Institut für Klinische Chemie

Prof. Dr. med.
Arnold von Eckardstein
Institutsdirektor
Die Höhepunkte des Jahres 2002 waren der deutliche Zuwachs der Analysenzahlen um ca. 10%, die Einführung zahlreicher neuer Parameter und Methoden, die Integration des Endokrinologischen Labors der Frauenklinik in das Institut für Klinische Chemie, die Aktualisierung und Reorganisation der Labor-EDV und der Aufbau eines Forschungslabors. Begleitet waren diese Erfolge des ganzen Institutes von erfolgreichen Abschlüssen der Aus- oder Weiterbildung sowie der akademischen Höherqualifikation von mehreren MitarbeiterInnen. Vordringliche Ziele für die Zukunft sind die Optimierung und Effizienzsteigerung der Labordiagnostik im USZ, die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Klinikern und Labordiagnostikern, der Aufbau eines international kompetitiven Forschungslabors und die bessere Repräsentanz des Faches Klinische Chemie bzw. Laboratoriumsmedizin im Medizinstudium.


Patientenversorgung

Das Jahr 2002 ist das erste ganze Jahr des Institutes für Klinische Chemie (IKC) unter seiner neuen Leitung gewesen. In diesem Jahr sind die diagnostischen Dienstleistungen in Bezug auf Analysen- und Parameterzahl in allen drei Laborbereichen (Allgemeine Analytik, Spezielle Analytik und Medikamentenanalytik) deutlich angestiegen. Die Zahl der abgegebenen Analysenresultate überschritt erstmals 2 Millionen, wobei insbesondere die Zahl der aufwendigen und teuren Spezialanalysen anstieg. Dies zeigt sich nicht zuletzt durch den überproportionalen Zuwachs der Taxpunkte auf über 30 Millionen. Da die Kosten für Personal, Investitionen und Verbrauchsmaterial weniger intensiv anstiegen, sanken die primären Erstellungskosten pro Taxpunkt um etwa 5%. Die Zahl der untersuchten Parameter beträgt nun 524.

Seit 1.7.2002 wird die bis dahin in den Laboratorien der Frauenklinik erfolgte Hormon- und Pränataldiagnostik im IKC durchgeführt. Der damit verbundene Wechsel von 2 Laborantinnen in das IKC und die Adaptation und Evaluation neuer Methoden klappten reibungslos, vor allem dank der sehr guten Kooperation und Kommunikation zwischen den Mitarbeiterinnen der Klinik für Endokrinologie und des IKC bereits in den Wochen vor dem eigentlichen Wechsel. Im Zusammenhang mit diesem Transfer wurden neue Auftragskarten für die endokrinologische Labordiagnostik und die Schwangerschaftsdiagnostik entwickelt. Beide Karten bieten nicht nur eine übersichtliche Darstellung der Parameter nach Indikationsgebieten, sondern erlauben auch eine bessere Dokumentation und Auswertung von Funktionstests und die Angabe für das Befunden notwendiger anamnestischer Daten. Die Auftragskarte für die Schwangerschaftsdiagnostik wird spezifisch von der Klinik für Geburtshilfe und externen Einsendern aus diesem Fachgebiet eingesetzt und ist damit ein Prototyp für eine speziell nach den Bedürfnissen einer Klinik konfektionierten Karte.

Neben den Sexualhormonen und pränataldiagnostischen Markern wurden etliche Parameter aus den Bereichen Herzdiagnostik, Drug Monitoring und Molekulare Diagnostik neu eingeführt. Damit verbunden wurden neue Methoden und Analysegeräte akkreditierungskonform evaluiert und eingeführt.

