Studie soll zeigen, wie sich die Pflege unter DRG entwickelt

Um den Einfluss des seit Anfang 2012 geltenden Tarifsystems DRG («Diagnosis Related Groups») auf die Pflegequalität und die Arbeitsbedingungen von Pflegefachpersonen zu untersuchen, haben Pflegewissenschaftler ein Monitoringsystem entwickelt. An einer Konferenz im UniversitätsSpital Zürich haben sie das Projekt und die Ergebnisse der ersten Datenerhebung von November 2011 präsentiert. Sie zeigen ein positives Bild der Situation vor DRG.

Das Forschungsprojekt «Monitoring des Einflusses der DRG-Finanzierung auf Pflegekontextfaktoren in Schweizer Akutspitälern» des Zentrums für Klinische Pflegewissenschaft am UniversitätsSpital Zürich wird in Zusammenarbeit mit anderen Schweizer Spitälern durchgeführt. Das Ziel der bis Ende 2013 andauernden Studie besteht darin, die Risiken des neuen Tarifsystems frühzeitig zu erkennen und konstruktive Korrekturansätze einzubringen. «Die Resultate sind insbesondere wichtig, weil sie eine faktenbasierte Grundlage liefern für die Zuweisung künftiger Investitionen im Bereich Pflege», sagt Prof. Dr. Rebecca Spirig, Leiterin des Zentrums Klinische Pflegewissenschaft am UniversitätsSpital Zürich.

Untersucht werden unter anderem die Pflegequalität, die Komplexität pflegerischen Handelns, die Arbeitszufriedenheit der Pflegenden und deren Möglichkeiten, ihren ethischen Werten entsprechend zu handeln. Wissenschaftliche Daten dazu seien unverzichtbar, um auch unter dem DRG-Tarifsystem eine hochwertige Gesundheitsversorgung in der Schweiz zu gewährleisten, so Prof. Dr. Rebecca Spirig. Die DRG-Begleitforschung Pflege ist in die interprofessionelle Sinergia Studie «Impact of Diagnosis Related Groups on Patient Care and Professional Practice» (IDoC) als Begleitforschung zur Einführung der DRGs eingebettet, welche vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und weiteren Stiftungen unterstützt wird.

Erfreuliche Ausgangslage im Zeitalter vor DRG

über 2000 Pflegende aus fünf Spitälern wurden bereits vor der Einführung von DRG im November 2011 zur Pflegequalität und zu den Arbeitsbedingungen befragt. «Die Resultate zeichnen ein positives Bild. Sie machen aber auch deutlich, dass in verschiedenen Bereichen zusätzliche Anstrengungen unternommen werden müssen, um die Arbeitsumgebungs- und Pflegequalität weiterzuentwickeln», sagt Michael Kleinknecht, Projektleiter der Studie. Die Ergebnisse zeigen, dass mindestens 90% der Pflegenden in den einzelnen Spitälern mit ihrem Beruf «eher zufrieden» oder «sehr zufrieden» sind. über 80% äussern sich positiv über ihre Arbeitsstelle.

Aufgrund des betrieblichen oder finanziellen Drucks können allerdings bis 40% der Befragten «häufig» oder «sehr häufig» Patienten nicht so betreuen, wie es ihrem Berufsethos entspricht. Je nach Spital beurteilen 35 bis 46% der Pflegefachpersonen die interprofessionelle Zusammenarbeit als «gut». Die personelle Besetzung und die vorhandenen Ressourcen schätzen aber höchstens 30% der Befragten als «genügend» oder «gut» ein. Die Pflegenden orten Optimierungsbedarf in Bezug auf die Führung, die Effizienz von Strukturen und in Bezug auf interprofessionell abgestimmte Prozesse. Die Ergebnisse zeigen zudem, dass die Behandlungen in den letzten Jahren invasiver und die Pflege komplexer geworden sind und sich dadurch der Pflegeaufwand erhöht hat.

Erhebung alle drei bis vier Jahre geplant

Künftig sollen alle drei bis vier Jahre Daten erhoben werden, um systematisch zu dokumentieren, wie sich die Pflege in der Schweiz entwickelt. Neben dem UniversitätsSpital Zürich beteiligen sich die Universitätsspitäler Basel und Bern, das Kantonsspital Winterthur und die Solothurner Spitäler AG an der Forschung. Ob es den Spitälern gelingt, die positiven Resultate auch im Zeitalter von DRG aufrecht zu halten, wird das zweite Monitoring zeigen.

Ansprechpartner für Fragen:

Prof. Dr. Rebecca Spirig
Leiterin Zentrum Klinische Pflegewissenschaft, UniversitätsSpital Zürich
Tel.: +41 44 255 21 94; rebecca.spirig@usz.ch

Michael Kleinknecht
Projektleiter der Studie, Zentrum Klinische Pflegewissenschaft,
UniversitätsSpital Zürich
Tel.: +41 44 255 38 82; michael.kleinknecht@usz.ch

Medienmitteilung als Druckversion (PDF)

Publikationen:

Michael Kleinknecht, MNS, Diana Staudacher, Dr. phil., Irena Anna Frei, PhD, Elisabeth Spichiger, PhD, Jacqueline S. Martin, PhD, Rebecca Spirig, Prof., PhD (2012): »DRG: Eine Chance für die Spitäler». Schweizerische ärztezeitung 92 (19), 379-381.
DRG: Eine Chance für die Spitäler (PDF)

Michael Kleinknecht-Dolf, MNS, Sandra Haubner, BSN, Diana Staudacher, Dr. phil., Rebecca Spirig, Prof., PhD (2012): «Berufsethik unter Druck. Moralischer Stress bei Pflegefachpersonen als mögliche Konsequenz des Spardrucks unter DRG». Care Management, 5 (1), 16-19.
Berufsethik unter Druck (PDF)

Rebecca Spirig, Prof., PhD, Diana Staudacher, Dr. phil., Horst Rettke, MNS,
Michael Kleinknecht, MNS (2011): «Wie könnten DRG die Pflege an Schweizer Spitälern beeinflussen? Aus Gesprächen mit Pflegefachpersonen». In: Verena Wild, Eliane Pfister, Nikola Biller-Andorno (Hrsg.): DRG und Ethik. Ethische Auswirkungen von ökonomischen Steuerungselementen im Gesundheitswesen, 17-24.
Wie könnten DRG die Pflege an Schweizer Spitälern beeinflussen? (PDF)