| Institut für Neuropathologie |
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Prof. Dr. med. Adriano Aguzzi Klinikdirektor |
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Die Hauptaufgaben des Instituts für Neuropathologie bestehen in Diagnostik, Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Krankheiten des zentralen und des peripheren Nervensystems, sowie der Skelettmuskulatur.
Darüber hinaus führt das Institut als Nationales Referenzzentrum für menschliche Prionenerkrankungen (NRPE) im Auftrag des Bundesamtes für Gesundheit die gesamte nationale Referenz-Diagnostik der übertragbaren spongiformen Enzephalopathien des Menschen. Dazu gehören die Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD), die fatale familiäre Schlaflosigkeit (FFI), das Gerstmann-Sträussler-Scheinker-Syndrom (GSS), sowie die neue Variante der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (vCJD), von der man annimmt, dass sie durch den Rinderwahnsinn-Erreger (Bovine Spongiforme Enzephalopathie, BSE) verursacht wird.
Bekannt wurde das Institut vor allem durch die breit angelegte Forschung im Bereich der natürlich vorkommenden und der experimentellen übertragbaren spongiformen Enzephalopathien. Die Existenz der sogenannten Prionen (der Erreger dieser mysteriösen Erkrankungen) stellt ein faszinierendes biologisches Problem dar. Trotz intensivster Forschung ist nach wie vor noch nicht völlig klar, woraus die Prionen bestehen. Die Vermutung, dass es sich hierbei um Erreger ohne Nukleinsäuren handelt, wurde bereits 1997 mit dem Nobelpreis ausgezeichnet.
Zum einen interessieren uns die menschlichen Prionen-Erkrankungen aus medizinisch-diagnostischer Sicht. In diesem Zusammenhang untersucht das Institut für Neuropathologie sämtliche in der Schweiz auftretenden Fälle dieser Erkrankungen und erarbeitet in Zusammenarbeit mit dem Bundesamt für Gesundheit, eine genaue Statistik der Erkrankung. Dies ist wichtig, um mögliche Veränderungen der CJD-Epidemiologie, welche mitunter in Zusammenhang mit der BSE gebracht werden können, frühzeitig zu erkennen.
Zum anderen haben wir uns in den letzten Jahren mit dem Problem der "Wanderung" des Erregers im Körper beschäftigt. Während in der Laborsituation die Prionen in der Regel direkt in das Gehirn empfänglicher Versuchstiere gespritzt werden, erfolgt die Infektionen mit Prionen auf natürlichen Wegen in der Regel über die Nahrungsaufnahme. Durch die engagierte Arbeit von über zwei Dutzend hochqualifizierter Wissenschaftler aus der ganzen Welt ist es uns möglich gewesen, viele Eigenschaften dieser sogenannten "Neuroinvasion" zu identifizieren. Langfristiges Ziel ist die Ausarbeitung prophylaktischer Strategien, welche den Ausbruch der Erkrankung verhindern könnten.
Organigramm
Lehre
Täglich von 13.00-14.30 Uhr finden unsere Diagnostiksitzungen statt; dabei werden Gewebeschnitte von Autopsien und Biopsien detailliert diskutiert. Medizinstudenten sind willkommen, an diesen Sitzungen aktiv teilzunehmen. Ebenso haben sie die Möglichkeit, im Rahmen von vier- bis sechswöchigen Praktika einen Einblick in die Forschungsaktivitäten unseres Instituts zu gewinnen.
Für Medizinstudenten mit einem grossen Interesse an den Neurowissenschaften besteht die Möglichkeit, ihre Dissertationen am Institut für Neuropathologie durchzuführen. Unsere Philosophie ist es, lediglich eine beschränkte Anzahl medizinischer Doktorarbeiten zu betreuen; nur so kann sichergestellt werden, dass wir unseren Studenten eine optimale Unterstützung und Führung zukommen lassen können. Zurzeit arbeiten fünf Medizinstudenten bei uns an ihren Dissertationen.
