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Zahlen und Fakten
Psychiatrische Poliklinik

Psychiatrische Poliklinik USZ

 

Prof. Dr. med.
Ulrich Schnyder
Klinikdirektor
2004 war für die Psychiatrische Poliklinik ein Jahr des Neubeginns: Das Ambulatorium wurde noch klarer auf die Bedürfnisse des USZ ausgerichtet, der Aufbau von Spezialsprechstunden konsequent weitergeführt. Wir konzipierten die Konsiliarpsychiatrie völlig neu, erweiterten und verknüpften sie mit unseren notfallpsychiatrischen Aktivitäten. Das Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer «afk» konnte Räumlichkeiten an der Sonneggstrasse 6 beziehen. Das Zentrum für Essstörungen führt die landesweit einzige Station, auf welcher ausschliesslich Patientinnen mit schweren Essstörungen behandelt werden. Der Forschungsoutput konnte im Berichtsjahr erheblich gesteigert werden. Wir schlossen  unsere alte Bibliothek und richteten ein modernes «Wissenszentrum» ein, welches das Entwickeln, Erwerben, Austauschen, Nutzen und Zur-Verfügung-Stellen von Wissen im Sinne eines «knowledge management» unterstützt.

Klinische Tätigkeit

Ambulatorium

Die strategische Neuausrichtung des Ambulatoriums wurde fortgesetzt und noch klarer auf die Bedürfnisse des USZ ausgerichtet. Die allgemeine Sprechstunde wurde zugunsten der Spezialsprechstunden weiter reduziert. Wir führen nun Spezialsprechstunden für folgende Bereiche:

  • Angststörungen
  • Essstörungen
  • Neuropsychiatrie
  • Posttraumatische Belastungsstörungen
  • Schlafstörungen
  • Störungen der Geschlechtsidentität (Transsexualismus)

Konisiliarpsychiatrie
Die Konsiliarpsychiatrie wurde unter der Federführung unseres Leitenden Arztes PD Dr. Stefan Büchi völlig neu konzipiert, personell erweitert und wesentlich enger als bisher mit unseren notfallpsychiatrischen Aktivitäten verknüpft. Es resultierte daraus eine verbesserte Dienstleistung zu Gunsten der Kliniken des USZ, aber auch eine neue Möglichkeit für Assistierende, im Rahmen ihrer Weiterbildung zum FMH Psychiatrie und Psychotherapie Erfahrungen im Bereich der immer wichtiger werdenden Konsiliarpsychiatrie zu sammeln. Im Bereich der Psychoonkologie wurde ein Schwerpunkt-Angebot entwickelt.

Zentrum für Essstörungen
Die Psychotherapiestation, welche sich traditionell auf die Behandlung von Essstörungen konzentriert, wurde zusammen mit der ambulanten Spezialsprechstunde für Essstörungen zum Zentrum für Essstörungen zusammengefasst. Das Zentrum baute sein über die kantonalen und nationalen Grenzen hinaus bekanntes Therapieprogramm für Essstörungen weiter aus. Es verfügt jetzt über eine ganze Palette klinischer Angebote: ambulante Abklärung, Triage und Therapie, stationäre Behandlung, und Nachsorge-Programm. Wünschenswert wäre eine Weiterentwicklung in Richtung auf ein ergänzendes tagesklinisches Angebot.

Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer (afk)
In Zusammenarbeit mit dem Schweizerischen Roten Kreuz SRK wurde das seit 2003 bestehende Ambulatorium für Folter- und Kriegsopfer afk weiter ausgebaut. Patienten, die durch Krieg oder Folter traumatisiert wurden, können nun von einem multiprofessionellen Team (Psychiatrie, Psychologie, Physio- und Bewegungstherapie, Sozialarbeit, Sekretariat) abgeklärt und behandelt werden. Dabei ist die Arbeit mit professionell geschulten Dolmetschern eine besondere Herausforderung. Ende 2004 konnte das afk Räumlichkeiten an der Sonneggstrasse 6 beziehen.

Forschung

An der Psychiatrischen Poliklinik haben wir im Verlauf des vergangenen Jahres eine neue Forschungsstrategie entwickelt, welche Bestandteil der Klinikstrategie ist. Der wichtigste Forschungs-Schwerpunkt der Psychiatrischen Poliklinik ist die Psychotraumatologie. Daneben werden Fragestellungen in den Bereichen der Psychotherapieforschung, Lebensqualität und Leiden, Essstörungen, Suizidologie und Störungen der Geschlechtsidentität bearbeitet. In Zukunft soll vermehrt auch neurobiologische und psychophysiologische Forschung zum Zug kommen.
Unter der Federführung von Dr. phil. Anja Spindler wurden die Forschungsprozesse unserer Klinik analysiert sowie ein Dokument «Forschungsprozesse» erarbeitet, in welchem die prozessualen Aspekte eines Forschungsprojekts idealtypisch aufgeführt, ausformuliert und in einer Übersicht grafisch dargestellt sind. Die Forschungsprozesse sollen zur Qualität, Transparenz und Zugänglichkeit von Forschung in allen Phasen beitragen. Das Dokument zeigt, wie ein Forschungsprozess von A bis Z abläuft, worauf zu achten ist, wo, wie und von wem in den verschiedenen Phasen einer Studie Hilfestellung und Unterstützung geholt werden kann. Die Forschungsgruppe «Psychotraumatologie» um Prof. Ulrich Schnyder hat im April 2004 mit einer grossen, vom Schweizerischen Nationalfonds unterstützten Studie begonnen, in der ein neuer Psychotherapie-Ansatz zur Behandlung posttraumatischer Belastungsstörungen (Brief Eclectic Psychotherapy for PTSD) untersucht wird. Die Studie wird von Dipl.-Psych. Lutz Wittmann koordiniert und in Zusammenarbeit mit Prof. Andreas Maercker von der Abteilung Klinische Psychologie II der Universität Zürich, sowie mit der Neurologischen Klinik des USZ durchgeführt.

