Klinische Immunologie
Die neue Strukturierung der immunologischen Diagnostik erlaubt eine engere Einbindung der behandelnden Ärzte in die Labordiagnostik und dadurch eine bessere Verbindung zwischen Patienten und immunologischer Labordiagnostik.
Dank der Schaffung eines Lehrstuhls - vollamtliches Ordinariat - für Klinische Immunologie (vgl. Personelles) an der Universität Zürich ist die Klinische Immunologie als eigenständige, mit einem Facharzt-Titel FMH versehene Disziplin nun auch universitär eingebunden. Im Rahmen dieser erfreulichen Entwicklung wurde auch eine neue Oberarztstelle geschaffen. Diese konnte durch Dr. Thomas Hauser, Facharzt FMH Allergologie/Klinische Immunologie und Innere Medizin, besetzt werden. Um dem interdisziplinären Charakter des Gebietes der klinischen Immunologie Rechnung zu tragen, wurde zusammen mit der Abteilung Hämatologie des Departements Innere Medizin (Abteilungsleiter Prof. Jörg Fehr) eine neue Sprechstunde für Immundefekterkrankungen geschaffen, welche gemeinsam von Ärzten der Hämatologie - PD Dr. Urs Schanz (Leitender Arzt) und Dr. Jörg Halter (Oberarzt) - und von Dr. Thomas Hauser und Prof. Adriano Fontana getragen wird. Die Organisation wird zusammen mit der Pflegedienstleitung von der Hämatologie übernommen. Die Organisation des klinischen Konsiliardienstes auf den Bettenstationen erfolgt nun durch Dr. Thomas Hauser, Oberarzt, Abteilung Klinische Immunologie, dem dazu ein Assistenzarzt der Abteilung zur Verfügung steht. Dies erlaubt die Besprechung der Patienten an der wöchentlich stattfindenden interdisziplinären immunologischen Visite (Dienstag 13.00-15.00 Uhr), gemeinsam mit Dr. Urs Widmer, Medizinische Klinik, Prof. Ralph Trüeb und PD Dr. Andreas Häffner, Dermatologie, Prof. Urs Schwarz, Neurologie und Dr. Adrian Forster, Rheumatologie. Dank der Verstärkung der Klinischen Immunologie kann der Konsiliardienst nun von Montag bis Freitag von 08.00-18.00 Uhr gewährleistet werden. Im Gebiet der Vaskulitiden und Kollagenosen wird die ambulante immunologische Tätigkeit in Kollaboration mit der Rheumatologie (Prof. Beat Michel, Klinikdirektor, Dr. Pius Brühlmann, Leitender Arzt, und Dr. Adrian Forster, Oberarzt) in der interdisziplinären Sprechstunde für Vaskulitiden und Kollagenosen wahrgenommen. Mit dem Ausbau der klinischen Tätigkeit der Abteilung konnte die Zahl der Konsultationen deutlich gesteigert werden: 330 Konsultationen bei 122 stationären Patienten (2003: 221 Konsilien bei 166 Patienten), 227 bei 95 ambulanten Patienten (2003: 98 Konsilien bei 63 Patienten). Das Spektrum der durch die Klinische Immunologie betreuten Erkrankungen ist entsprechend der alle Organsysteme umfassenden Bedeutung der Immunologie bei der Abwehr von Infektionserregern und bei Autoimmunkrankheiten breit gefächert.
Das Jahr 2004 bedeutete für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des immunologischen Diagnostik-Laboratoriums (Leitung serologische Diagnostik: Dr. Helen Joller (Oberassistentin), Leitung zelluläre Diagnostik: Dr. Rolf W. Dubs (Oberassistent) eine besondere Herausforderung. Durch die zur Erneuerung der technischen Anlagen und zur Optimierung der immunologischen Labordiagnostik notwendig gewordenen baulichen Massnahmen am Häldeliweg 4 wurde der Betrieb der Diagnostik vorübergehend äusserst erschwert. Dank hervorragender Planung und dem immensen Einsatz aller in der Labordiagnostik tätigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter gelang es, den Diagnostikbetrieb aufrecht zu erhalten, trotz Behinderung durch Lärm und Staubexposition und trotz temporärer Schliessung einzelner Labors. Der dazu erforderliche finanzielle Aufwand betrug CHF 1,53 Mio. Es darf hier erfreulicherweise betont werden, dass die Immunologische Diagnostik für die Jahre 2005-2009 nach Überprüfung durch die Schweizerische Akkreditierungsstelle, Bundesamt für Metrologie und Akkreditierung, gemäss der Norm ISO/IEC 17025 reakkreditiert wurde. Das Diagnostikangebot hat eine weitere Optimierung erlangt, indem (1) Tests, die nicht zur immunologisch-virologischen Ausrichtung der Abteilung passen, ausgelagert wurden (Antikörper gegen Helicobacter pylori), (2) neue, zum Teil sehr aufwändige, aber klinisch bedeutsame diagnostische Tests eingeführt wurden (Hepatitis B Virus Mutationsanalyse, Antikörper gegen die Muskeltyrosin-Kinase) und (3) bestehende Tests zur Kostenoptimierung mittels einfacherer Methoden analysiert werden können (Einführung der Immunfixation statt der Immunelektrophorese). Das Auftragsvolumen ging aufgrund der Zahl der eingegangenen Aufträge bei den Seren, nicht aber den Zellanalysen leicht zurück: Seren 51420 (2003: 54335), Zellanalytik 8748 (2003: 8613). Insgesamt erfolgten 299015 Analysen (2003: 307984). Dazu kommen noch 4561 Aufträge, respektive Analysen im Rahmen des HIV-Anonymenscreenings.