Daneben haben Prof. Adriano Aguzzi und unser akademischer Gast Prof. Dr. Sverre Mörk an der medizinischen Fakultät der Universität Zürich an verschiedenen Lehrveranstaltungen in Pathologie und Neuropathologie mitgewirkt.
Auch in der weiterführenden Ausbildung von Ärzten auf dem Gebiet der Neuropathologie hat unser Institut eine wichtige Rolle inne. Junge Mediziner, die sich für eine Spezialisierung in Neurologie oder Neurochirurgie interessieren, erwerben sich hier ihr neuropathologisches Rüstzeug.
Forschung
Der Hauptschwerpunkt der Forschung liegt in der Pathogenese von Prioren-Erkrankungen. Zusätzlich wird die Pathogenese von Hirntumoren erforscht.
Das vergangene Jahr war wiederum spannend und erfolgreich. Ein grösseres Forschungsprojekt betrifft die Rolle des Immunsystems bei Prionen-Infektionen. Ein zweites hochinteressantes Programm wird von der Volkswagen-Stiftung mit einem Forschungsbeitrag unterstützt.
Erfreulicherweise konnte 2002 wie schon in den vergangenen Jahren wieder eine ansehnliche Summe an Forschungsbeiträgen von verschiedenen nationalen und internationalen Behörden, Firmen und Stiftungen gewonnen werden, welche bei den hohen personellen und laufenden Kosten unseres Instituts natürlich hochwillkommen sind.
Kongresse und Symposien
Im Januar 2002 fand unter unserer Leitung - mittlerweile schon zum vierten Mal - die "Internationale Konferenz für Molekularbiologie und Immunologie" in Oeschseite statt.
Weitere Konferenzen mit Mitwirkung unseres Institutes waren die "International conference on The New Prion Biology" in Venedig, der "Cold Spring Harbour Lecture Course on the Molecular Basis of Neurological Disease" in New York, sowie das "Internationale Meeting der EUROCJD & NEUROCJD-Gruppen zur Epidemiologie, Pathologie und Biologie von menschlichen Prionenerkrankungen".
Bereits in Planung für die nächsten Jahre sind ein EMBO Practical Course in Prionen-Biologie, -Biochemie und -Biosafety (2003), sowie das Internationale Winter-Meeting der Schweizer Gesellschaft für Neuropathologie in St. Moritz (März 2004).
Wichtigste Publikationen 2002
Marco Prinz, Fabio Montrasio, Michael A. Klein, Petra Schwarz, Josef Priller, Bernhard Odermatt, Klaus Pfeffer, and Adriano Aguzzi (2002) Lymph nodal prion replication and neuroinvasion in mice devoid of follicular dendritic cells. Proc. Natl. Acad. Sci U.S.A. 99:919-924
Alana M. Thackray, Michael A. Klein, Adriano Aguzzi, and Raymond Bujdoso (2002) Chronic Subclinical Prion Disease Induced by Low-Dose Inoculum J. Virol. 76 :2510-2517.
Wischhusen J, Jung G, Radovanovic I, Beier C, Steinbach JP, Rimner A, Huang H, Schulz JB, Ohgaki H, Aguzzi A, Rammensee HG, and Weller M (2002) Identification of CD70-mediated apoptosis of immune effector cells as a novel immune escape pathway of human glioblastoma. Cancer Res 62:2592-9
Markus Glatzel, Vladimir Pekarik, Thorsten Lührs, John Dittami, and Adriano Aguzzi (2002) Analysis of the Prion Protein in Primates reveals a new Polymorphism in Codon 226 (Y226F). Biol. Chem. 383: 1021-1025
Valérie Künzi, Markus Glatzel, Michel Nakano, Urs Greber, Fred van Leuven, and Adriano Aguzzi (2002) Unhampered prion neuroinvasion despite impaired fast axonal transport in transgenic mice overexpressing four-repeat tau. J. Neurosci. 22(17):7471-7.
