Klinik für Unfallchirurgie


Prof. Dr. med.
Otmar Trentz
Klinikdirektor
Die Klinik für Unfallchirurgie deckt als einzige Hochschuleinrichtung dieser Art in der Schweiz das gesamte unfallmedizinische Spektrum im Sinne der ganzheitlichen Versorgung von Verletzten ab und ist daher eine gesuchte Klinik für die Weiterbildung zum Unfallchirurgen. Eine enge Zusammenarbeit mit den Nachbardisziplinen, insbesondere der Wiederherstellungschirurgie, der Orthopädie und der Neurochirurgie garantiert die optimale Betreuung der Patienten auch auf diesen Spezialgebieten. Personalrotationen zwischen der Orthopädischen Universitätsklinik Balgrist und der Klinik für Unfallchirurgie zu Weiterbildungszwecken kommen dem generellen Trend zur «Chirurgie des Bewegungsapparates» entgegen und ermöglichen auch dem orthopädischen Chirurgen, das Management Mehrfach-Verletzter zu erlernen.  Der hohe Anteil an polytraumatisierten Patienten widerspiegelt sich auch in der klinischen und experimentellen Forschung. Von der stetigen Weiterentwicklung der minimal-invasiven und Computergestützten Chirurgie profitieren insbesondere Patienten mit gelenknahen Frakturen und Beckenverletzungen.
  

Klinische Tätigkeit

Notfallstation
Die Notfallstation ist die erste Anlaufstelle aller chirurgischen Notfälle und übernimmt damit die Triage und Zuweisung zu den entsprechenden Organspezialisten des UniversitätsSpitals. Während der letzten 10 Jahre verzeichnet die Notfallstation eine kontinuierliche Zunahme der betreuten Patienten. Auch dieses Jahr ist die Zahl der chirurgischen Patienten vor allem im ambulanten Bereich erneut angestiegen und erreicht einen Höchstwert von 19’364.  Zieht man in Betracht, dass 88% dieser Patienten weniger als 2 Stunden im USZ verbrachten, so zeigt dies die speditive Arbeit und den enormen ärztlichen, pflegerischen und administrativen Aufwand.

Schockraum
Der Schockraum wird interdisziplinär genutzt. Die Koordination erfolgt durch den diensthabenden unfallchirurgischen Oberarzt, in enger Zusammenarbeit mit der Anästhesie und der Leitstelle des Notfall-Operationstraktes. Im Berichtsjahr wurden 785 Patienten im Schockraum und im unmittelbar angrenzenden Multislice CT diagnostiziert und behandelt. Dank des schnellen CT’s und der guten Zusammenarbeit mit der Radiologie und der Anästhesie kann bei  kreislauf- und respiratorisch stabilen Patienten oft auf zeitraubende Einzeluntersuchungen verzichtet werden.

Intensivstation
Die Intensivstation für Unfallchirurgie als Teil der Abteilung «Chirurgische Intensivmedizin» unter der Leitung von Prof. Dr. Reto Stocker hat einen wesentlichen Anteil an der Versorgung der Schwer- und Polytraumatisierten und der postoperativen Betreuung polymorbider Patientinnen und Patienten nach grösseren Eingriffen. Besonders zu erwähnen sind die zahlreichen Patientinnen und Patienten mit Schädel-Hirntrauma, welche teils über Wochen intensivpflichtig bleiben. Regelmässig werden auch Patienten anderer Disziplinen übernommen, wenn dort Platzmangel besteht. Ebenso werden unsere Patienten bei Bedarf in anderen Intensivstationen betreut. Diese Flexibilität führt zu einer hohen Auslastung der Betten.

Operativer Sektor
Im operativen Sektor werden zunehmend mehr Patienten mit neuen, winkelstabilen Implantaten weichteilschonend minimal-invasiv versorgt. Die intraoperative Bildgebung wurde durch Einführung der 3D-Fluoroskopie wesentlich verbessert. Neu hinzugekommen ist die 3D-Fluoro-Navigation, welche insbesondere bei Wirbelsäuleneingriffen zum Einsatz kommt. Ähnlich wie bei der Computertomographie können multiplanare Rekonstruktionen erstellt werden.

Abb. 1: Planung für die Positionierung einer Pedikelschraube lumbal.

Abb. 2: Zielvorgang. Im Autopiloten (Bild rechts oben) erscheinen konzentrische Kreise wenn Planung und aktuelle Instrumentenposition übereinstimmen.

Abb. 3: Eindrehen der Schraube unter visueller Kontrolle.

Im Rahmen des Zentrums für  Wirbelsäulen-Chirurgie wurde die Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Balgrist (Prof. C. Gerber, PD Dr. N. Boos, Dr. K. Min) und der Klinik für Neurochirurgie (Prof. Y. Yonekawa) weiter ausgebaut. 

