relevanten Hautkrankheiten von heute und richtet sich in erster Linie an Studierende.

Der Eintritt ins Moulagenmuseum Zürich ist kostenfrei. Führungen werden auf Anfrage auch ausserhalb der öffnungszeiten durchgeführt (Kostenpunkt: 120 Franken).

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Standort:

Moulagenmuseum Zürich
Haldenbachstrasse 14
Anreise über Tramhaltestelle Haldenbach (Tram Nr. 9 und 10)
Tel. +41 44 255 56 85

Öffnungszeiten:

Mittwochs 14 bis 18 Uhr
Samstags 13 bis 17 Uhr

Ansprechpartner für die Medien:

Dr. Michael Geiges
Kurator des Moulagenmuseums
Facharzt für Dermatologie und Venerologie
Oberarzt Dermatologische Klinik UniversitätsSpital Zürich
Wissenschaftlicher Mitarbeiter Medizinhistorisches Institut der Universität Zürich
Tel.: +41 78 661 00 44
michael.geiges@usz.ch

Folgendes Bildmaterial steht Ihnen zur freien Verfügung. Das Copyright liegt beim UniversitätsSpital Zürich.

Moulage-Basalzellkarzinom