Axel Behrens, Nicolas Genoud, Heike Naumann, Thomas Rülicke, Fredi Janett, Frank L. Heppner, Birgit Ledermann and Adriano Aguzzi (2002) Absence of the prion protein homologue Doppel causes male sterility. EMBO Journal 21: 3652-365
Markus Glatzel, Colette Rogivue, Azra Ghani, Johannes Streffer, Lorenz Amsler, and Adriano Aguzzi (2002) Sharply increased Creutzfeldt-Jakob disease mortality in Switzerland. The Lancet, 360:139-141
Übersichtsarbeiten
Glatzel Markus, Brandner Sebastian, Klein Michael, Horstmann Sonja, Aguzzi Adriano (2002) Prions-role of the peripheral nervous system. Virus Res. 30: 82:53
Glatzel Markus, Gottwein Judith, Aguzzi Adriano (2002) Prionen als Motor der übertragbaren spongiformen Enzephalopathien Schweiz Arch Tierheilkd 144(12):633-8
Rogivue Colette, Gottwein Judith, Aguzzi Adriano, Glatzel Markus (2002) Übertragbare spongiforme Enzephalopathien beim Menschen. Schweiz Arch Tierheilkd, 144(12):685-90
Mitarbeiter des Instituts im Jahr 2002

Prof. Dr. med. Adriano Aguzzi, Ordinarius; Herr Eugenio Abela, Doktorand; Dr. Isabelle Arrighi, Postdoktorandin; Dr. Frank Baumann, Postdoktorand; Frau Maja Beckmann, Sekretärin; Frau Nathalie Braun, Doktorandin (MD/PhD); Dr. Erich Brunner, Postdoktorand; Herr Marco Checcucci, Sekretär; Dr. Gaetano Donofrio, Postdoktorand; Frau Debora Dosch, Diplomandin; Herr Nicolas Genoud, Doktorand (PhD); Herr Olivier Giger, Doktorand (MD); Dr. Markus Glatzel, Oberarzt; Dr. Judith Gottwein, Assistenzärztin; Dr. Jörg Gsponer, Assistenzarzt; Dr. Lorenz Hägele, Postdoktorand; Herr Mathias Heikenwälder, Doktorand (PhD); Frau Claudia Heinzer, Administratorin; Herr Dominik Heinzer, Sekretär; Dr. Frank Heppner, Assistenzarzt; Herr Christoph Huber, Doktorand (PhD); Herr Gregor Hutter, Doktorand (MD/PhD); Herr Pascal Käser, cand. med.; Herr Karl Krümmer, Doktorand; Herr Vukoslav Komnenovic, Laborant; Frau Marianne König, Laborantin/MTA; Frau Valérie Künzi, Doktorandin (PhD); Frau Manuela Maissen, Doktorandin (PhD); Herr Denis Marino, Laborant; Dr. Kirsten Mertz, Assistenzärztin; Dr. Gino Miele, Postdoktorand; Frau Lilijana Milojevic, Laborhilfe; Dr. Fabio Montrasio, Postdoktorand; Prof. Dr. med. Sverre Mörk, Oberarzt; Frau Rita Moos, Laborantin; Dr. Jens Pahnke, Assistenzarzt; Frau Erica Pellicoli, Doktorandin (PhD); Herr Mauri Peltola, Laborant; Frau Beatrice Pfister, Cheflaborantin; Frau Magda Polymenidou, Doktorandin (PhD); Dr. Marco Prinz, Assistenzarzt; Herr Ivan Radovanovic, Assistenzarzt; Frau Christa Rhiner, Diplomandin; Herr Dimitri Robay, Techn.Assistant; Frau Angelika Ruf, Laborantin/MTA; Frau Petra Schwarz, Techn. Assistentin; Dr. Christina Sigurdson, Postdoktorandin; Frau Regina Strässle, Doktorandin (MD); Frau Margrit Suter, Laborantin/MTA; Frau med. pract. Ghazaleh Tabatabai, Assistenzärztin; Frau Susanne Tiefenthaler, Direktionsassistentin; Dr. Adriana von Teichman, Wissenschaftl. Mitarbeiterin; Frau Laura Varrica, Tierpflegerin; Frau Jacqueline Wiedler, Direktionsassistentin; Frau Katherine Zabel, Sekretärin; Dr. Mark Zabel, Postdoktorand; Herr Nicolas Zeller, Doktorand (PhD).