Forschung

Grundlagenforschung
Die Forschungsgruppe von PD Dr. Marius Keel und Dr. Luc Härter (PhD) befassen sich einerseits mit der intrazellulären Regulation der Apoptose neutrophiler Granulozyten bei Patienten mit septischen Komplikationen oder Patienten mit einer schweren systemischen Entzündungsreaktion nach Trauma. Andererseits wird der Einfluss der Vakuumversiegelung auf die Inflammation akuter chirurgischer Wunden mit Dr. Ludwig Labler zusammen untersucht.

In einem weiteren Projekt in Zusammenarbeit mit der chirurgischen Intensivstation werden Studien über das Immunomonitoring (z.B. Procalcitonin) bei schwerverletzten Patienten durchgeführt.

Die Forschungsgruppe von PD Dr. Guido Wanner befasst sich mit der Analyse der Mikrozirkulation und des Metabolismus von muskuloskelettalem Gewebe und viszeralen Organen nach Stressereignissen (Trauma, Ischämie/Reperfusion) durch integrative Nutzung der intravitalen Mikroskopie und der Mikrodialysetechnik. In tierexperimentellen Modellen werden die pleiotropen Wirkungen von Erythropoietin in der Traumatologie und rekonstruktiven Chirurgie der Extremitäten untersucht. Eine weitere tierexperimentelle Studie befasst sich mit der Pathophysiologie des abdominellen Kompartmentsyndroms. Schliesslich werden in klinischen Studien mit Hilfe der orthogonalen Polarisationsspektrometrie (OPS) Veränderungen der Mikrozirkulation schwerverletzter Patienten sowie die Auswirkung der hyperbaren Oxygenierung auf die Mikrozirkulation verletzter Patienten analysiert.

Es bestehen Forschungskooperationen mit dem Institut für Klinisch-experimentelle Chirurgie der Universitätsklinik Homburg/Saar (Prof. Dr. M.D. Menger), der Klinik für Mund-, Kiefer- und Gesichtschirurgie der Universitätsklinik Hannover (PD Dr. Dr. M. Rücker), der Abteilung für Chirurgische Intensivmedizin des Universitätsspitals Zürich (Prof. Dr. Reto Stocker, PD Dr. John Stover) und der Berufsgenossenschaftlichen Unfallklinik Murnau (Prof. Dr. V. Bühren, Prof. Dr. A. Woltmann).

Die Forschungsgruppe von Frau Dr. O.A. Trentz und Dr. M. Egermann untersucht die Entstehung heterotoper Ossifikationen nach Trauma. Mit Zellkulturtechniken werden auf molekularer Ebene diese Verknöcherungen der häufig gelenksnahen Weichteilgewebe untersucht, um neue Therapieansätze zu erforschen. Im Rahmen eines Forschungsprojektes zur heparin-induzierten Osteoporose analysiert Dr. Alexander Handschin die Wirkung von Heparin und heparin-ähnlichen Medikamenten auf primäre Osteoblasten in vitro.  Weiterhin werden auf dem Gebiet der Frakturheilung bei Osteoporose die Wirkung von osteoinduktiver Wachstumsfaktoren untersucht.

Die Forschungsgruppe von PD Dr. Michael Heinzelmann befasst sich mit der Endotoxin-induzierten Monozytenaktivation und der Wechselwirkung mit Heparinderivaten und neuen synthetischen Substanzen, welche zur Thromboembolieprophylaxe eingesetzt werden.

Die neue Forschungsgruppe CATS (Computer Assisted Trauma Surgery) unter der Leitung von PD Dr. Peter Messmer  befasst sich mit Technologieintegration und Workflow-Optimierung. Sie ist ein Teil der inter-universitären CARCAS-Research Group (Computer Assisted Radiology / Computer Assited Surgery, Basel/Zürich). Es besteht eine enge Zusammenarbeit mit den Industriepartnern Siemens Erlangen (D) und Siemens Schweiz, sowie BrainLAB, Heimstetten (D).


Klinische Forschung
Dr. Ludwig Labler untersucht die klinischen Einsatzmöglichkeiten der Vakuumversieglung bei offenen Frakturen und Abominaltrauma.

PD Dr. Michael Heinzelmann leitet im USZ eine multizentrische Phase IIIb Studie, welche im Rahmen der postoperativen Thromboembolieprophylaxe die Anwendung von Natrium Fondaparinux in der täglichen Praxis bei Patienten mit grösseren operativen Eingriffen der unteren Extremität untersucht.

PD Dr. Peter Messmer betreut den Zürcher Teil einer multizentrischen Studie (15 Kliniken, Principal Clinical Investigator: Prof. Dr. C. van der Werken, Utrecht, Niederlande) zur Erfassung von Handlingproblemen und Komplikationen des neuen proximalen Femurnagels PFNA.

