Klinik für Herz- und Gefässchirurgie
Ende August 2004 wurde der seit 1985 amtierende Direktor der Klinik für Herz- und Gefässchirurgie Prof. Dr. med. Marco Turina gebührend verabschiedet. In dieser Zeit hat Prof. Marko Turina die Zürcher Herzchirurgie zu weltweitem Ruhm verholfen.
Der anschliessend seit September 2004 ernannte Klinikdirektor ad interim Herr PD Dr. med. Michele Genoni gewährt der Klinik für Herz- und Gefässchirurgie eine weitere stabile und kreative Interimszeit.
Somit konnte der Auftrag der Klinik, die kardiovaskuläre Versorgung des Kantons Zürich, der Nord-Ost und Zentral-Schweiz, sowie der Durchführung von Lehre und Forschung auf diesem Gebiet weiterhin sehr gut wahrgenommen werden. Die Klinik-Organisation wurde dahingehend verändert, dass die Herzchirurgie im Kindesalter seit Januar 2004 nun definitv in das Universitäts-Kinderspital verlegt wurde.
Die seit dem Jahre 2002 tiefe Mortalitätsrate in der elektiven Koronarchirurgie konnte weiterhin unter 1% gehalten werden. Zudem darf die Klinik für Herz- und Gefässchirurgie sich mit einer ebenfalls weltweit bedeutenden tiefen Mortalitäts- und Morbiditätsrate in der chirurgisch zu versorgenden Typ A - Dissektion rühmen.
Klinischer Betrieb
Die Abteilung für Herzchirugie im Erwachsenenalter hat in der Berichts-Periode 1154 operative Eingriffe durchgeführt. Die Gefässchirurgie führte 960 operative Eingriffe durch.
Insgesamt wurden 1240 stationäre Patienten behandelt, mit total 15425 Pflegetagen und einer mittleren Aufenthaltsdauer von 12,4 Tagen. Die gesamte Bettenauslastung für die Herz- und Gefässchirurgie im Jahr 2004 betrug 71 %. Die Bettenauslastung betrug in der Berichtsperiode auf der herz- und gefässchirurgischen Intensiv-station 86 %. Auf der departementalen Privat-Abteilung E-SUED 68 %. Auf der allgemeinen Abteilung betrug die Bettenauslastung 72 %.
7439 Bettentage in der Gefässchirurgie entsprechen einer Steigerung von 34 % im Vergleich zum Vorjahr (5512).
Die klinische Arbeit wurde durch folgende Neuerungen geprägt:
Im Rahmen der Wiederaufnahme der Herz-Transplantationen wurde in Zusammenarbeit mit der kardiologischen Abteilung ein Programm entwickelt, das eine Wiederaufnahme der Kunstherztherapie (Berlin Heart/Incor, Excor) einschliesst.
In der isolierten Koronarchirurgie konnte weiterhin die 30-Tages - Mortalität unter 1 % gehalten werden. Insgesamt wurden 25 % der Patienten der Technik der Operationen am schlagenden Herzen zugeführt. Parallel dazu wurde die schon seit 2001 sich langsam etablierende endoskopische Venenentnahme als Graftmaterial in der aortocoronaren Bypasschirurgie nun als standardisierte Methode eingesetzt. Eine hauseigene Studie bestätigte die Nützlichkeit dieses Operationsverfahrens im Sinne eines eindeutig ästhetischeren Verfahrens mit relevant niedriger Morbiditätsrate verglichen zu der alten chirurgischen Entnahmetechnik.
Bemerkenswert ist die Aufrechterhaltung einer nun sehr niedrigen Mortalität (8-10%) in der operativen Versorgung der akuten Typ a-Dissektion, speziell unter der Verwendung der antegraden cerebralen Perfusion. Diese Zahlen demonstrieren eine auf diesem Sektor führende Operationsstrategie der Klinik für Herz- und Gefässchirurgie weltweit. Das Versorgungsgebiet für dieses Notfallereigniss durch unsere Klinik bezieht sich auf die Nord, - Ost- und Zentralschweiz und bewegt sich zwischen 30 und 40 Patienten pro Jahr. Eine steigende Zahl in den letzten Jahren konnte registriert werden.
Im Bereich der Rhythmus-Chirurgie (Maze- oder Labyrinth- Operation) zeigt sich durch die sogenannte Radiofrequenz-Ablation, welche intraoperativ durchgeführt wird, bei Patienten mit chronischem Vorhofflimmern eine Erfolgsrate von 73%, welches international ein sehr gutes Resultat darstellt.
In der Kinderherzchirurgie wurden im Jahr 2004 deutlich steigende Operationszahlen dokumentiert: 257 Operationen an der Herz - Lungenmaschine konnten durchgeführt werden. Ein Kunstherz (Berlin heart) wurde für 11 Tage erfolgreich implantiert, sowie ein passagerer Linksherz - Ersatz ECMO (extracorpolare Membranoxigenation) für 45 Tage. Im Weiteren versorgte das Team 64 Patienten ohne Herz - Lungenmaschine.
Die Gefässchirurgie entwickelt im Jahr 2004 die minimal invasive Gefässchirurgie (MIG) konsequent weiter und nimmt in folgenden Bereichen eine nationale und internationale Opinion Leader Rolle ein:
- auf dem Gebiet der Hybrid-Operationen im Aorten-Bogen-Bereich und am thorako-abdominellen Übergang
- auf dem Gebiet der endovaskulären Versorgung der thorakalen und abdominellen Aortenpathologien (die 30 Tages-Mortalität ist beim elektiven abdominellen Aortenaneurysma unter 1% gesunken), insbesondere der MIG Rupturbehandlung (die 30 Tages-Mortalität
beträgt beim rupturierten abdominellen Aortenaneurysma lediglich 11% bei 58 behandelten Patienten)
- auf dem Gebiet der endovaskulären Varizentherapie mittels LASER
- auf dem Gebiet der modernen Wundbehandlung
Die interdisziplinäre Zusammenarbeit mit der neurologischen und dermatologischen Klinik sowie der angiologischen Abteilung wurde weiter ausgebaut und gefestigt. Diese fruchtbare Kooperation ermöglicht die Ausübung oben genannter richtungsweisender Weiterentwicklung in allen Gebieten der Gefässchirurgie.
Die Poliklinik und das interdisziplinäre WundZentrunm der Gefässchirurgie bieten an fünf Wochentagen eine kontinuierliche und kompetente Betreuung von Patienten mit vaskulären Pathologien und Wundproblemen. Es wurde ein Rund-um-die-Uhr Notfallkonzept während 365 Tagen im Jahr auf die Beine gestellt. Es wurden 2237 Konsultationen durchgeführt, was einer Zunahme von 47 % im Vergleich zum Vorjahr entspricht (1515). Das WundZentrum entspricht den modernsten Kriterien eines «Dedicated Wound Center».
Auszeichnungen und Ehrungen
PD Dr. med. Mario Lachat und Dr. med. Dieter Mayer erlangten die Mitgliedschaft in der international Society for Vascular Surgery (ISVS)
PD Dr. Mario Lachat wurde neben international renomierten Gefässspezialisten wie Scott Mitchell (USA), Franc Criado (USA), David Williams (USA), Martin Malina (Schweden), James May (Australien), Karl Heinz Orend (Deutschland), Hervé Rousseau (Frankreich) und Shin Ishimara (Japan) zum wegweisenden Towses Kongress in Tokyo zur Erstellung von internationalen Guidelines betreffend endovaskulärer Behandlung der thorakalen und thorako-abdominellen Aorta eingeladen.