Die regelrechte Funktion der elektronischen Datenverarbeitung ist von immenser Bedeutung für die reibungslose Prozesssteuerung, Organisation und Dokumentation in einem Hochdurchsatzlabor wie dem IKC. Im Jahre 2002 gab es hier durch die Schaffung der Zentralen Informatik (ZIN) einschneidende organisatorische und technische Veränderungen. Vier Teilbereiche des ZIN sind für spezifische EDV-Probleme des IKC zuständig: Medizinische Spezialapplikationen, Klinikinformationssysteme, Systemtechnik und Personal Computing. Diese Aufteilung von Funktionen stellt hohe Anforderungen an die Kommunikation, weswegen im IKC eine Stabsfunktion EDV-Koordination geschaffen wurde. Diese Aufgabe erfüllt Herr Dr. Hornemann. Im IKC selbst wurde die elektronische Labordatenverarbeitung durch Austausch der Server und Upgrading des Laborinformationssystems aktualisiert. Diese Wechsel erfolgten dank des Einsatzes der Informatiker aus der ZIN-Gruppe "Medizinische Applikationen" und der MitarbeiterInnen des IKC ohne Unterbrüche und von den Einsendern unbemerkt.

Die Interaktion mit den Klinikern und anderen Labordiagnostikern wurde verstärkt. Die Teilnahme von MitarbeiterInnen des IKC an Visiten auf den internistischen und chirurgischen Intensivstationen hilft nicht zuletzt auch verbesserungsbedürftige Situationen und Organisationsformen im IKC zu identifizieren. Im Rahmen des Universitären Zentrums für Labormedizin wurde ein Konzept für ein interdisziplinäres Notfalllabor entwickelt, das im April 2003 in Betrieb gehen soll. In Zusammenarbeit mit der Abteilung für Klinische Immunologie und dem Institut für Medizinische Virologie bietet das IKC dann nachts und an Wochenenden virusserologische Untersuchungen an.


Forschung

Der Aufbau der Forschung im IKC ist im letzten Jahr durch die Einstellung von weiteren Wissenschaftlern und die apparative Einrichtung eines Forschungslabors wichtige Schritte vorangekommen. Die Forschung im IKC umfasst klinisch orientierte Grundlagenforschung, Methoden- und Technologieentwicklung sowie angewandte klinische Forschung. Die Grundlagenforschung fokussiert auf Fragen zum zellulären Lipid- und Lipoproteinstoffwechsel und zielt auf ein besseres Verständnis der Pathogenese von Arteriosklerose und neurodegenerativen Erkrankungen und damit auf die Identifizierung neuer Targets für die Diagnostik, Therapie und Prävention dieser Krankheiten. Ausserdem entwickeln Wissenschaftler des IKC neue Protokolle und (chip-) Technologien für den spezifischen Nachweis von Nukleinsäuresequenzen und neue Methoden für die Quantifizierung von Medikamenten und Metaboliten. Die klinische Wertigkeit dieser Tests und Technologien wird in Patientenstudien evaluiert. Schliesslich unterstützt das IKC viele klinische und Grundlagenforscher verschiedenster Disziplinen mit seinem breiten Spektrum analytischer Tests und Methoden.

Im Jahre 2002 waren die Mitarbeiter des IKC Autoren auf 21 Original- und 7 Übersichtspublikationen. Sie warben ca. 300’000 CHF Drittmittel ein.


Aus-, Weiter- und Fortbildung

Die Lehre des IKC umfasst die Ausbildung von MedizinerInnen (UniZH), PharmazeutInnen (ETHZ) und LaborantInnen, die Weiterbildung von FAMH- und FMH-KandidatInnen sowie LaborantInnen, und die Fortbildung von MitarbeiterInnen des IKC und externen LaborleiterInnen.

Im Rahmen des Medizinstudiums beteiligt sich das IKC an einer Vorlesung "Biochemie" (2. Studienjahr), im "Mikroskopisch-Chemischen Kurs" (3. Studienjahr), und an einer Vorlesung "Endokrinologie und Stoffwechsel" (6. Studienjahr). Das IKC engagiert sich für die adäquate Repräsentanz des Faches Klinische Chemie im Curriculum des reformierten Medizinstudiums sowohl speziell an der Medizinischen Fakultät der Universität Zürich als auch allgemein in der Schweiz. Für das reformierte Studium der Pharmazeutischen Wissenschaften der ETHZ wurde vom IKC ein mehrsemestriges Curriculum im Fach "Klinische Chemie" entwickelt, welches im Sommersemester 2003 erstmals umgesetzt wird.

