Klinik und Poliklinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie |
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Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Klaus W. Grätz Klinikdirektor |
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Zusammenwachsen und Trennen - Gegensätze kennzeichnen das Jahr 2003
Ausbau der interdisziplinären Zusammenarbeit. Im Bereich der stationären Patientenversorgung im USZ wurde die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Thoraxchirurgie auf der Station D-West ausgebaut. Ebenso wurden erste Voraussetzungen für eine administrative Trennung beider Leistungszentren geschaffen.
Vitodent und KISIM, zwei Computersysteme - eine Klinik. Die Doppelvertretung des Fachgebietes Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie (MKG) am UniversitätsSpital Zürich (USZ) und am Zentrum für Zahn- Mund und Kieferheilkunde (ZZMK), verlangten im Jahr 2003 eine Lösung des IT-Problems. Das Programm Vitodent, vorgegeben durch die vor allem oralchirurgische Tätigkeit am ZZMK, die Vereinheitlichung der USZ-internen Klinikinformationssysteme sowie die Einführung des TarMed, forderten, aus Gründen des Datenschutzes, die Anschaffung einer zusätzlichen, mit dem USZ vernetzten Computerhard- und -software an allen Arbeitsplätzen. Die Klinik wurde bei der Realisierung durch das KISIM-Team, dem eine 100% Assistentenstelle vorübergehend abgetreten wurde, unter der Leitung von Herrn Prof. Blaser sowie durch die Mitarbeit des Fachbereiches TarMed/LEA sehr unterstützt.
Klinische Tätigkeit
Die Klinik und Poliklinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie, unter der Leitung von Prof. Dr. med. Dr. med. dent. Klaus W. Grätz, setzt ihre Akzente in der ambulanten und stationären Versorgung von Patientinnen und Patienten mit Verletzungen, Erkrankungen oder Fehlstellungen im Mund-, Kiefer- und Gesichtsbereich. Die Klinik ist gesamtschweizerisch die einzige, in dieser Struktur bestehend, eigenständige Klinik.
Die stationäre Patientenversorgung erfolgt im USZ. Die Anzahl der stationär zu behandelnden Patienten ist, nach einem leichten Rückgang im Jahr 2002, im vergangenen Jahr auf über 700 Behandlungsfälle angestiegen.
Die Versorgung der ambulanten Patienten erfolgt in der Poliklinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie und in der Poliklinik für Orale Chirurgie im ZZMK, welches der Bildungsdirektion des Kantons Zürich untersteht. Die Einbindung der Klinik in beide Institutionen, USZ und ZZMK, und die damit verbundene Doppelzugehörigkeit der Klinik zur Gesundheitsdirektion und zur Bildungsdirektion, fordert die Klinik heraus, einerseits den Ansprüchen beider kantonaler Institutionen gerecht zu werden und andererseits fördert sie die Zusammenarbeit zwischen dem USZ und der Universität.
Im Jahr 2003 konnte die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit anderen Kliniken im USZ, dem ZZMK sowie dem Kinderspital in Zürich weiter ausgebaut werden. Die interdisziplinäre Zusammenarbeit bezieht sich vorwiegend auf vier grosse Schnittstellen. Zu diesen zählen zum einen die Kliniken des Kopfbereiches, wie die Neurochirurgie und die Neuroradiologie, die ORL und die Augenheilkunde. Eine weitere Schnittstelle bilden die chirurgischen Kliniken, wie die Unfallchirurgie in der Behandlung verunfallter Patienten und die Klinik für Wiederherstellungschirurgie. Die Betreuung von Patienten mit Tumorleiden im Kopf- und Halsbereich erfolgt in enger Zusammenarbeit mit der Onkologie und der Radio-Onkologie. Mit dem Kinderspital, dem vierten Bereich, verbindet die Klinik die Versorgung von Lippen-, Kiefer - und Gaumenspalten und anderen craniofazialen Fehlbildungen sowie die dentoalveoläre und maxillofaziale Traumatologie. Hier ist auch die enge Zusammenarbeit mit der Klinik für Kieferorthopädie und Kinderzahnmedizin hervorzuheben. Seit dem Rücktritt von Prof. Stöckli hat der Direktor der Klinik auch die akademische Vertretung dieses Fachgebietes inne.
