| Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie |
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Prof. Dr. Dr. med. Klaus W. Grätz Klinikdirektor |
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Das Akademische Jahr 2002 war nach dem Wechsel des Klinikdirektors im Jahr 2001 geprägt von einem Neuaufbruch: Seit 1. November steht Herr Prof. Dr. Dr. K. W. Grätz der Klinik und Poliklinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie als Direktor vor. Zudem konnte als neuer Leitender Arzt Herr Privatdozent Dr. J. Obwegeser aus Linz für die Klinik gewonnen werden.
Im Jahr 2002 wurde der Ausbau der bisher schon guten Zusammenarbeit mit den anderen "Kopfdisziplinen" ORL, Neurochirurgie, Neuroradiologie und Augenheilkunde - sowie entsprechend unseren Aufgabengebieten - mit der Klinik für Unfallchirurgie bei der interdisziplinären Versorgung von verunfallten Patienten, mit der Klinik für Wiederherstellungschirurgie und der Radio-Onkologie bei der Betreuung von Patienten mit Tumorleiden im Kopf-Hals-Bereich und mit der Kinderklinik vor allem bei der Behandlung von Lippen,- Kiefer-, Gaumenspalten und anderen kraniofazialen Fehlbildungen sowie der kieferchirurgischen Traumatologie bei Kindern fortgesetzt. Hier ist die Zusammenarbeit mit der Klinik für Kieferorthopädie und Kinderzahnheilkunde am Zentrum für Zahn- Mund- und Kieferheilkunde sowie mit der Abteilung für Logopädie des UniversitätsSpitals ausgebaut worden.
Klinische Tätigkeit / Pflege
Schwerpunkt der Klinik ist die Patientenversorgung im ambulanten und im stationären Bereich. Während die Anzahl der neuen Patienten der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie und die Anzahl der behandelten Notfälle im Jahr 2002 konstant blieb, kam es zu einer Zunahme der Anzahl neuen Patienten in der Poliklinik für Orale Chirurgie auf 10.565. Ebenso blieb die Anzahl der operativen Eingriffe nahezu konstant, bei einem Rückgang der durchschnittlichen Bettenbelegungsquote um 6 %.
Die umfangreiche Tätigkeit in der Patientenversorgung konnte in der Poliklinik für Orale Chirurgie fortgesetzt werden. Die Anzahl der neuen Patienten nahm von 7885 im Jahre 2001 auf 10565 im Jahre 2002 zu. Dies ist ein Zuwachs von rund 25 %. Gleichzeitig kam es jedoch zu einem Rückgang der Anzahl der Behandlungssitzungen um 10% von 24444 im Jahre 2001 auf 22173 im Jahre 2002.
In Zusammenarbeit mit der Pflegeleitung wurde im Rahmen eines "fit"-Projektes ein neues Geschäftsreglement ausgearbeitet, welches ebenfalls die interdisziplinäre Zusammenarbeit fördern und verankern soll. Ferner wurde im Rahmen der Verbesserung der Organisationsabläufe im Pflegebereich ein täglicher Organisationsrapport eingeführt und es fand eine intensive Auseinandersetzung mit den Themen "Patientenübergabe am Bett" und "Pflegediagnostik" statt.
Auf der Überwachungsstation wurde mit zwei bisher wenig frequentierte Betten eine Coronare Care Unit (CCU) eingerichtet, auch hier entwickelt sich die interdisziplinäre Zusammenarbeit erfreulich.
Lehre
Neben der Umfangreichen Vorlesungstätigkeit sowohl für Studierende der Zahnmedizin als auch für Studierenden der Medizin konnten im Jahr 2002 3 Assistenten ihre Spezialistenausbildung zum Kiefer- und Gesichtschirurgen FMH beenden. 5 Weitere Assistenten befinden sich noch in Ihrer Weiterbildungszeit.
Die zahnärztliche Weiterbildung zum Spezialisten für Oralchirurgie SSO wird derzeit von vier Kollegen durchlaufen.
Ferner wurden im Jahre 2002 wurden 41 Doktorrierende durch die Klinik betreut, zudem konnten 6 Gastärzte, 7 Unterassistenten und mehrere ausländische Hospitanten, unter anderem aus Südamerika und Indien einen Einblick in die Arbeitsweise unserer Klinik erhalten.
Im Rahmen der Ausbildung der medizinischen Hilfsberufe wurden unter anderem für Technische Operationsassistenten, Dentalassistentinnen und Dentalhygienikerinnen von den Oberärzten der Klinik regelmässig Unterrichtsveranstaltungen durchgeführt.