Wichtige organisatorische und bauliche Veränderungen
1998 wurde für das Institut für Neuropathologie im Pathologietrakt Geschoss C ein P3-Labor (25m2) zur Arbeit mit Prionen eingerichtet. Die baulichen Massnahmen für ein Labor der Sicherheitsstufe 3 müssen spezifischen Anforderungen der Biosicher-heit, der Störfallverordnung sowie der Arbeitssicherheit unserer Mitarbeiter genügen. Das Labor mit angrenzender Garderobe und Schleuse wurde damals für zwei Arbeitsplätze mit der Sicherheitsstufe 3 konzipiert.
Im Zuge der Erweiterung der diagnostischen und wissenschaftlichen Aktivitäten des Nationalen Referenzzentrums für Prionenerkrankungen (NRPE) und auf Grund eines Forschungsauftrages des Bundesamtes für Gesundheit für die Ermittlung der Prä-valenz subklinischer Träger des BSE Erregers in der Schweiz wurde bei einer Pla-nungs- und Bauzeit von 6 Monaten das bestehende P3-Labor im Raum C55 um den angrenzenden Raum C57 erweitert (Bild 1). Die Vergrösserung des P3-Labors auf 60m2 ermöglicht nun das simultane Arbeiten von 4-5 Personen im Sicherheits-bereich. Der Zugang (Schleuse mit Zutrittskontrolle) sowie die für die Sicherheitsstufe 3 relevanten Einrichtungen (HEPA-Filterung der Abluft; Raumunterdruck; Durchreicheautoklav etc.) konnten für die Erweiterung meist ohne Anpassungen ü-bernommen werden. Als zusätzliche Sicherheitsvorkehrung für im Labor arbeitende Personen wurde eine überwachte Fluchttüre im Raum C57 in die Montageöffnung eingebaut, die bei einem allfälligen Brand im Schleusenbereich ein Verlassen des Labors ermöglicht. Das erweiterte P3-Labor ist seit Oktober 2002 vollumfänglich in Betrieb. Der bereits bestehende Gerätepark wurde um eine weitere Sicherheits-werkbank (zur alleinigen Bearbeitung von CJD bzw. BSE infiziertem Material), einen Transilluminator, ELISA-reader zwei -80ĄC Gefrierschränke und eine Ultrazentrifuge erweitert.
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Bild 1: Massenspektrometrie unter P3
Grundriss des erweiterten P3-Labors 1 Schleuse 2 Durchreicheautoklav 3 Arbeit mit Mausprionen; Zellkultur 4 Arbeit mit humanen Prionen und BSE Material 5 Standort Massenspektrometer (LCQ Advantage; Finnigan) 6 Gefrierschränke für biologisches Material (-80ĄC) 7 Fluchttüre |
Bedingungen
Diverse Forschungsprojekte am Institut für Neuropathologie bedienen sich einer neuen Technologie zur quantitativen Bestimmung von Proteinkonzentrationen in ver-schiedenen biologischen Proben. Solche Experimente werden zur Zeit von unseren Mitarbeitern am Functional Genomics Center Zürich (FGCZ) durchgeführt. Quantitative Proteinanalysen von infektiösem Material müssen aber unter P3 Bedingungen erfolgen. Zu diesem Zweck wurde dem Institut für Neuropathologie vom FGCZ ein Massenspektrometer (LCQ Advantage, Thermo Finnigan; Bild 2) zur Verfügung gestellt. Um die geplanten Analysen durchführen und einen sicheren Betrieb der Anlage zu gewährleisten, müssen einige grundlegende technische Anpassungen vorgenommen werden, die der Sicherheit des Benutzers als auch der Umgebung dienen. Diese werden zur Zeit ausserhalb des P3-Labors in Zusammenarbeit mit der Herstellerfirma und unseren Mitarbeitern vorgenommen. Nach erfolgtem Umbau wird das Massenspektrometer definitiv im P3-Labor (Bild 1) aufgebaut und betrieben und wird Benutzern anderer Forschungsgruppen mit Experimenten derselben Biosicherheitsstufe zugänglich sein.
