Klinik für Neonatologie
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Prof. Dr. med. Hans Ulrich Bucher Klinikdirektor |
Das Konzept eines Perinatalzentrums, das für Mutter und Kind Spitzenmedizin gewährt, war 2004 derart erfolgreich, dass die Kapazität mehrmals überschritten wurde und deshalb Schwangere mit drohender Frühgeburt oder kranke Neugeborene zur Behandlung in andere Spitäler überwiesen werden mussten.
Für die stationäre Betreuung von 585 (Vorjahr 535) kranken Neugeborenen wurden in der Klinik für Neonatologie 7990 (7901) Pflegetage erbracht. 95 zusätzliche Neugeborene mussten wegen Platzmangels in andere Spitäler verlegt werden.
Alle Mitarbeitenden wurden in die Erarbeitung und schrittweise Umsetzung eines Klinikleitbildes einbezogen. Das Klinikprojekt «Umgang mit Zwischenfällen» wurde weitergeführt und ein Pflegeforschungsprojekt zur beruhigenden Wirkung von Fencheltee abgeschlossen.
Die Forschungsgruppe untersuchte mit der Nahinfrarot-Spektroskopie die Reaktion des Gehirns auf verschiedene Reize und erarbeitete erste Bilder von der Hirnaktivität.
Klinische Tätigkeiten
Die Patientenzahlen und die Anzahl Pflegetage zeigen im Vergleich zum Vorjahr eine leicht steigende Tendenz. Der Bedarf überstieg jedoch zeitweise bei weitem das Angebot an Betten für kranke Neugeborene. Zwar waren bereits im Vorjahr Gegenmassnahmen eingeleitet worden, die Abhilfe schaffen sollten. So wurden 2004 59 Frühgeborene ab 35 Schwangerschaftswochen und 108 weitere Neugeborene mit erhöhten Risiken vom Gebärsaal zusammen mit der Mutter direkt auf die Wochenbettstation verlegt und dort von kompetenten Pflegefachfrauen und Neonatologen betreut. Damit konnten Intensivbetten für andere Kinder frei gehalten werden. Trotzdem reichten die 24 Betten der Klinik für Neonatologie immer häufiger nicht aus, um alle Kinder aufzunehmen und es mussten 2004 insgesamt 95 Neugeborene wegen Platzmangels in andere Spitäler verlegt werden (2003: 27). Dazu kommt noch eine Anzahl von Schwangeren mit drohender Frühgeburt, die im vornherein in andere Geburtskliniken umgeleitet wurden.
Diese Situation ist für die betroffenen Eltern höchst unbefriedigend und bedeutet für das Personal einen erheblichen Mehraufwand wegen des Transportes und den notwendigen Erklärungen an die Eltern.
Durch diese vielen Verlegungen wurde die Zusammenarbeit mit anderen Spitälern verstärkt, in erster Linie mit dem Kinderspital Zürich, dem Spital Zollikerberg, dem Triemlispital und dem Kantonsspital Winterthur, die alle über eine Abteilung für kranke Neugeborene verfügen. Im Laufe des Jahres kam es jedoch mehrmals vor, dass alle diese Abteilungen voll bis überbelegt waren und deshalb Kinder ausserhalb des Kantons Zürich verlegt werden mussten.
Ein zweites erhebliches Problem, das sich im Laufe des Jahres 2004 zuspitzte, ist die Raumnot. Um den Lärm und die Unruhe in den Patientenzimmern mit fünf bis sechs Betten einigermassen erträglich zu gestalten, mussten die Besuchszeiten neu geregelt und die Anzahl Besucher pro Kind eingeschränkt werden. Nach wie vor haben die Eltern und die Geschwister der Neugeborenen von 10 bis 22 Uhr unbegrenzten Zugang und stillende Mütter auch in der Nacht. Von Seiten der Eltern besteht ein steigendes Bedürfnis nach Rückzugsmöglichkeiten, welches das einzige zur Verfügung stehende Elternzimmer nicht abzudecken vermag.
Da die neuen Brutkästen und Beatmungsgeräte immer mehr Raum einnehmen, wird es selbst in der vor 30 Jahren grosszügig geplanten Intensivstation eng. Eine räumliche Erweiterung wird also wegen des zunehmenden Raumbedarfs und den steigenden Patientenzahlen immer dringlicher.