Dr. T. Suter, Dr. Th. Birchler, Dr. U. Malipiero, Dr. M. Moransard, Prof. A. Fontana Von Prof. Fontana und seinen Mitarbeitern wurde die folgende experimentelle Studie durchgeführt und veröffentlicht. Die Daten zeigen, dass Transforming Growth Factor beta (TGFb) Hirnmakrophagen dazu aktivieren, einen Faktor freizusetzen, welcher OPC in die Demyelinisierungsherde lockt. In Genchip Experimenten, durchgeführt mittels RNA von TGFb behandelten Makrophagen, wurde unser Augenmerk auf ein Genprodukt gelenkt, welches die Chemotaxie von OPC auslösen könnte. Dieser Faktor, Hepatocyte Growth Factor (HGF) genannt, wurde von uns in chronisch-entzündlichen Läsionen im ZNS in Makrophagen identifiziert und ging mit dem Nachweis von OPC in den Läsionen einher. Interessant ist nun, dass in der vorausgehenden akuten Phase der Autoimmun-Enzephalomyelitis demyelinisierende Entzündungsherde weder HGF noch OPC aufweisen. Damit lässt sich die Chemotaxie von OPC möglicherweise auch auf HGF zurückführen. Antikörper gegen HGF hemmen die Chemotaxie von OPC in TGFb stimulierten Makrophagen (Lalive, P.H. et al., 2005). Dr. Tobias Suter (Oberassistent) und seine Mitarbeiter arbeiten schwergewichtig auf dem Gebiet der Antigen-präsentierenden Zellen (APC) in der Autoimmun-Enzephalomyelitis, dem Tiermodell der Multiplen Sklerose. APC und, im speziellen, die sogenannten Dendritischen Zellen (DC) initiieren und regulieren protektive Immunantworten, aber auch die fehlgeleiteten, die zur Entwicklung einer Autoimmunerkrankung wie Multiple Sklerose führt. Dr. Suter publizierte kürzlich, dass es zwar im gesunden ZNS nur sehr wenige DC gibt, in der Autoimmun-Enzephalomyelitis aber reichern sich die DC im ZNS in grosser Zahl an (Suter et al., Eur. J. Immunol. 30:794 (2000)). Funktionell unterscheiden sich diese DC von klassischen DC in ihrer Fähigkeit T-Zellen zu stimulieren: Sie wirken inhibierend auf die T-Zell-Proliferation (Suter et al., Eur. J. Immunol. 33:2998 (2003)). Im Berichtsjahr schaffte es das Team von Dr. Suter, die inhibierenden DC genau zu charakterisieren und Genchip-Analysen durchzuführen, die es erlauben werden, die molekularen Mechanismen der beobachteten Inhibition und die Rolle dieser DC in der Regulierung der Autoimmun-Enzephalomyelitis zu entziffern. Es besteht die Hoffnung, dass durch ein gezieltes Fördern dieser inhibitorischen DC ZNS-Autoimmunerkrankungen in Zukunft besser therapiert werden können.
Die patientenorientierte Forschung konnte im Berichtsjahr durch Teilnahme an mehreren klinischen Studien deutlich ausgebaut werden. Dr. Thomas Hauser arbeitete im Berichtsjahr an vier laufenden klinischen Forschungsprojekten:
Dr. Helen Joller und Dr. Rolf W. Dubs arbeiteten an folgenden Studien:
Publikationen
Mitarbeiter der Abteilung beteiligten sich an neun Lehrveranstaltungen der Universität. Der Abteilungsleiter ist verantwortlich für die Ausbildung in Klinischer Immunologie im dritten und vierten Jahreskurs des Medizinstudiums: Allgemeine Immunologie (zusammen mit Prof. Rolf Zinkernagel), Medizinische Klinik sowie internistische Visite (zusammen mit Dr. Thomas Hauser sowie Kollegen und Kolleginnen des Departements Innere Medizin). Dr. Rolf W. Dubs und Dr. Helen Joller leiten den immunologischen Teil des Mikrobiologischen Kurses für Medizinstudenten.
