Nachdem das Jahr 2001 mit mehreren Wechseln beim Kader und Plänen für die bauliche Gesamterneuerung einige Unruhe gebracht hatte, war das Jahr 2002 ein Jahr der Beruhigung und der kleinen Schritte. Statt der baulichen Renovation, die wegen fehlender Finanzen zurückgestellt werden musste, begannen wir eine schrittweise Reorganisation im personellen und organisatorischen Bereich. Trotz technischen Schwierigkeiten wegen der veralteten Infrastruktur (Rohrbruch) und zeitweisen Engpässen bei den Ärzten und beim Pflegepersonal konnten ebenso viele Pflegetage wie im Vorjahr erbracht werden (2001: 7280 und 2002: 7276) und so konnte ein wichtiges Leistungsziel erfüllt werden.
Die Führungsverantwortung für die ganze Klinik wurde neu von einer Klinikleitung wahrgenommen, bestehend aus Frau M. Maag, Leiterin Pflege, Frau E. Erzinger, Gruppenleiterin Pflege, Dr. R. Arlettaz, Leitende Ärztin, Dr. J.C. Fauchère, Leitender Arzt und Prof. H.U. Bucher, Klinikdirektor. Diese fünf Personen setzten sich mit den unterschiedlichen Kulturen bei Pflegedienst und Ärzten auseinander. Dazu wurde ein externer Berater beigezogen. Als konkrete Massnahme zur Förderung der gegenseitigen Wertschätzung wurden bei medizinischen Entscheidungen die pflegerischen Aspekte stärker gewichtet.
Beim ärztlichen Personal wechselten innerhalb des Jahres alle acht Assistenzärzte und zwei von vier Oberärzten, was einen erheblichen Aufwand für die Einführung und Weiterbildung der neuen Mitarbeiter bedeutete. Mit einer zusätzlichen achten Assistentenstelle konnte zu Beginn des Jahres 2002 das Nachtarztsystem eingeführt werden. Damit konnten nicht nur die Überstunden reduziert, sondern auch die Patientenbetreuung in der Nacht verbessert werden. Die konstante Zusammensetzung der Nachtequipen in der Klinik für Geburtshilfe und in der Klinik für Neonatologie führte zu einer spürbaren Verbesserung der Zusammenarbeit.
Ein Projekt zur "Entlassungsplanung" konnte im Jahr 2002 abgeschlossen werden. Mit einer Elternbefragung wurde eine bessere Vorbereitung auf einen Zimmerwechsel, eine Verlegung in ein anderes Spital und auf die Entlassung nach Hause dokumentiert (siehe Graphik). Damit wurde ein mittels einer früheren Elternbefragung aufgedeckter Mangel in der Betreuung behoben. Die Befragung der Eltern ergab aber auch, dass diese Ängste nach wie vor eine grosse Belastung sind.
Mit dem Projekt "Umgang mit Zwischenfällen" (critical incident monitoring) sollen die Qualität und Sicherheit der Patientenbetreuung verbessert werden. Alle Zwischenfälle werden anonym gemeldet, systematisch erfasst, ausgewertet und Massnahmen zur Verhinderung von Wiederholungen eingeleitet. In einer Vorbereitungsphase wurden sämtliche Mitarbeitenden der Klinik damit vertraut gemacht, dass Fehler zum Menschen gehören und Emotionen erzeugen. Wie wir mit diesen Emotionen umgehen, ist ausschlaggebend für unsere Arbeitsleistung. Das Ziel dieses Projektes ist es also, Schwächen im System aufzudecken und zu verbessern.
* Tagesmittelwerte von fünf repräsentativen Wochenarbeitstagen
Nach sorgfältigen Vorbereitungen und Instruktion von Hebammen und Pflegenden auf Stock K im Wochenbett wurden Frühgeborene ab 35 Schwangerschaftswochen ohne Anpassungsstörungen im Wärmebett zusammen mit der Mutter direkt von der Gebärabteilung auf die Wochenbettstation verlegt, also nicht mehr wie bis anhin zur Beobachtung in die Abteilung für kranke Neugeborene aufgenommen. Mit der erhöhten Kompetenz der Pflegenden im Wochenbett konnten auch Neugeborene, die wegen akuten Störungen auf der Intensivstation behandelt werden mussten, früher zur Mutter verlegt werden. Mit diesem Projekt wurde die Aufnahmekapazität für kranke Neugeborene erhöht, und die Zusammenarbeit zwischen Neonatologie und Wochenbett wurde enger.
Die ärztlichen Weiterbildungscurricula für Pädiatrie, Intensivmedizin und den Schwerpunkt Neonatologie wurden überarbeitet. In der Fortbildung für Pädiater und Geburtshelfer in Praxis und Klinik wurden mehrere interaktive Seminare durchgeführt, wobei die neue Abstimmungsanlage im Hörsaal Nord rege genutzt wurde.
In den Medien erregten vor allem die schweizerischen Empfehlungen zum Umgang mit Frühgeborenen an der Grenze der Lebensfähigkeit und das an unserer Klinik entwickelte Modell zur medizinisch-ethischen Entscheidungsfindung bezüglich Einsatz von Intensivmassnahmen Aufsehen. Das Echo auf diese Initiativen war vorwiegend positiv.
Mit der Rückkehr von Dr. el. Ing. Martin Wolf nach einem Forschungsaufenthalt an der University of Illiniois, Urbana, USA, erhielt die Forschungsgruppe erneuten Auftrieb. Ein von D. Haensse, wissenschaftlicher Mitarbeiter, gebautes Gerät zur Nahinfrarot-Spektroskopie konnte zu ersten klinischen Messungen eingesetzt werden. Damit ist ein neues Forschungsfeld zum Studium von Hören, Sehen, Spüren und Riechen bei Früh- und Termingeborenen eröffnet.
Im Jahr 2003 sollen vermehrte Anstrengungen unternommen werden, um die Kompetenz des Personals in allen Funktionen zu erhöhen. Als zweiten Schwerpunkt möchten wir die Kommunikation innerhalb der Klinik und nach aussen durchleuchten und verbessern. Es ist zu hoffen, dass der fertig geplante Umbau, bei dem die völlig veraltete Infrastruktur erneuert und die Raumverteilung den heutigen Bedürfnissen besser angepasst werden, bald begonnen werden kann.
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