Im Gegensatz zu den knappen personellen und räumlichen Gegebenheiten konnten die Geräte planmässig erneuert werden. So konnte ein schrittweiser Ersatz der Überwachungsgeräte für alle 24 Patientenplätze abgeschlossen, ein neues Blutgasgerät und 20 neue Wärmebetten angeschafft werden. Letztere können auch in der Gebärabteilung und in der Wochenbettstation eingesetzt werden.
In Zusammenarbeit mit der ORL-Klinik wurde ein Hörscreening bei allen Neugeborenen eingeführt. Eine nationale Studie hatte zuvor gezeigt, dass in der Schweiz eines von 1000 Neugeborenen taub ist und damit frühzeitig entdeckt werden kann. Da diese diagnostische Massnahme noch nicht als Pflichtleistung anerkannt ist, wird sie vorerst als freiwillige kostenpflichtige Leistung angeboten.
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| Antonella erhält Sauerstoff zum Atmen und eine Portion Milch zu Trinken. |
Forschung
Die Forschungsgruppe wurde durch Derek Brown und Geert Moren und mehrere Teilzeitbeschäftigte verstärkt. In Kooperation mit der ETH wurde die Nahinfrarot-Spektroskopie technisch weiterentwickelt und mit neuen Geräten Messungen an Kindern durchgeführt.
Die Nahinfrarot-Spektroskopie wurde neu als bildgebendes Verfahren eingesetzt, wobei gezeigt werden konnte, dass auf taktile und visuelle Reize die Durchblutung der entsprechenden Hirnarealen ansteigt. Die Methode wurde auch eingesetzt, um die Wirkung von Mobiltelephonen auf die Hirndurchblutung zu messen. Ausserdem wurde ein neues Hochfrequenz Nahinfrarot-Spektrometer entwickelt, welches die Gewebekonzentrationen von Oxy- und Deoxyhämoglobin, Wasser und Lipiden quantitativ bestimmt.
Eine neue Methode zur unblutigen Messung des Hämatokrits wurde entwickelt. Neue Methoden zur transcutanen Bilirubinmessung, zur Blutzuckerbestimmung und zur Messung der Knochendichte wurden an verschiedenen Patientenkollektiven erprobt und mit einem Standard verglichen.
Wir beteiligten uns an einer schweizerischen Multizenterstudie zur medikamentösen Behandlung eines Entzuges bei Kindern drogenabhängiger Mütter und an einer internationalen Studie zur Wirkung von Coffein, das bei Frühgeborenen gegen Apnoen gegeben wird, auf die spätere geistige und motorische Entwicklung.
Federführend waren wir bei einer Untersuchung zur frühen Erfassung von zyanotischen Herzfehlern mit der Pulsoximetrie. Ferner beteiligten wir uns an einer Untersuchung der Sympathikusaktivität mittels 24-Stunden-EKG bei untergewichtigen Neugeborenen und einer Befragung von Eltern mit extremen Frühgeborenen zu deren Belastung und Bewältigung.
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| Lorenzo erhält Atemhilfe mit einer kleinen Maske (CPAP). |
Lehre
Für Medizinstudenten wurden Vorlesungen über Neonatologie integriert in Pädiatrie und Frauenheilkunde gehalten. Die über die Website der Universität und der Klinik angebotenen Unterlagen wurden überarbeitet und vermehrt. Ein freiwilliger Zyklus zur Physiologie und Pathologie des Neugeborenen vermochte im Wintersemester 80 Studenten im sechsten Jahr anzulocken. Die zweimal in der Woche veranstalteten Untersuchungskurse bedeuteten eine Belastung für Kinder, Eltern und Personal. Mit dem Beginn des Jahres 2004 wurden erstmals Praktika von zwei Monaten Dauer im Rahmen des Wahlstudienjahres angeboten.
Fünf Doktoranden der medizinischen Fakultät und einer der ETH wurden betreut. Zehn Studenten (acht der ETH, einer der Technischen Universität Hamburg und eine der Technischen Universität Freiburg) arbeiteten an Ihrer Master Thesis. Vier Studenten der ETH absolvierten ihre Semesterarbeiten.