Die Behandlungsschwerpunkte der Klinik und Poliklinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie:
- Behandlung craniomaxillofazialer Fehlbildungen, einschliesslich Lippen-, Kiefer- und Gaumenspalten
- Kieferorthopädische Chirurgie
- Tumorchirurgie des Kopf-Hals-Bereichs
- Plastische und Wiederherstellende Gesichtschirurgie einschliesslich ästhetischer Chirurgie des Gesichtes
- Traumatologie / Unfallverletzungen des knöchernen und weichteiligen Gesichtsschädels
- Laserchirurgie
- Implantologie / präprothetische und präimplantologische Chirurgie
- Kiefergelenkschirurgie
- Maxillofaziale Prothetik
- Schleimhauterkrankungen / Stomatologie / Orale Pathologie
Forschung
Die Forschungsabteilung der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie, zusammen mit der Sektion Bioengineering des Instituts für Orale Biologie hat sich als Hauptziel die Regeneration von Hartgewebe gestellt. Gewebsregeneration über «tissue- oder bioengineering» basiert auf drei Säulen: Wachstumsfaktoren, Matrix und Zellen des Patienten. Da die Gewinnung und der Einsatz von Zellen auf Klinik- und Zahnklinikebene problembehaftet und immens aufwändig ist, versuchen wir uns auf das «in situ tissue engineering» zu konzentrieren. Beim «in situ tissue engineering» werden keine Zellen vom Patienten benötigt, somit ist es leichter und flächendeckender anzuwenden, basiert diese Methode ausschliesslich auf der Verwendung eines dreidimensionalen Platzhalters, der Wachstumsfaktoren abgibt und die Selbstheilungskräfte potenziert. In den letzten Jahren ist es uns gelungen, einen geeigneten Wachstumsfaktor für die Regeneration von Hartgewebe zu isolieren und zu produzieren. Dieser wird nun in Verbindung mit Fibrin oder mit verschiedenen synthetischen Trägermaterialien eingesetzt, um die für spezifische klinische Indikationen idealen Paarungen herauszufinden. Eine totale Kontrolle über einen Prozess bedingt aber nicht nur dessen Unterstützung, sondern auch dessen Hemmung. Aus diesem Grund haben wir einen neuartigen Hemmstoff der Knochenentstehung entwickelt und dessen Wirkmechanismus entschlüsselt. Solch ein Hemmstoff könnte in Zukunft zur Vermeidung der heterotopen Ossifikation, wie sie häufig nach dem Einsetzen von Hüftprothesen erfolgt, oder zur Vermeidung von Zahnankylosen eingesetzt werden. In beiden Fällen wird Knochen an Stellen gebildet, wo eigentlich kein Knochen sein sollte, was zu Schmerz, Beweglichkeitsverlust oder Zahnverlust führen kann. Mit welchem Träger dieser Hemmstoff für die klinische Anwendung einsetzbar wird, ist ein weiteres Forschungsprojekt, das uns auch noch in Zukunft beschäftigen wird.
Mit dem Ziel Zahnimplantate zu platzieren, wird in der Zahnheilkunde zum Knochenaufbau die Methode der gesteuerten Knochenregeneration verwandt. Diese Methode beruht auf der Platzierung einer Membran, die für ein ungestörtes Knochenwachstum Raum schafft. In Zusammenarbeit mit einer finnischen Firma (INION, OY, Tampere, Finnland) waren wir an der Entwicklung einer bioabbaubaren Membran beteiligt, die nach der Knochenregeneration nicht mehr entfernt werden muss. Darüber hinaus ist es uns gelungen, dieser Membran Bioaktivität zu verleihen, die das Knochenwachstum über autologe Faktoren anregt. Somit konnte hier das «in situ tissue engineering» auf den Einsatz eines Platzhalters reduziert werden, da dieser allein bereits in der Lage ist, die ortständigen Wachstumsfaktoren derart zu aktivieren, dass es für die gewünschte Knochenregeneration ausreicht.
