Psychosoziale Medizin USZ
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Prof. Dr. med. Claus Buddeberg Abteilungsleiter |
Die Verselbständigung der Psychosozialen Medizin als humanwissenschaftliches Grundlagenfach und klinisches Querschnittfach ist Ausdruck der Tatsache, dass in der heutigen Medizin sozialwissenschaftliche Fragestellungen und psychosoziale Diagnostik und Intervention eine grosse Bedeutung haben. Im klinischen Bereich ist die Psychosoziale Medizin zuständig für die psychosozial-psychosomatische Konsiliartätigkeit in der Transplantationsmedizin. Daneben bietet sie Spezialsprechstunden für Schmerzmedizin, Sexualmedizin und Tinnitus-Störungen an. Interdisziplinäre Zusammenarbeit mit verschiedenen Fachgebieten besteht auch in den Forschungsschwerpunkten der Psychosozialen Medizin: Organtransplantation, Geschlechterfragen und Sexologie sowie in der Aus- und Fortbildung.
Klinische Tätigkeit
Seit Anfang 2004 ist die Psychosoziale Medizin (PSM) als selbständige Abteilung direkt dem ärztlichen Direktor des USZ unterstellt. Sie ist für folgende vier Bereiche zuständig: Transplantationsmedizin, Schmerzmedizin, Sexualmedizin und Tinnitus-Störungen.
Die Erkennung psychosozialer Risikofaktoren spielt für die Behandlung und Betreuung von Patienten während der Wartezeit und nach erfolgreicher Organtransplantation eine wichtige Rolle. Bei der zunehmenden Zahl von Organtransplantationen bei Patienten aller Altersstufen ist die interdisziplinäre Behandlung und Betreuung nicht nur in der Akutphase, sondern auch im längerfristigen Verlauf ausserordentlich wichtig.
In der Schmerzmedizin hat sich die seit 3 Jahren bestehende enge Zusammenarbeit der PSM mit der Zürcher Höhenklinik Davos (ZHD) und dem Institut für Physikalische Medizin des USZ bewährt. Prof. C. Buddeberg leitet neben seiner Tätigkeit am USZ konsiliarisch die Psychosomatische Abteilung der ZHD, so dass für Patienten mit Schmerzstörungen integrierte ambulant-stationäre Behandlungsangebote etabliert werden konnten. Die guten Resultate dieser mehrphasigen Behandlung konnten in einer katamnestischen Untersuchung bestätigt werden.
An der seit 30 Jahren bestehenden Sexualmedizinischen Sprechstunde, die organisatorisch der Klinik für Endokrinologie des Departements für Frauenheilkunde zugeordnet ist, bestehen infolge beschränkter personeller Ressourcen nach wie vor mehrwöchige Wartefristen für zugewiesene Patienten aus der ganzen Deutschschweiz und dem angrenzenden Ausland. Vor allem Patientinnen mit Störungen der sexuellen Appetenz und Patienten mit erektiler Dysfunktion werden an dieser Spezialsprechstunde behandelt.
Patienten mit schwerem Tinnitus werden in einer Spezialsprechstunde an der ORL-Klinik des USZ abgeklärt und behandelt. Für Patienten mit chronifizierten Störungen soll in Kooperation mit der ZHD analog dem Angebot für Schmerzpatienten ein stationäres psychosomatisches Rehabilitationsprogramm entwickelt werden.
Forschung
In der Forschung ist die PSM zuständig für folgende Fragen: Psychophysiologische Regelkreise, insbesondere psychosoziale Stressforschung, sozialwissenschaftliche Themen wie subjektive Krankheitstheorien, Krankheitsverarbeitung, Lebensqualität und Geschlechterforschung. In der angewandten klinischen Forschung befasst sie sich mit folgenden Themen: Psychosoziale Aspekte moderner Medizintechnologie, neue Kommunikationsformen in der Medizin, Krankheitsverarbeitung und Krankheitsverhalten sowie somatopsychische und psychosomatische Störungen.
In den Forschungsschwerpunkten Transplantationsmedizin, Karriereförderung und -entwicklung von jungen Ärztinnen und Ärzten sowie Sexualmedizin konnten mehrjährige, z. T. vom Schweizerischen Nationalfonds geförderte Projekte fortgesetzt werden. Wie erste Resultate der Langzeituntersuchungen von Transplantationspatienten zeigen, spielen subjektive Krankheitsvorstellungen und Therapieerwartungen für das Krankheitsverhalten und die Compliance dieser Patienten eine grosse Rolle.
Das Forschungsprojekt «Determinanten der Karriereentwicklung junger Ärztinnen und Ärzte» wird von Prof. B. Buddeberg-Fischer geleitet. U.a. werden Fragen untersucht, welche individuellen und institutionellen Faktoren sich fördernd bzw. hemmend auf die Karriere, vor allem von akademisch und an Führungspositionen interessierten Ärztinnen, auswirken. Das Forschungsprojekt, an welchem jüngere Ärztinnen und Ärzte der ganzen Deutschschweiz teilnehmen, wird am USZ durch ein Mentoring-Projekt ergänzt, welches von der Spitalleitung gefördert und finanziert wird. In kleinen Gruppen werden Assistierende in Weiterbildung über Karrieremöglichkeiten informiert, individuelle Karrierepläne erstellt und von Mentoren und der Projektleiterin bei der Umsetzung der Karriereschritte beraten.
Lehre
Im Rahmen der Reform des Medizinstudiums haben sich die Lehrverpflichtungen der PSM wesentlich erweitert. Vom ersten bis sechsten Studienjahr werden in Vorlesungen, Seminaren und Kursen Grundlagen der Psychologie und Soziologie vermittelt, welche für die wissenschaftstheoretische Basis der Medizin, die Arzt-Patient-Beziehung und die Patientenbehandlung relevant sind. Im Einzelnen geht es dabei um die Vermittlung von Wissen aus den Bereichen Entwicklungspsychologie, Persönlichkeitspsychologie, Sozialpsychologie, Gesundheitssoziologie und Psychophysiologie. Weiter werden Fähigkeiten und Fertigkeiten in der Gesprächsführung, der Gestaltung der Arzt-Patient-Beziehung sowie der Kommunikation und Interaktion in interdisziplinären Systemen (stationäre und ambulante Behandlungsteams) vermittelt.
2004 ist die 3. Auflage des von Prof. C. Buddeberg herausgegebenen Lehrbuches PSYCHOSOZIALE MEDIZIN erschienen. Es ist auf die Lehrinhalte des reformierten Medizinstudiums ausgerichtet und hat sich im deutschsprachigen Raum als Standardwerk etabliert.
Fortbildung
In der Fortbildung besteht seit mehreren Jahren eine fruchtbare Kooperation der PSM mit dem Institut für Humanwissenschaftliche Medizin (IHM) Zürich. Ein zweijähriger Ausbildungskurs in Psychosozialer und Psychosomatischer Medizin vermittelt Kenntnisse, Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Erwerb des Fähigkeitsausweises für Psychosoziale und Psychosomatische Medizin. 2005 wird erstmals ein Ausbildungskurs in Sexualmedizin und Sexualberatung durchgeführt.
Publikationen
Insgesamt wurden im Berichtsjahr 10 Originalarbeiten, eine Übersichtsarbeit, zwei Bücher, 23 Buchbeiträge, sechs Abstracts und vier weitere Arbeiten publiziert. Im weiteren konnten zwei Dissertationen abgeschlossen und zwei weitere eingereicht werden.