Fort- und Weiterbildung
Traditionell wurde viel Energie und Zeit für die Weiter- und Fortbildung eingesetzt. Diese fanden zum Teil für Pflegende und Ärzte getrennt, zum Teil gemeinsam statt und waren sehr gut besucht. Zeitweise drängten sich über 30 Personen im Instruktionsraum der Abteilung mit 12 m2, was erhöhte Anforderungen an die Vortragenden stellt, um die Aufmerksamkeit der Zuhörerinnen zu erhalten. Für die Assistenz- und Oberärzte hat sich ein System der Selbstevaluation bewährt.
An den durchwegs gut besuchten Seminarien im Rahmen der ärztlichen Donnerstags-Fortbildung des Departementes Frauenheilkunde wurden dermatologische, hämatologische und Ernährungsfragen beim Neugeborenen thematisiert.
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| Milagros findet Halt und Geborgenheit. |
Öffentlichkeitsarbeit
Wir erhielten vermehrte Anfragen von Journalisten der gedruckten Presse und von Fernsehanstalten, die Interviews mit Eltern, Pflegenden und Ärzten und Aufnahmen in der Abteilung durchführen wollten. In erster Linie wurde das Thema «Frühgeburt» und ethische Fragen behandelt. Für ARD-Arte wurde ein Beitrag zur Geschichte der Medizin in unserer Klinik gedreht und das SF-DRS brachte im PULS eine Reportage über Frühgeborene und ihre Eltern.
Am 5. Juni wurde in der Heslihalle in Küsnacht ein Fest für ehemalige Frühgeborene und ihre Familien veranstaltet. Dank grossem persönlichem Engagement und Organisationstalent von Neo-Mitarbeitenden wurde das Fest auch diesmal wieder für die Kinder, Eltern und das Neo-Team ein grosser Erfolg.
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| Am Frühgeborenenfest tummelten sich zwanzig Jahrgänge von ehemaligen Frühgeborenen mit ihren Familien. |
Pflegedienst
Evaluation Kinästhetik Infant Handling
Die Evaluation nach der Einführung von Kinästhetik-Infant Handling zeigte erfreuliche Resultate. Die Eltern fühlten sich, durch das einheitlich vermittelte Pflegekonzept sicherer im Umgang mit ihren Kindern. Auch die Pflegenden berichteten über eine verbesserte Pflegequalität.
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| Lagerung nach den Prinzipien der Kinästhetik-Infant Handling: Sehen Sie den Unterschied? |
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| Mittlerer Gewichtsverlauf von je 20 Frühgeborenen vor und nach Einführung von Kinästhetik-Infant Handling. |
Fencheltee-Studie
Im Juni wurde die Fencheltee-Studie abgeschlossen. Das Ziel der Studie war, die Wirksamkeit von Fencheltee (mit der adaptierten Milch aufgelöst) auf die Verdauungbeschwerden von Frühgeborenen Kindern zu untersuchen. Einzelne Resultate wiesen auf einen, wenn auch geringen Effekt des Fencheltees hin. Aufgrund der vorliegenden Untersuchung wurden Pflegerichtlinien für Kinder mit Verdauungsbeschwerden von der Klinikleitung verabschiedet. Anhand der Kriterien in den Pflegerichtlinien können Pflegefachfrauen bei Kindern mit Verdauungsbeschwerden selbständig Fencheltee verabreichen.
Einführung Schmerz-Score
Schmerzen bei frühgeborenen Kindern einzuschätzen gestaltet sich sehr schwierig. Ein geeignetes Instrument dazu ist der Berner Schmerz-Score. Nach einer Schulung des Pflegepersonals durch Frau Eva Cignacco, Pflegeexpertin, die den Score mitentwickelt hatte, führten wir diesen im August bei uns ein. Der Berner Schmerz-Score berücksichtigt sieben subjektive und zwei objektive Vitalparameter.
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| Lina staunt und fühlt sich trotz Kabeln und Schläuchen behaglich wohl. |
Pflegedokumentation
Die Pflegedokumentation wurde optimiert indem neue Formulare eingeführt und das Kisim besser genutzt wurde.
LEP
Im November starteten auch wir mit der Leistungserfassung Pflege (LEP). Der Einstieg war sehr belastend, da die Bettenbelegung konstant hoch war und zudem der Variablenkatalog auf die spezielle Situation in der Neonatologie angepasst werden musste.