PD Dr. Stefan Büchi, Leitender Arzt, führt Untersuchungen zum komplexen und vielfältigen Thema menschlichen Leidens durch, beispielsweise in einer Studie in Zusammenarbeit mit der Klinik für Neonatologie über das Leiden der Eltern nach dem Tod eines frühgeborenen Kindes oder in einer qualitativen Studie an Patienten mit Lupus Erythematodes.

Dr. Gabriella Milos hat wichtige Arbeiten zur Diagnostik, Komorbidität und diagnostischen Stabilität von Essstörungen abgeschlossen und bereitet momentan ihre Habilitation zu diesem Thema vor.

Dr. Urs Hepp publizierte verschiedene Arbeiten zu Themen der Notfallpsychiatrie, des Transsexualismus, sowie der Psychotraumatologie.

Lehre

Wissenszentrum
Leistungsfähige Informationstechnologien und die rasante Wissens-Entwicklung in allen wissenschaftlichen Disziplinen konfrontieren moderne Institutionen mit neuen Möglichkeiten, aber auch Schwierigkeiten: Weniger das «Besitzen von Wissen» ist heute als entscheidende Stärke einer Institution zu werten, als das effiziente und effektive Entwickeln, Erwerben, Austauschen, Nutzen und Zur-Verfügung-Stellen desselben. Die Psychiatrische Poliklinik hat diese Zeichen der Zeit erkannt und macht mit der Eröffnung ihres neuen Wissenszentrums am 28.10.2004 einen Schritt in die Zukunft. Sie hat ihre Bibliothek entstaubt, Türen geöffnet, die Infrastruktur modernisiert, Gäste eingeladen. Kurz: Sie hat eine Vision realisiert. Das Wissenszentrum ist weit mehr als eine Bibliothek. Zwar steht durchaus ein kleines, feines Angebot stets aktueller Fachliteratur und relevanter Zeitschriften zur Verfügung. Viel wichtiger aber ist alles andere: Die Online-Arbeitsplätze, welche Zugriff zu elektronischen Zeitschriften, Datenbanken und Katalogen ermöglichen, die fachspezifischen Weiterbildungsveranstaltungen und Diskussionsforen, die Kurse für zeitgemässen Umgang mit wissenschaftlichen Informationen - sowie der spontane Austausch bei einer Tasse Kaffee. Das neue Wissenszentrum steht den Mitarbeitenden der Psychiatrischen Poliklinik sowie externen Institutionen und niedergelassenen Kolleginnen und Kollegen offen.

Reform des Medizinstudiums
Mit Beginn des Wintersemesters 2003/2004 hat die Umsetzung der Reform des Medizinstudiums begonnen. Die Vorbereitung des 3. und 4. Studienjahres ist derzeit in vollem Gang. Im 3. und 4. Studienjahr wird der Unterricht in Psychiatrie und Psychotherapie in Zukunft zum einen im Rahmen eines 4-wöchigen Blocks «Psyche und Verhalten» stattfinden. Einzelne Lehrinhalte werden neu im Rahmen interdisziplinärer Veranstaltungen gemeinsam mit Vertretern anderer, somatischer Disziplinen vermittelt.

Fort- und Weiterbildung

Das Kolloquium für Psychotherapie und Psychosomatik, das von der Psychiatrischen Poliklinik gemeinsam mit der Zürcher Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie organisiert wird, hat sich zu einer der bestbesuchten Weiter- und Fortbildungsveranstaltungen unseres Fachgebietes im Raum Zürich entwickelt. Im Rahmen dieses Kolloquiums und anderer Anlässe konnten wir, neben vielen hervorragenden Schweizer Referentinnen und Referenten, auch wieder eine ganze Reihe renommierter ausländischer Referentinnen und Referenten bei uns begrüssen.