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Bild 2: LCQ Advantage, Ion Trap Tandemmassenspektrometer von Thermo Finnigan |
Erläuterung der wichtigsten wissenschaftlichen
Arbeiten im Jahr 2002
Prionen-Replikation in der Abwesenheit Toll-like Rezeptor
vermittelter Signaltransduktion
Prinz M./ Heikenwälder M./ Schwarz P./ Takeda K./Akira S./ Aguzzi A.
Prion replication in the absence of Toll-like receptor signalling.
Damit der infektiöse Erreger der Prionenkrankheiten von der Peripherie in das Gehirn des Trägers gelangen kann, muss es unterschiedliche Zellen und Kompartimente des Immunsystems (sekundär lymphatische Organe) kolonialisieren. Dort repliziert, gelangt es mit grösster Wahrscheinlichkeit über die peripheren Nerven in das Gehirn. Bis jetzt konnte jedoch nicht der Rezeptor identifiziert werden, welche die Aufnahme von infektiösen Prionen auf der Zielzelle ermöglicht. Toll-like Rezeptoren (TLRs) erkennen und binden spezifisch eine Vielzahl von Pathogenen und galten deshalb als möglicher Kandidat, über welchen das infektiöse Prionen Agens aufgenommen werden kann. Darüber hinaus wurde vor kurzem gezeigt, dass die Applikation von unmethyliertem CPG Oligonukelotiden, welche vor allem den Toll-like Rezeptor 9 (TLR9) stimuliert, die periphere Prionenpathogenese verlangsamt. Deshalb haben wir die Prionenpathogenese in MyD88-/- Mäusen untersucht, welche eine Defizienz in der TLR vermittelten Signaltransduktion aufweisen.
Trotz minimaler Defekte in der Milzarchitektur (Abbildung 1) konnten wir zeigen, dass MyD88-/- Mäuse vollkommen empfänglich für Prionen waren, sowohl nach intracerebraler als auch nach intraperitonealer Applikation (Tabelle 1 und Abbildung 2). Des Weiteren waren die Inkubationszeiten nach Prionenapplikation vergleichbar mit den Inkubationszeiten von C57BL/6 Kontrollmäusen (Tabelle 1). Der Titer an Prionen-Infektiösität in der Milz stieg auf ein vergleichbares Niveau mit einer zu den Kontrolltieren vergleichbaren Kinetik. Zusätzlich zeigten die Gehirne der MyD88-/- Mäuse die gleichen histopathologischen Veränderungen wie bei den Kontrolltieren (Abbildung 3). Zusammenfassend können wir berichten, dass TLR vermittelte Signaltransduktion keine entscheidende Rolle in der Prionenpathogenese spielt, und dass der protektive Effekt der TLR Stimulation aller Wahrscheinlichkeit nicht aus der direkten Interaktion mit dem infektiösen Prionen Agens resultiert.