Lehre
Die Klinik erfüllt ihren universitären Lehrauftrag in den Studienbereichen der medizinischen und zahnmedizinischen Ausbildung.
Zu weiteren Lehrtätigkeiten gehört die Durchführung von Schulungen für die Ausbildungsbereiche Pflegefachpersonen und Dentalassistent/in.
Fort- und Weiterbildung
Die von der Klinik organisierten und abgehaltenen Fort- und Weiterbildungen legten das Interesse auf den Strahlenschutz und auf die Einführung in e-Learning. Weitere Themen beschäftigten sich mit dem Einsatz von Laserstrahlen. Die Kurse in der Notfallmedizin fanden grossen Anklang.
Für Vorträge genutzt werden konnte auch das Fortbildungsangebot der Vereinigung ehemaliger Studierender am Zahnärztlichen Institut der Universität Zürich (VESZIZ) und die Fortbildungsveranstaltungen der Zürcher Zahnärztegesellschaft (ZGZ).
Kongresse und Symposien
International Symposium on Problems and Complications in Corrective Surgery of Facial Skeletal Anomalies, 21.-23. März 2003
Anlässlich des 50-jährigen Bestehens der Sagittalen Spaltungstechnik der aufsteigenden Unterkieferäste wurde von der Klinik für Kiefer- und Gesichtschirurgie unter der Organisation von PD Dr. Joachim Obwegeser ein Internationales Symposium veranstaltet, zu welchem die Pioniere der korrektiven Chirurgie von Gesichtsskelettanomalien als Hauptreferenten gewonnen werden konnten.
Die Entwicklung der Sagittalen Spaltung der aufsteigenden Unterkieferäste (1953) geht auf Hugo Obwegeser, dem ehemaligen Direktor der Klinik zurück und ist als Start der modernen korrektiven Chirurgie des Gesichtsskelettes zu bezeichnen. Bald darauf wurden in Zürich weitere essentielle Operationsverfahren auf diesem Gebiet etabliert: die transorale Kinnosteotomie (1957, 1958), die Mobilisierung der gesamten Maxilla im Sinne einer Le Fort I Osteotomie inklusive Segmentierung (1962, 1964-1969).
Paul Tessier aus Paris leitete die weitere Entwicklung im oberen Gesichtsdrittel ein. Durch die Einführung der Le Fort III Osteotomie (1967) wurde es möglich, das gesamte Mittelgesicht nach vorne zu verlagern. Die transkranielle Hypertelorismusoperation (1967) brachte die Korrekturmöglichkeit für Orbitadystopien.
Während Fernando Ortiz-Monasterio aus Mexiko das Gebiet durch die frontofaziale Monoblockosteotomie (1978) bereicherte, war es Daniel Marchac aus Paris, welcher sich den Korrekturen der kongenitalen Deformierungen der Schädelkalotte (1978, 1982) widmete.
Ein weiterer Meilenstein war die Einführung der Distraktionsosteoneogenese für die knöchernen Strukturen des Schädels (1990) durch Joseph McCarthy aus New York.
Das Zusammentreffen dieser 5 Pioniere wurde international mit großem Interesse aufgenommen, was sich in der Anzahl der Symposiumsteilnehmer und den Vortragsanmeldungen widerspiegelte. Insgesamt waren 54 Referenten aus 15 Nationen präsent. Die Vorträge waren alle von extrem hohen Niveau und zeigten den heutigen Stand und die noch bestehenden Probleme der korrektiven Chirurgie von Gesichtsskelettanomalien auf. Die Diskussionen waren außerordentlich fruchtbar und gaben den jüngerer Kollegen die Möglichkeit, vom immensen Erfahrungsschatz der Pioniere zu profitieren.