Im Jahre 2002 schlossen 9 Schülerinnen im IKC ihre Ausbildung zu Medizinischen Laborantinnen ab. 2 von ihnen wurden als LaborantInnen ins IKC übernommen. 5 Schülerinnen traten in ihrem letzten Lehrjahr ins IKC ein.
Zwei Mitarbeiter des IKC schlossen ihre FAMH Weiterbildung ab oder stehen kurz vor dem Abschluss. Zwei KollegInnen nahmen ihre FAMH-Weiterbildung im IKC auf, zwei weitere Kollegen hospitierten im IKC, um die für den FAMH-Titel notwendigen Spezialkenntnisse zu erwerben.

Das IKC führt als einziges Institut in der Schweiz systematisch die von der FAMH vorgeschriebenen Weiterbildungs-Kurse durch. 2002 waren dies vier ganz- oder mehrtägige Kurse zu den Themen "Molekulare Diagnostik", "Change-Management/Projektmanagement", "Qualitätsmanagement/Qualitätssicherung" und "Sicherheit und. Hygiene im Labor". Ausserdem führte das IKC ein ganztägiges Seminar für Medizintechnik-StudentInnen der Fachhochschule Bern über das Thema "Labordiagnostik" und für das Schweizer Rote Kreuze einen mehrtägigen Weiterbildungskurs für zukünftige CheflaborantInnen über das Thema "Automation und Informationstechnologie" durch.

Die wöchentlichen Fortbildungskolloquien des IKC erfreuen sich weiterhin eines regen Interesses auch von externen Gästen. Die zusätzlichen wöchentlichen internen Fortbildungsveranstaltungen werden genutzt, die LaborantInnen des IKC über die neuen Parameter und Methoden zu informieren bzw. unter den wissenschaftlichen Mitarbeitern die Ergebnisse der wissenschaftlichen Projekte zu diskutieren und erfreuen sich ebenfalls grossen Zuspruchs.

Unter der Schriftleitung von Prof. A. v. Eckardstein hat sich die Fachzeitschrift "LaboratoriumsMedizin" zu einem wichtigen deutschsprachigen Fortbildungsorgan auf dem Gebiet der Laboratoriumsmedizin entwickelt.


Kongresse und Symposien

Prof. F. Maly (Leiter Spezialanalytik) führte zum dritten Mal ein Weiter- und Fortbildungssymposium zum Thema "Molekulare Diagnostik" durch, welches mit über 200 Besuchern ein sehr gutes Echo fand.
Prof. v. Eckardstein war Mitorganisator der Jahrestagungen der Schweizerischen Gesellschaft für Klinische Chemie in Zürich sowie der Deutschen Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin und Deutschen Gesellschaft für Klinische Chemie in Düsseldorf.


Öffentlichkeits- und Gremienarbeit

Mehrere Mitarbeiter des IKC engagieren sich in der Selbstverwaltung des USZ und UniZH, zum Beispiel die Mitarbeit im fit-Projekt Finanzielle Steuerung, UZL, PAMTI, im Personalausschuss, in der Materialkommission, in der Weiterbildungskommission und Lehrlingsausbildung wie auch in Fachgesellschaften und deren Gremien, z.B. Schweizerische Gesellschaft für Klinische Chemie, Deutsche Gesellschaft für Laboratoriumsmedizin oder Deutsche Gesellschaft für Arterioskleroseforschung .
Prof. von Eckardstein präsentierte auf mehreren Fortbildungsveranstaltungen und in Übersichtsarbeiten für niedergelassene Ärzte und Krankenhausärzte die Grundlagen und klinischen Konsequenzen internationaler Empfehlungen für die Prävention der koronaren Herzkrankheit. Er ist Koautor eines weltweit verbreiteten "Pocket Guides to Prevention of Coronary Heart Disease" der International Task Force for Prevention of Coronary Heart Disease und der International Atherosclerosis Society.