PD Dr. Peter Messmer führt eine Safty- and Feasibility-Studie mit einem neuartigen Knochenersatzstoff (I-0401) mit osteo-konduktiven und osteo-induktiven Eigenschaften bei Patienten mit distalen Radiusfrakturen durch.

Lehre

Mehrere Mitarbeiter sind im Rahmen der Studentenausbildung an Vorlesungen und Untersuchungskursen beteiligt. Wiederum wurde der Extremitäten-Untersuchungskurs des ersten Studienjahres der medizinischen Fakultät durchgeführt, welcher im Rahmen der Studienreform als problemorientiertes Lernen (POL) in einem Lernzentrum eingeführt wurde.

Mehrere Mitarbeiter sind als Dozenten an den Schulen für Anästhesie-, Intensiv-, Notfall- und Operationspflege tätig.

Fort-  und Weiterbildung

In unserer Klinik wird grosses Gewicht auf «bedside teaching» gelegt. Die Klinik beteiligt sich mit eigenen Beiträgen an der «Surgical Grand Round», organisiert durch die Klinik für Viszeral- und Transplantationschirurgie.
Im Rahmen der wirbelsäulenchirurgischen Weiterbildung wurden in Zusammenarbeit mit der Universitätsklinik Balgrist «Spine Rounds» durchgeführt.

Mehrere Mitarbeiter beteiligten sich als Referenten, Instruktoren oder Teilnehmer an Kursen der Arbeitsgemeinschaft für Osteosynthesefragen.

Kongresse und Symposien

Mehrere Mitarbeiter wirkten an namhaften nationalen und internationalen Kongressen und Symposien als Referenten.

Pflegedienst

Anzahl betriebene Normalbetten

76

Pflegetage auf Normalbetten

1’631

Auslastung kumuliert

78%


Die Veränderungen im Pflegedienst gehen mit den Umwälzungen von Ressourcen im USZ und der Gesundheitspolitik im Kanton Zürich einher. Insbesondere der Umgang mit den noch vorhandenen Ressourcen oder mit weniger Ressourcen bei gleich bleibender Pflegequalität. Diesbezüglich nehmen wir dahingehend Einfluss, dass verschiedene Mitarbeitende aktiv an vielen Pflegeprojekten teilnehmen wie z.B. Bezugspflege, FAGE, und andere. Diese Arbeiten ermöglichen es dem Pflegedienst, die Veränderungen aktiv mitzugestalten und sich im USZ zu positionieren. Ein weiterer Schwerpunkt ist, die interdisziplinäre Zusammenarbeit zu intensivieren. Insbesondere bei den Projekten wie das Austrittsmanagement der Patienten oder beim Wundkonzept. Alle diese Arbeiten dienen den Patienten und deren Angehörigen im Sinne einer besseren Pflege- und Behandlungsqualität.

Die Veränderungen in der Schweizerischen Bildungspolitik sind auch im Pflege-dienst spürbar. Die Herausforderung aktiv in verschiedenen Projekten die Ausbildungssituation auf den Abteilungen mitzugestalten nehmen wir an. Es ist uns wichtig, auch weiterhin eine interessante Ausbildungsstätte für Lernende und Studierende in Krankenpflege zu sein. Ein weiterer Schwerpunkt war die Veränderung in den Strukturen des Pflegedienstes im USZ und auf den Kliniken. Mit dem Einsatz von Pflegeexpertinnen und Pflegeexperten hat sich das Pflegeverständnis für die theoriegeleitete und forschungsgestützte Pflege etabliert.

Sozialdienst

Innerhalb unserer Klinik bedurften 438 Patienten einer Leistung des Sozialdienstes in irgend einer Weise. Das Spektrum reicht von der Planung des Spitalaustrittes über Versicherungen, Finanzierungen, Arbeit, Bildung, Zusammenarbeit mit Ämtern und Behörden bis zu Psychosozialer Betreuung.

Eckdaten

Medizinisches Angebot

Das medizinische Angebot der Unfallchirurgie deckt das ganze Spektrum von der Grundversorgung bis zur hochspezialisierten Chirurgie des schwerverletzten Patienten rund um die Uhr ab. Nebst der konventionellen, offenen Chirurgie werden vor allem auf dem Gebiet der Wirbelsäulen- und Beckenchirurgie modernste minimal-invasive und Computer-assistierte Verfahren angeboten.

Forschungsschwerpunkt

Die Grundlagenforschung beschäftigt sich vorwiegend mit der Erforschung der Traumareaktion auf zellulärer und immunologischer Ebene. Klinisch werden vor allem Implantate und neue operative Verfahren auf Sicherheit und Machbarkeit überprüft.





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