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| Abbildung 1: Morphologie der Milz und deren Keimzentren in MyD88-/- und C57BL/6 Mäusen |
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| Abbilddung 2: Western-blot Analyse von infizierten Milzen und Gehirnen entnommen aus MyD88-/- und C57BL/6 Mäusen. |
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| Abbildung 3: Gehirnpathologie von terminal kranken Mäusen nach intraperitonealer Inokulation mit dem infektiösen Prionen Agens. |
Das Fehlen des Prion-ähnlichen "Doppel"-Proteins
verursacht männliche Sterilität
Axel Behrens / Nicolas Genoud / Heike Naumann / Thomas Rülicke / Fredi Janett / Frank L. Heppner / Birgit Ledermann / Adriano Aguzzi
Absence of the prion protein homologue Doppel causes male sterility.
The EMBO Journal Vol. 21 No. 14 pp. 3652-3658, 2002
Man geht heute davon aus, dass das infektiöse Agens, welches Prionerkrankungen verursacht, identisch ist mit PrPSc, einer umgefalteten Form des normalen Prionproteins PrPc. PrPc-kockout Mäuse zeigen keine auffälligen pathologischen Veränderungen, was darauf zurückzuführen sein könnte, dass sie das sogenannte Doppel Protein exprimieren, welches eine signifikante biochemische und strukturelle Homologie mit PrPc aufweist. Um die physiologische Funktion von Doppel zu untersuchen, haben wir Mäuse mit einer homozygoten Deletion des Doppel-codierenden Prnd Gens generiert. Das Fehlen von Doppel hat keinen Einfluss auf die embryonale und postnatale Entwicklung, verursacht jedoch Sterilität männlicher Individuen. Das Doppel Protein wird in späten Stadien der Spermiogenese exprimiert, und die Spermatiden der Doppel-knockout Mäuse sind reduziert, unbeweglich, malformiert und können Oozyten in vitro nicht befruchten. Mechanische Dissection der Zona pellucida führte zu einer partiellen Wiederherstellung der Fertilität in vitro. Daraus schliessen wir, dass Doppel die männliche Fertiliät reguliert, indem es verschiedene Aspekte der männlichen Gametogenese und der Sperma-Ei Interaktion kontrolliert.
Das Prnd Gen, das für Doppel codiert, liegt 16 kb downstream des murinen Prnp Gens, ist wie dieses hoch konserviert und ist ein GPI-verankertes Membranprotein. Doppel mRNA wird stark exprimiert im Hoden, weniger stark in anderen peripheren Organen und lediglich in sehr geringem Masse im Gehirn adulter Wildtyp-Mäuse. Während der Embryogenese lässt sich hingegen eine signifikante Expression von Doppel mRNA nachweisen. Es konnte gezeigt werden, dass ektope Doppel Expression im Gehirn zu neuronaler Degeneration mit daraus resultierender Ataxie in Mäusen führt.
Um die physiologische Funktion des Doppel Proteins aufzuklären, haben wir Mäuse mit einer homozygoten gerichteten Deletion des Prnd Gens generiert. Während die entsprechenden Doppel knockout Weibchen vital und fertil sind, kommt es bei den Männchen ohne Doppel zu einer primären Sterilität. Wir konnten zeigen, dass die Sterilität der Doppel kockout Männchen nicht auf Verhaltensabnormalitäten, sondern auf einen Defekt in der Spermatogenese zurückzuführen ist.
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| Figure 1: Doppel wird in Spermatiden exprimiert. Histologische Analyse von Wildtyp (A,C) und Prndneo/neo (B,D) Hoden. Die Expression variiert zwischen verschiedenen Tubuli seminiferi, was eine stadienspezifische Expression nahelegt. Die Pfeile in (A) und (C) weisen auf die Doppel Immunreaktivität. |
Weiterhin fanden wir heraus, dass Spermatiden in Abwesenheit des Doppel Proteins malformiert sind und einen Defekt in der Akrosomenfunktion aufweisen, woraus eine insuffiziente Oozytenfertilisation resultiert. Um diesen Defekt genauer zu untersuchen und die Rolle von Doppel in der Akrosomenfunktion näher zu beleuchten, haben wir in vitro Fertilisationsexperimente (IVF) durchgeführt. Dabei kamen wir zu dem Ergebnis, das eine Fertilisation von Oozyten durch Prndneo/neo Spermatozoen möglich ist, die Spermatozoen können jedoch die Barriere der Zona pellucida nicht überwinden.
