Massive Einsparungen durch Reduktion der Komplikationsrate in der Chirurgie möglich

Ein Forscherteam des UniversitätsSpitals Zürich untersuchte in einer Studie mit 1200 Patientinnen und Patienten Faktoren, die nach grosser und komplexer Leber-, Pankreas-, Dickdarm- oder Adipositaschirurgie die Fallkosten beeinflussen. Die Studie belegt erstmals deutlich, dass vor allem Komplikationen Kostentreiber sind. Bei schweren Komplikationen können die Fallkosten gar um das Fünffache steigen.

In einer kürzlich im renommierten Wissenschaftsmagazin «Annals of Surgery» veröffentlichten Studie, konnte eine Forschergruppe am UniversitätsSpital Zürich zeigen, dass neben anderen untersuchten Faktoren, Komplikationen die Fallkosten am stärksten beeinflussen. Zum ersten Mal wurden die Folgen von Komplikationen gemäss einer standardisierten Methode finanziell quantifiziert. Dass unvorhergesehene Folgen von Operationen die Fallkosten erhöhen, ist unbestritten. Doch das Ausmass dieser Kostensteigerung bis zu einem Faktor Fünf übertrifft bisherige Schätzungen bei Weitem.

In der Studie mit 1200 Patientinnen und Patienten wurden die Fallkosten systematisch erhoben und die Komplikationen nach einer standardisierten Methode in fünf Graden der «Clavien-Dindo-Classification» erfasst. Die gesamten Fallkosten lagen bei CHF 56 Mio. Die Untersuchungsgruppe umfasste 393 komplexe Leber- und Gallengangsoperationen, 110 grosse Pankreasoperationen, 389 Dickdarmresektionen und 308 Magenoperationen. Die 30-Tage-Mortalität lag bei 1.8%, die Rate schwerer, aber behandelbarer Komplikationen bei 19%. Die publizierte Komplikationsrate war im internationalen Vergleich tief. Bei komplikationslosem Verlauf betrugen die durchschnittlichen Kosten pro Fall knapp CHF 28'000, bei einer Komplikation des höchsten Grades rund CHF 160'000.

Komplikationen in der Chirurgie haben somit nicht nur für die Betroffenen schwerwiegende Folgen, sondern auch gesundheitsökonomische Konsequenzen. 2009 beliefen sich die Gesundheitskosten auf CHF 61 Mia. (11.4% des BIP). CHF 16 Mia. wurden für die stationäre Akutbehandlung ausgegeben. Extrapoliert man die Resultate der Studie auf die Gesundheitsausgaben, so verursachen Komplikationen Kosten in Milliardenhöhe. Daher muss der medizinischen/chirurgischen Versorgungsqualität grösste Bedeutung beigemessen werden. Dies erreicht man nur durch die Konzentration von seltenen und komplikationsanfälligen Operationen auf einige Zentren, durch (Sub)Spezialisierung nach dem Vorbild der UEMS (Union Européenne des Médicins Spécialistes) und durch die Optimierung und Anpassung der Prozesse in Spitälern. Diese Massnahmen können Zahl und Schweregrad der Komplikationen reduzieren und die nachweislichen Kostentreiber der Fallkosten senken. Die Autoren der Studie fordern, dass Qualitätsdaten (wie Komplikationen) auf eine international standardisierte Weise erfasst werden sollen. Damit wäre auch ein adäquates Benchmarking unter den Spitälern gesichert.

The Impact of Complications on Costs of Major Surgical Procedures – A Cost Analysis of 1200 Patients
Published in Annals of Surgery, 201; Vonlanthen R, Slankamenac K, Breitenstein S, Puhan M, Müller M, Hahnloser D, Hauri D, Graf R, Clavien PA.
(Ann Surg. 2011 May 10 [Epub ahead of print]; available online)

Für weitere Informationen steht Ihnen Prof. Pierre-Alain Clavien, Direktor der Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie, am 08. Juli 2011 zwischen 12.00 und 14.00 Uhr zur Verfügung. Wenden Sie sich bitte an die Unternehmenskommunikation, Telefonnummer +41 44 255 86 20.

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