Der Trend zur ambulanten Behandlung möglichst vieler Patienten hielt unvermindert an; der Betreuungs- und Pflegeaufwand der stationären Patienten ist entsprechend grösser. Die Zahl der stationären Patienteneintritte hat wieder die Tausendergrenze überschritten (1015 Eintritte gegenüber 967 im Vorjahr), bei etwas kürzerer durchschnittlicher Aufenthaltsdauer (10,3 gegenüber 10,6 Tagen) und nur geringfügig vermehrten Pflegetagen (10300 gegenüber 10253 im Vorjahr). Die durchschnittliche Bettenbelegung war mit 79,3 % (Vorjahr 77,1 %) gut, umsomehr als die übers Wochenende faktisch reduzierte Bettenzahl nicht in die Statistik einfliesst. Aufgrund der Umbauten für das Schlaflabor und temporärer Engpässe des Pflegepersonals konnten zeitweise nicht alle Betten in der Neurologischen Klinik betrieben werden. In dieser Phase konnten alle Patientinnen und Patienten in der Augenklinik hospitalisiert werden, was eine neue sehr positive Erfahrung war und als Vorzeige-Beispiel interdisziplinärer Ressourcen-sparender Kooperation gilt.
Die notwendigen raschen Abläufe zur Akutbehandlung von Schlaganfallpatienten haben sich inzwischen gut eingespielt. Das Stroke-Team evaluierte in Zusammenarbeit mit dem Notfall-Team (Dr. M. Siccoli, OA) 124 (Vorjahr 110) Patienten innerhalb sechs Stunden und führte 5 intraarterielle sowie 10 intravenöse Thrombolysen (Vorjahr: zusammen 10) durch. Die Nachbehandlung dieser Patienten ist sehr intensiv, was sich unter anderem in der hohen Anzahl von Visiten (976) in der interdisziplinären Ueberwachungsstation niederschlägt.
Die Abteilung für Epileptologie und Elektroenzephalografie verzeichnet eine weitere Zunahme der Konsultationen (2383; Vorjahr 2132), davon 322 im Rahmen der Poliklinik-Epilepsiesprechstunde. Leicht zugenommen hat auch die Anzahl evozierter Potentiale (415 gegenüber 395 im Vorjahr), während die Anzahl konventioneller EEGs (2393 gegenüber 2465), das Langzeit Video/EEG Monitoring (41 Pat. gegenüber 49), Pentothal-Koma-Monitoring mit EEG (34 Pat. gegenüber 36), intraoperatives elektrophysiologisches Monitoring (47 gegenüber 61 Pat.) und das Epilepsie-chirurgische Programm mit 32 (Vorjahr 46) Epilepsie-chirurgisch operierten Patienten etwas zurückgingen. Dies hat mit einer veränderten Patientenstruktur, aber auch mit der Uebernahme von (Schlaf-) EEGs durch das Schlaflabor und mit der über längerer Zeit unbesetzten wissenschaftlichen Oberassistenten-Stelle zu tun.
In den Labors der klinischen Vestibulo-Okulomotorik werden Patienten mit komplexen Schwindel- und Gleichgewichtsstörungen sowie Patienten mit Augenbewegungsstörungen untersucht, in enger Kooperation mit der neuro-otologischen Abteilung der ORL-Klinik und der neuro-ophthalmologischen Abteilung der Augenklinik. Neben dem neuro-otologischen Status werden -je nach Situation- der quantitative Kopfimpulstest (184), der 3D-magnetokulographische Hess-Schirm-Test (23) und Untersuchungen auf dem 3D-motorisierten Drehstuhl (61) gemacht. Neben den direkt zugewiesenen Patienten (219) werden auch die Patienten der Schwindelsprechstunde der Neurologischen Poliklinik abgeklärt und behandelt.
Die Aktivitäten im ambulanten neurologischen Bereich haben nur wenige Aenderungen erfahren, die letztes Jahr eingeführte Umstrukturierung hat sich bewährt. Wiederum konnte die Poliklinik von der Hilfe zweier Teilzeit-Study-Nurses profitieren.
Die Zahl der neurologischen Konsilien an anderen Kliniken des USZ hat massiv zugenommen (2209 gegenüber 1608 im Vorjahr), zum Teil bedingt durch wiederholt nötige Konsilien bei schwerkranken (transplantierten) Intensivstation-Patienten.