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| Figure 2: Die Spermatozoen von Doppel-defizienten Mäusen sind malformiert. (A und B) Hellfeldaufnahmen von Spermatozoen aus Prnd+/+ (A) und Prndneo/neo (B) Mäusen. (C und D) Spermatozoen von Prnd+/+ (C) und Prndneo/neo (D) Mäusen, angefärbt mit Mitotracker zur Detektion von Mitochondrien (grün) und mit Hoechst als DNA Färbung (blau). (E-H) Hellfeldaufnahmen von Spermienköpfen von Prnd+/+ (E) und Prndneo/neo (F-H) Mäusen. |
Auf diese Weise konnten wir Doppel als wesentliches regulatorisches Protein der männlichen Gametogenese identifizieren. Die Identifizierung genetischer Ursachen für männliche Infertilität hat praktische klinische Bedeutung. Es wäre interessant zu wissen, ob sich Doppel-Mutationen bei Infertilitätspatienten nachweisen lassen. Schliesslich sind unsere Ergebnisse auch in Hinblick auf die Entwicklung neuer Kontrazeptionsmethoden interessant, die Hemmung der Funktion von Doppel könnte ein neues therapeutisches Target darstellen.
Ausbreitung von Prionen entlang peripherer Nerven:
Rolle des schnellen axonalen Transportes
Künzi V, Glatzel M, Nakano M, Greber U, Van Leuven F, Aguzzi A
Unhampered prion neuroinvasion despite impaired fast axonal transport in transgenic mice overexpressing four-repeat tau
J Neurosci. 2002, 22(17); 7471-7477
Übertragbare spongiforme Enzephalopathien, wie z.B. die Creutzfeldt-Jakobsche Erkrankung des Menschen oder die bovine spongiforme Enzephalopathie beim Rind werden nach dem heutigen Stand der Forschung durch infektiöse Proteine, die sogenannten Prionen (PrPSc), verursacht. Dabei ist bekannt, dass Prionen, die aus einer fehlgefalteten Form des körpereigenen Prionproteins (PrPC) bestehen, auch durch periphere Applikation, wie z.B. die orale Aufnahme, in den Körper gelangen können. Prionen sammeln sich ummittelbar nach der Aufnahme in lymphoretikulären Organen wie Milz und Lymphknoten an.
Beim weiteren Transport in das zentrale Nervensystem spielt das periphere Nervensystem eine entscheidende Rolle. Innerhalb peripherer Nerven existieren verschiedene Transportmechanismen, wobei der Transportmechanismus welche Prionen benützen noch nicht identifiziert ist.
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| Abb. 1: Die Darstellung des schnellen axonalen Transportes in Nervenzellen von genetisch modifizierten Mäusen (thy-1.1-tau) zeigt eine deutliche Störung dieses Transportweges. |
Genetisch modifizierte Mäuse, die ein Protein (Tau-Protein) überproduzieren, welches für die Integrität des Transportes von Stoffen innerhalb von Nervenzellen essentiell ist, dienten uns als Modelorganismus. Diese Mäuse weisen einen selektiven Defekt in einem spezifischen Transportmechanismus peripherer Nerven auf, dem schnellen axonalen Transport (Abb. 1).