Arbeitsgruppe PSYnet
Die Arbeitsgruppe «PSYnet» unter der Leitung von Prof. Ulrich Schnyder führte eine 2003 begonnene Fortbildungsreihe weiter, um einem interessierten akademischen Publikum Forschungs-Knowhow auf dem Gebiet der Psychotherapieforschung zu vermitteln und zur Auseinandersetzung anzuregen. Die Fortbildung soll zudem die interfakultäre Vernetzung interessierter Fachleute fördern. Am Lehrstuhl für Klinische Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse (Prof. Dr. phil. Brigitte Boothe) führte Prof. Kai von Klitzing, Basel, vom 24.-26.6.2004 ein Seminar zum Thema «Beziehungsdiagnostik in verschiedenen Entwicklungsphasen anhand von Interviews und Narrativen» durch. Vom 21.-23.10.2004 fand an der Psychiatrischen Universitätsklinik (Prof. Daniel Hell) der Fortbildungkurs «Planung und Durchführung von psychodynamischen Therapien» unter der Leitung von Prof. Gerd Rudolf, Heidelberg, statt.  Die Veranstaltungsreihe stiess wieder auf reges Interesse und wurde von den Teilnehmenden sehr positiv bewertet.

Kongresse und Symposien

Trauma und Kultur
Bereits zum neunten Mal wurde in Zusammenarbeit mit dem Psychiatrie-Zentrum Hard und dem Institut für Psychotraumatologie Zürich die jährlich stattfindende internationale Zürcher Psychotraumatologie-Tagung durchgeführt, diesmal zum Thema «Trauma und Kultur», unter anderem mit Referenten aus Südafrika, Japan und Argentinien. Am 24.4.2004 fanden sich rund 250 Teilnehmer aus dem gesamten deutschen Sprachraum im World Trade Center in Oerlikon ein.

Wissen im Fluss
Unter dem Thema «Wissen im Fluss» führten wir am 28.10.2004 in der Psychiatrischen Poliklinik ein kleines, aber feines Symposium mit etwa 60 Teilnehmern zur Eröffnung unseres neuen Wissenszentrums durch, welches die bisherige Bibliothek ersetzt.

Essstörungen: Neue Perspektiven
Am 20.11.2004 führten wir aus Anlass des 50-jährigen Bestehens unserer Psychotherapiestation ein Symposium mit internationalen Referenten zum Thema «Essstörungen: Neue Perspektiven» durch. Die Tagung im World Trade Center in Oerlikon war mit 400 Teilnehmenden ein voller Erfolg

Personelles

Am 1.4.2004 begann Dr. Josef Jenewein seine Tätigkeit als Oberarzt in der Konsiliarpsychiatrie.

Am 1.10.2004 übernahm unser neuer Leitender Arzt Dr. Michael Rufer die Leitung des Ambulatoriums.

Am 19.10.2004 verstarb Prof. Hans Kind, Direktor der Psychiatrischen Poliklinik USZ von 1975-1989, im Alter von 82 Jahren.

Unsere Oberärztin Dr. Magdalena Berkhoff wurde auf den 15.11.2004 zur Chefärztin an der Klinik Schlössli in Oetwil am See gewählt.

Auszeichnungen

Prof. Ulrich Schnyder erhielt am 11.11.2004 den Dr. Margrit Egnér-Preis.

Publikationen

Insgesamt wurden im Berichtsjahr 27 Originalarbeiten, vier Übersichtsarbeiten (reviews), drei Bücher, vier Buchbeiträge, 46 Abstracts und sieben weitere Arbeiten (case reports etc.) publiziert. Im weiteren konnten vier Dissertationen abgeschlossen werden.

Eckdaten

Medizinisches Angebot

Die Psychiatrische Poliklinik führt neben einer allgemeinen Sprechstunde eine Reihe von Spezialsprechstunden: für Angststörungen, Essstörungen, Neuropsychiatrie, posttraumatische Belastungsstörungen, Schlafstörungen und Störungen der Geschlechtsidentität (Transsexualismus). Zudem betreibt die Psychiatrische Poliklinik einen 24-Stunden-Notfalldienst sowie den psychiatrischen Konsiliar- und Liaisondienst zugunsten der Kliniken des USZ. Im Zentrum für Essstörungen werden Patientinnen mit schweren Essstörungen nach einem integrativen Ansatz behandelt.
Die quantitativen Eckdaten im Bereich der Dienstleistung liegen bei über 3’000  behandelten Patienten und 8’700 Konsultationen pro Jahr. Das USZ ist mit Abstand unser wichtigster Zuweiser. Knapp die Hälfte der Patienten wird im Rahmen der konsiliarpsychiatrischen und notfallpsychiatrischen Dienste in den verschiedenen Kliniken des USZ mitbehandelt bzw. von diesen zur ambulanten Weiterbehandlung zugewiesen.

Forschungsschwerpunkte

  • Psychotraumatologie
  • Psychotherapieforschung
  • Lebensqualität und Leiden
  • Essstörungen
  • Suizidologie
  • Störungen der Geschlechtsidentität (Transsexualismus)

Anzahl Mitarbeitende 57

 

Dr. med.
Bernd Krämer
Oberarzt
Hugo Bossi
Klinikmanager
Dr. med.
Michael Rufer
Leitender Arzt
Dr. med.
Stefan Büchi
Leitender Arzt
Dr. med.
Thomas Maier
Oberarzt

Pomcany's Zürich © UniversitätsSpital Zürich