Die apparativen Schlaf-Wach-Abklärungen, im vorigen Jahr nur auf ambulanter Basis möglich, konnten ab Frühling zuerst im Schlaflabor der Pneumologie und ab 30.9.2002 im Schlaflabor der Neurologie durchgeführt werden. Insgesamt waren dies 49 konventionelle Polysomnographien, 64 respiratorische Polygraphien, 58 Vigilanztests (MSLT oder MWT) und 147 Aktigraphien. Parallel dazu konnte die ambulante Sprechstunde für Schlafstörungen intensiviert werden (215 Konsultationen, 68 im Jahre 2001). Drei Gastärzte (Dr. D. Schmid, Dr. S. Pavon, Dr. R. Khatami) sowie eine zweite Schlaflaborantin (Frau H. Tardent) seit Herbst unterstützen die stellvertretende Leiterin, Frau Dr. E. Werth.
Im Zentrum der pflegerischen Tätigkeit in der Neurologischen Klinik standen unterschiedlichste Patientensituationen, verbunden mit verschiedensten Anforderungen an die pflegerische Betreuung unserer Patienten und Patientinnen. Wesentlich dabei war das Verfolgen pflegerischer Zielsetzungen, innerhalb eines interdisziplinären Behandlungs - und Betreuungsteams. Dabei hatte der Aspekt der Frührehabilitation nach einem stationären Aufenthalt besondere Bedeutung. Dies wurde mittels Evaluation der Übergabe am Bett, durch interdisziplinäre Fortbildungen und Fallvorstellungen, sowie durch das Aufgreifen von Inhalten aus Patientenumfragen unterstützt. So ist zum Thema Schmerzerfassung bei neurologisch beeinträchtigten Patientinnen und Patienten ein Projektauftrag zur Entwicklung eines Schmerzerfassungsinstrumentes für die Kliniken Neurologie und Neurochirurgie (Bettenstationen, IPS- und Überwachungsstation) entstanden.
Forschungsschwerpunkte der Neurologischen Klinik sind die elektrophysiologische Analyse vestibulärer und blickmotorischer Regelkreise sowie deren Störungen beim Patienten (Grundlagen- und klinische Forschung), die prä- und postchirurgische Evaluation von Patienten mit schweren unheilbaren Epilepsien, die Migräne, die Neurologie des Schlafes, das Studium kognitiver und affektiver Hirnfunktionsstörungen, der Schlaganfall und die ultraschall-diagnostische Abklärung von Hirn-Durchblutungs-störungen. In allen Bereichen war die wissenschaftliche Leistung auf hohem Niveau, wie die eindrückliche Publikationsliste 2002 der Neurologischen Klinik belegt.
PD Dr. D. Straumann wurde zum Corresponding Member der American Neurological Association ernannt; zudem bekam er von der Barany-Society die Hallpike-Nylen-Medaille, die höchste Auszeichnung für Grundlagenforschung im Bereiche des Gleichgewichtsorgans.
Zu den Klinik-internen und universitären Weiter- und Fortbildungen kamen auch dieses Jahr zahlreiche, z.T. nationale und internationale, von der Neurologie organisierte Sonderanlässe dazu:
Dieses Jahr erschien das Neurologie-Kompendium (Huber-Verlag Bern), ein Vielmänner-Buch mit Beiträgen mehrerer akademischer Mitarbeiter der Neurologischen Klinik USZ (R. Agosti, C. Bassetti, R. Baumgartner, K. Hess, H. Jung, M. Regard, U. Schwarz, D. Straumann, H.G. Wieser), und herausgegeben von Prof. K. Hess (Zürich) und Prof. A. Steck (Basel).
Die neurologische Forschung ist nicht mehr zu denken ohne die David-und-Betty Koetser Foundation, welche die Neurologie USZ seit bald neun Jahren mit namhaften Beträgen unterstützt. Diesjähriger Preisträger der Koetser-Stiftungsfeier vom 14.5. war Prof. A.L. Benabid (Grenoble), ein führender funktioneller Neurochirurg. Sein Vortragsthema war "Deep brain stimulation - a new approach for the treatment of Parkinsons disease and other movement disorders."
Öffentlichkeitsarbeit war auch in diesem Jahr wichtig. Neben Zeitschriften-Beiträgen, Radio-Interviews und Auftritten am Fernsehen hatte die Neurologie an der diesjährigen Brainweek im März einen gutbesuchten Tag der offenen Türe.
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