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Abb. 2: Die Inkubationszeit bis zur Entwicklung terminaler Symptome einer spongiformen Enzephalopathie bei Mäusen mit eingeschränktem schnellen axonalen Transport (dunkele Linie) und Kontrolltieren (helle Linie) nach peripherer (A) sowie intrazerebaler (B) Verabreichung infektiöser Prionen weisen keine wesentlichen Unterschiede auf. (C) Die Titer an infektiösen Prionen in peripheren Nerven (scn ip) und Spinalganglien (drg ip) von Mäusen mit eingeschränktem schnellen axonalen Transport und Kontrolltieren sind ähnlich hoch. |
Diese Tiere zeigen nach peripherer Injektion mit infektiösen Prionen keine wesentliche Reduktion der Inkubationszeit bis zum Ausbruch scrapie-typischer Symptome (Abbildung 2). Sowohl die Kontrolltiere als auch die genetisch modifizierte Mäuse weisen hohe Titer an infektiösen Prionen in peripheren Nerven auf (Abbildung 2). Es besteht jedoch kein signifikanter Unterschied des Gehaltes an infektiösen Prionen zwischen den beiden experimentellen Gruppen.
Diese Resultate bekräftigen die zentrale Funktion peripherer Nerven bei der Wanderung von Prionen von peripheren Orten in das zentrale Nervensystem. Innerhalb peripherer Nerven spielt jedoch der schnelle axonale Transportes für die Fortbewegung der Prionen keine entscheidende Rolle.
Deutlicher Anstieg der Inzidenz von Creutzfeldt-Jakob Erkrankungen in der Schweiz
Glatzel M, Rogivue R, Ghani A, Streffer J, Amsler L, Aguzzi A
Sharply increased Creutzfeldt-Jakob disease mortality in Switzerland.
Lancet 2002 Jul 13; 360: 139-141
Prion-Erkrankungen treten bei Mensch und Tier auf. Sie sind gekennzeichnet durch eine fortschreitende Zerstörung des Gehirns und verlaufen immer tödlich. Die verschiedenen Formen menschlicher Prion-Erkrankungen werden zum grössten Teil unter den Namen Creutzfeldt-Jakob-Krankheit subsumiert und treten als eine sporadische, eine familiäre, eine iatrogene Form auf. Eine variante Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit wurde erstmals 1996 in Grossbritannien beschrieben und ist höchstwahrscheinlich durch die Aufnahme von BSE-Prionen verursacht.
Insgesamt treten menschliche Prion-Erkrankungen selten auf, die Inzidenz beträgt weltweit ca. 1.2-1.4 Fälle pro Million Einwohner pro Jahr. In der zweiten Hälfte 2001 begann sich in der Schweiz ein neues Phänomen im Bereich der menschlichen Prion-Erkrankungen abzuzeichnen.
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| Abb. 1: Sichere (Definite) und wahrscheinliche (Probable) CJD-Fälle in der Schweiz von 1996 bis zu ersten Quartal 2002. |
Die während Jahren stabile Zahl der gemeldeten Fälle klassischer Creutzfeldt-Jakob-Krankheit (CJD) begann plötzlich in signifikantem Masse anzusteigen und betrug im Jahr 2001 und 2002 ca. 2.5 Fälle pro Million Einwohner pro Jahr (Abbildung 1). Wir haben alle Fälle der Jahre 1996-2000 mit den Fällen der Jahre 2001 sowie einem Teil der Fälle des Jahres 2002 in Hinblick auf die demographischen Daten, die klinischen Symptome, die histologischen und biochemischen Befunde sowie genetische Risikofaktoren abgeklärt (Abbildung 2). Keiner der CJD-Fälle der Jahre 2001 oder 2002 erfüllte die Diagnostischen Kriterien der varianten Form der Creutzfeldt-Jakob-Krankheit.
Zur Zeit klären wir eine Reihe von Möglichkeiten ab, welche zu diesem Anstieg geführt haben könnten wie z.B. die erhöhte Aufmerksamkeit der meldenden Ärzte, iatrogene Quellen oder das Vorhandensein eines neuen Zoonosemechanismus.
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| Abb. 2: Biochemische Daten (Glyotypen-Analyse von PrPSc) von Schweizer CJD-Fälle (Definite Instances of CJD 2001; 2002) sowie von Kontrollfällen (vCJD, sCJD type 1, 2, 3). |