Forschung
Das Hauptinteresse unserer Forschungsaktivität ist die lokale Induktion von Knochenbildung. Um dieses Ziel zu erreichen, etablierten wir in unserer Klinik über die letzten Jahre die Produktion von "bone morphogenetic proteins (BMP)", die sich durch ihre Fähigkeit Knochenbildung auszulösen, auszeichnen. Obwohl dieses Protein nun in ausreichender Menge produziert werden kann, wird dessen Anwendung am Patienten durch das Fehlen eines geeigneten Trägermaterials hinausgezögert. Über das letzte Jahr haben wir die Untersuchung von neuartigen Trägermaterialien, die in enger Zusammenarbeit mit der Gruppe um Professor Jeff Hubbell (Biomedizinische Technik; ETH und Universität Zürich) entwickelt wurden, fortgesetzt. Jetzt, nachdem ein Grossteil dieser Arbeit abgeschlossen ist, kann man behaupten, dass wir ein vollsynthetisches Material entwickelt haben, das wie eine natürliche Matrix über zelluläre Mechanismen abgebaut wird und sich hervorragend als Trägermaterial für BMP oder andere Proteine eignet. Die wissenschaftliche Begleitung dieses Materials vom Labor in die Klinik wird auch weiterhin von uns und nun vermehrt auch von anderen Kliniken des Zentrums für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (Gruppe um Professor Christoph Hämmerle) erfolgen. Den ersten Einsatz dieser neuartigen Knochenersatzmaterialien am Menschen soll in der Verbindung mit dem Setzen eines Dentalimplantates geschehen. Da in den meisten dieser Fälle zu wenig Knochen vorhanden ist, muss zunächst der fehlende Knochen aufgebaut werden. Dieses geschieht normalerweise über die Anwendung von Knochenersatzmaterialien und einer Membrantechnik (guided bone regeneration: GBR). Diese Membrantechnik beruht darauf, dass ein Raum geschaffen wird, in den anderes Gewebe nicht einwachsen kann und so dem Knochen genügend Zeit gegeben wird, sich zu regenerieren. In Zusammenarbeit mit einer finnischen Firma (INION, OY, Tampere, Finnland) waren wir an der Entwicklung einer bioabbaubaren (GBR) Membran beteiligt, die nach der Knochenregeneration nicht mehr entfernt werden muss. Der grösste Schritt in der Weiterentwicklung dieser Membran ist uns aber dadurch gelungen, dieser Membran auch noch eine Knochenbildung fördernde Eigenschaft, sprich Bioaktivität, zu verleihen. Die Untersuchung dieser, die Knochenbildung fördernde Eigenschaft, wird uns weit bis ins nächste Jahr beschäftigen.
Fort- und Weiterbildung
Von der Klinik organisierte und abgehaltene Kurse betrafen unter anderem den Strahlenschutz in der zahnärztlichen Praxis, die Implantologie und die Orale Pathologie. Ferner beteiligten sich Angehörige der Klinik im Jahr 2002 an über 70 Weiterbildungsveranstaltungen und Vorträgen ausserhalb der Universität, von der Berufsberatung von Schulabgängern, bis hin zu Weiterbildungsveranstaltungen für niedergelassene Kollegen in der Praxis.
Personelles
Die Stelle des Leitenden Arztes konnte zum 1. August mit Herrn PD Dr. J. Obwegeser neu besetzt werden. Er habilitierte sich mit dem Thema "Resorbierbare und umbaubare Osteosynthesematerialien" unter besonderer Berücksichtigung der orthopädischen Chirurgie des Gesichtsskelettes 1997 an der Universität Wien.
Seine operativen Schwerpunkte sind die plastisch-rekonstruktiven Verfahren der Kiefer- und Gesichtschirurgie einschliesslich der mikrovaskulären Techniken und kieferorthopädische Chirurgie.
Auch im Jahr 2002 kam es zu keiner einzigen weiblichen Bewerbung auf eine Assistentenstelle im Fach Kiefer- und Gesichtschirurgie. Hauptgrund hierfür mag die mit Studium insgesamt 16-jährige Ausbildungszeit bis zum Facharzt Kiefer- und Gesichtschirurgen FMH sein. Lediglich eine Oberarztstelle an der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie ist mit einer Kollegin besetzt.
An der Poliklinik für Orale Chirurgie ist eine Oberassistentinnenstelle mit einer Kollegin, die Hälfte der 6 Assistentenstellen mit Kolleginnen besetzt.
Behandlungsschwerpunkte
- Behandlung craniomaxillofazialer Missbildungen einschliesslich Lippen-, Kiefer- Gaumenspalten
- Kieferorthopädische Chirurgie
- Tumorchirurgie des Kopf-Hals-Bereiches
- Plastische und Wiederherstellende Gesichtschirurgie einschliesslich ästhetischer Chirurgie des Gesichtes
- Traumatologie / Unfallverletzungen des knöchernen und weichteiligen Gesichtsschädels
- Laserchirugie
- Implantologie/präprothetische und präimplantologische Chirurgie
- Kiefergelenkschirugie
- Maxillofaziale Prothetik
- Schleimhauterkrankungen / Stomatologie
Forschung
- Entwicklung von Trägermaterialien für Stoffe zur lokalen Induktion der Knochenneubildung
- Entwicklung von Hemmstoffen der heterotopen Ossifikation
- Computer Assisted Surgery
- Klinische Evaluation bioresorbierbarer Osteosynthesematerialien
- Auf- und Ausbau eines Laserzentrums