Personelles

Frau Dr. Katharina Rentsch, Leiterin Medikamentenanalytik und Toxikologie, habilitierte sich an der ETH Zürich für das Fach Klinische Chemie.
Herr Lukas Bestmann, Leiter der Allgemeinen Analytik, schloss seine Weiterbildung mit dem FAMH-Titel Klinische Chemie ab.
Frau Ursula Gutteck, Cheflaborantin Medikamentenanalytik und Toxikologie, gewann den Preis für das beste Poster an der Jahrestagung der Schweizerischen Gesellschaft für Klinische Chemie.


Ausblick

Das Jahr 2003 hält mehrere grosse Aufgaben für das IKC und seine MitarbeiterInnen bereit: den Start eines interdisziplinären Notfalllabors mit Einführung infektionsserologischer Analytik, die Einführung der Tumormarker-Analytik, die Publikation neuer Auftragskarten und eines neuen Vademecums, die Entwicklung einer neuen Internet-Seite, der Start des Kurses "Klinische Chemie für Pharmazeuten" nach der neuen Studienordnung der ETH Zürich, die Durchführung interdisziplinärer Weiter- und Fortbildungssymposien in Molekularer und kardiologischer Laboratoriumsdiagnostik. Ausserdem ist das IKC Pilotklinik im Rahmen des fit-Projektes "Finanzielle Steuerung". In diesem Rahmen wird das IKC seine Visionen und Strategien spezifisch definieren. Generelle Ziele des IKC sind die Durchführung qualitativ hochstehender, effizienter und moderner Labordiagnostik für Patientenversorgung und klinische Forschung, die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Klinikern, Labormedizinern und Wissenschaftlern bei Diagnostik, Forschung und Lehre, und die Entwicklung einer auch im internationalen Massstab profilierten Forschung.


Eckdaten
Patientenversorgung
  • 2,04 Mio abgegebene Laboranalysenresultate bzw. 31 Mio. Taxpunkte in 2002 
  • 525 verschiedene Parameter 
  • Rund-um-die-Uhr-Service an 365 Tagen im Jahr
  • Sehr schnelle turn-around-Zeiten
  • Spezialdiagnostik auf den Gebieten Drug Monitoring, Stoffwechsel und Nukleinsäure-Analytik 
  • Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit Klinikern und anderen Laborfächern

Forschung

  • Lipid- und Lipoprotein-Stoffwechsel
  • Prädispositionsgenetik (v.a. Gefässkrankheiten, Komplikationen)
  • Drug Monitoring und Pharmakogenetik 
  • Entwicklung und Evaluation von Methoden für die Analytik von Nukleinsäuren, Medikamenten und Lipiden
  • Unterstützung klinischer Forscher mit Laboranalytik
  • 21 Originalpublikationen in internationalen Fachzeitschriften mit Peer-Review In 2002
  • Einwerbung von Drittmitteln in der Höhe von ca. 300’000 CHF in 2002.

Lehre

  • Unterricht in Klinischer Chemie für StudentInnen der Medizin (UniZH) und Pharmazie (ETH)
  • Einbringung von Spezialkenntnissen in die Lehre anderer Fächer
  • Ausbildung von LaborantInnen in Klinischer Chemie
  • Weiterbildung von FAMH- und FMH-KandidatInnen
  • Regelmässige Weiter- und Fortbildungskurse für FAMH-KandidatInnen bzw. LaborleiterInnen
  • Wöchentliche Fortbildungskolloquien für wissenschaftlliche und technische MitarbeiterInnen des IKC und externe Interessierte
  • Herausgabe einer Fachzeitschrift für continuous medical education in Laboratoriumsmedizin (LaboratoriumsMedizin/Journal of Laboratory Medicine)




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