Personelles
In der Zusammensetzung des Kaders bei Ärzten und Pflegenden gab es keine Änderungen, so dass die im Vorjahr neu etablierten Führungsstrukturen weiter gefestigt und den Bedürfnissen laufend angepasst werden konnten. Die neue Instruktions-Pflegefachfrau Gabriela Brauchli brachte neue Impulse für die traditionellen Weiterbildungskurse und für individuelle Weiterbildung. Höchst erfreulich ist die Tatsache, dass es bei den Pflegenden weniger Fluktuationen gab als in den Vorjahren.
Während des ganzen Jahres wurde an einem neuen Klinikleitbild gearbeitet. Die erweiterte Klinikleitung erarbeitet dazu unter der Leitung von Herrn K. Silberschmidt die Grundelemente. Diese wurden in interdisziplinären Diskussionsgruppen kritisch durchleuchtet und Vorschläge für die praktische Umsetzung erarbeitet.
Preise
Das Projekt «Kinästhetik-Infant Handling» wurde mit dem PIZ-Preis 2004 ausgezeichnet.
Derek Brown erhielt den Britton Chance Award der International Society on Oxygen Transport to Tissue. http://www.isott2004.org/britton.htm
An der Jahresversammlung 2004 der deutsch-österreichisch-schweizerischen Gesellschaft für Neonatologie und pädiatrische Intensivmedizin wurde unserem Poster «Kinästhetik-Infant Handling bei Frühgeborenen: Auswirkungen auf Kinder, Eltern und Pflegende» der erste Preis zugesprochen.
Publikationen
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Eckdaten | |
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Patientenversorgung Die Klinik für Neonatologie bildet zusammen mit der Klinik für Geburtshilfe ein Perinatalzentrum, in dem Mutter und Kind vor, während und nach der Geburt optimal betreut werden. Die häufigsten Patienten sind kleine Frühgeborene und Kinder, bei denen bereits vor der Geburt eine schwere Krankheit diagnostiziert wurde.
- Stationäre Patienten: 585 (Vorjahr 535)
- Pflegetage: 7990 [davon 261 IPS-Kategorie 1, 1435 Kat. 2 und 3773 Kat. 3] (Vorjahr 7901)
- Frühgeborene und kranke Neugeborene im Wochenbett: 167 (Vorjahr 156)
- Ambulante Konsultation: 318 (davon 89 entwicklungsneurologische Kontrollen)
Lehre
- Aus-, Weiter- und Fortbildung von Pflegenden, Hebammen, Kinder- und Frauenärztinnen und -ärzten
Forschungs-Schwerpunkte
- Weiterentwicklung und klinische Erprobung der Nahinfrarot-Spektroskopie zur nicht-invasiven funktionellen Diagnostik.
- Multizentrische Studien: Hörscreening, Behandlung eines Opiatentzuges, Coffein für Apnoen bei Frühgeborenen, Infektionen bei Frühgeborenen, Pulsoximetrie zur Früherfassung von zyanotischen Herzfehlern.
- Evaluation von neuen diagnostischen Methoden: transcutane Bilirubinometrie, Glucose-Messung und Knochendichtemessung.
- Koordination einer nationalen Studie zur Entwicklung und Lebensqualität von ehemaligen extremen Frühgeborenen.
- Pflegeforschung: Randomisierte Doppelblindstudie zur Wirkung von Fencheltee auf Säuglingskoliken. Schmerzscore.
- Untersuchungen zu ethischen Fragen und zur Belastung von Eltern von extremen Frühgeborenen.
Anzahl Mitarbeitende 72 (63 Vollzeitstellen) | | |
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Margrit Maag Leiterin Pflege* |
Emanuela Erzinger-Manea Gruppenleiterin mbA* |
Heide Nicolai Gruppenleiterin mbA* |
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Dr. med. Romaine Arlettaz Leitende Ärztin* |
PD Dr. med. Jean-Claude Fauchère Leitender Arzt* |
Dr. med. Seema Das-Kundu Oberärztin |
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Dr. med. Jörg Ersch Oberarzt |
Dr. med. Jehudith Fontijn Oberärztin |
Dr. med. Gabriel Konetzny Oberarzt |
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Hannes Flubacher Klinikmanager* |
Dr. sc. tech. Martin Wolf Oberassistent |
Gabriela Brauchli Unterrichtsassistentin |