Im feierlichen Rahmen der Eröffnungszeremonie wurde von Rektor der Universität Zürich, Prof. H. Weder, die Ehrung der fünf Hauptreferenten mit der Überreichung der «Pioneer Award Medal» vorgenommen.
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| Überreichung der «Pioneer Award Medal» durch den Rektor Prof. Dr. H. Weder |
Öffentlichkeitsarbeit
Die Vorarbeiten für einen neuen Internetauftritt sind angelaufen. Die Aufschaltung ist für das Frühjahr 2004 vorgesehen.
Pflegedienst
Grössere Veränderungen gab es für den Bereich Pflege. Die Interdisziplinarität der stationären Bettenabteilung forderte vermehrte Fach- Sozial- und Persönlichkeitskompetenz der Pflegenden. Es erfolgten strukturelle, organisatorische und personelle Anpassungen. Die personellen Ressourcen konnten optimal genutzt werden und die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der Thoraxchirurgie gestaltete sich sehr erfreulich. Einen hohen Anteil daran, ist der Einsatzfreudigkeit aller Pflegenden zu verdanken.
Auf der Überwachungsstation D-West werden Patienten aus den Disziplinen der Kiefer- und Gesichtschirurgie, der Thoraxchirurgie sowie der Kardiologie gepflegt. Die Anwendung des vielseitigen pflegerischen Wissens in diesen unterschiedlichen Disziplinen trägt sehr zur Attraktivität des Arbeitsplatzes bei.
Personelles
Die Stelle der Klinikmanagerin wurde im Sommer 2003 in beiden Institutionen durch Frau Cornelia Eickhoff besetzt.
Am 1. Oktober 2003 übernahm Frau Elisabeth Götti, neben ihrer bisherigen Tätigkeit in der Unfall- und Wiederherstellungschirurgie, auch die Leitung Pflege für die Kiefer- und Gesichtschirurgie. Die Stellvertretung übernahm Frau Sarka Rihankova.
Im ZZMK war das Jahr 2003 im personellen Bereich von unerfreulichen Umständen geprägt.
Die finanziellen Knappheiten im Kanton ZH führten für die Mitarbeiterschaft in der Poliklinik zu einem schmerzlichen Abbau im Personalbereich. Einmal mehr wurde den Mitarbeitenden deutlich, wie restriktiv die personalpolitische Situation unter den derzeitigen Sparmassnahmen gehandhabt wird, auch wenn damit verbundene eventuelle Qualitätseinbussen an der Tagesordnung sind.
Die dadurch entstandene Mehrbelastung jedes Einzelnen forderte eine Umverteilung der Arbeit unter den verbleibenden Ressourcen. Betroffen war praktisch jede Mitarbeiterin und jeder Mitarbeiter.
In dieser unerfreulichen Situation die Mitarbeiterschaft weiterhin zu motivieren, das Bewusstsein aller Mitarbeitenden hinsichtlich Aufgaben, Kompetenzen und Verantwortung zu schärfen, das Verständnis und die Offenheit für Neues zu stärken und gleichzeitig für eine verständnisvolle und mitarbeiterfreundliche Kultur besorgt zu sein, stellten hohe Anforderungen an die Klinikleitung.
Auszeichnung
Herr Dr. Franz Weber erhielt die Venia legendi auf dem Gebiet der Oralen Biologie. Titel und Inhalt seiner Arbeit lauten: Bone Morphogenetic Proteins (BMPs). Controlling bone formation by slow release BMP delivery systems and osteoinhibitive BMP folding variants.
Herr Dr. Pajarola, Leiter der Poliklinik für Orale Chirurgie, wurde zum Ehrenmitglied der schweizerischen Zahnärztegesellschaft (SSO) ernannt.
Herr PD Dr. Joachim Obwegeser wurde zum Mitglied der Sadi Fontaine Academy der University of the Pacific in San Francisco ernannt.