Im Rahmen der FMH Weiterbildung Klinische Immunologie werden einerseits eine wöchentlich stattfindende interdisziplinäre Fallbesprechung (immunologische Visite dienstags 13.15 bis 15.00 Uhr) sowie interne Besprechungen angeboten. Andererseits stehen in der Abteilung Klinische Immunologie eine einjährige Assistenzarztstelle mit Anerkennung für den Facharzt FMH Allergologie/Klinische Immunologie sowie eine Rotationsstelle (50%) zur Erlangung des FAMH Titels in Labormedizin zur Verfügung. Zur Unterstützung der Forschungsaktivität bietet die Klinische Immunologie folgende wöchentlichen Kolloquien: (1) Journal Club (Montag 09.00 bis 10.00 Uhr) und (2) Progress Report (Dienstag 08.30 bis 10.00 Uhr). Zudem partizipieren die Forschungsassistenten und Doktoranden an der wöchentlichen Seminarreihe «Aktuelle Probleme der Immunologie und Virologie» (Dienstag 12.15 bis 13.15 Uhr) der Professoren R. Zinkernagel, H. Hengartner und K. Mölling.
PD Dr. Urs Schanz und Prof. Adriano Fontana haben 2004 zwei von der Firma ZLB Bioplasma AG unterstützte Seminare organisiert: 15.01.04
Öffentlichkeitsarbeit
Prof. Adriano Fontana wirkt in den folgenden Gremien:
Prof. Adriano Fontana ist zudem Beirat in folgenden Stiftungen zur Forschungsförderung:
Dr. Rolf W. Dubs wirkt in folgenden Gremien:
Dr. Helen Joller wirkt in folgenden Gremien:
Dr. Thomas Hauser wirkt in folgenden Gremien:
Mitarbeiter der Abteilung Klinische Immunologie haben auf Einladung an nationalen und internationalen Kongressen und Fortbildungsveranstaltungen teilgenommen. Hervorzuheben ist: Prof. Adriano Fontana hielt Vorträge am Schweizerischen Multiple Sklerose Symposien in Zürich, am 7. Internationalen Kongress für Neuroimmunologie in Venedig, am Interdisziplinären Forschungssymposium zur Labordiagnostik gastroenterologischer Erkrankungen in Zürich und hielt Seminare im Klinikum Grosshadern in München, an der Universitätsklinik in Münster und in Hamburg. Dr. Rolf W. Dubs hat am Jahreskongress der Schweiz. Gesellschaft für Allergologie und Immunologie teilgenommen. Dr. Helen Joller hielt Vorträge am Kurs der Rettungsschule der Sanität Zürich in «Grundlage Immunologie und Hepatitis/HIV-Infektion», Kurs in Prä-Analytik für FAMH Absolventen am USZ sowie Ärzteweiterbildung in «Diagnostik der Autoimmunerkrankungen» am Kantonsspital Winterthur. Dr. Tobias Suter hielt einen Symposiums-Vortrag am 7. Internationalen Kongress für Neuroimmunologie in Venedig. Dr. Thomas Hauser hielt einen Vortrag am Jahrestreffen der französischen Vaskulitis Studiengruppe (Groupe Français pour lEtude des Vascularites, GFEV). Gutachtertätigkeit von Prof. Adriano Fontana.
Die neu geschaffene Oberarzt-Stelle konnte durch Dr. Thomas Hauser, FMH Klinische Immunologie und Allergologie, besetzt werden.
Vom Schweizerischen Nationalfonds SNF, Abteilung III, wird das Projekt Intrazerebrale Kommunikation zwischen Immunsystem und Nervensystem (Projekt 3100-061136/2) durch Übernahme des Salärs von einer Assistentenstelle, zwei PhD-Doktorandenstellen und eine Tierpflegerteilzeitstelle gefördert. Forschungsprojekte der neuroimmunologischen Forschungsgruppe der Abteilung Klinische Immunologie sind integriert im nationalen Forschungsschwerpunkt Neural plasticity and repair des Swiss National Centers of Competence in Research in Neuroscience/NCCR Neuro der Universität Zürich. Prof. A. Fontana koordiniert das Projekt 6 des NCCR Neuro, in welchem folgende Forschungsgruppen integriert sind: Prof. A. Aguzzi, Neuropathologie, Prof. P. Meier-Abt, Abteilung für klinische Pharmakologie und Toxikologie, Prof. K. Frei, Neurochirurgie, Prof. A. Fontana, Klinische Immunologie, Universitätsspital Zürich sowie Prof. W. Reith, Universität Genf und PD Dr. D. Leppert, Neurologie, Universitätsspital Basel. Das NCCR Neuro übernimmt das Salär einer Assistentinnenstelle der Forschungsgruppe von Prof. A. Fontana sowie für alle anderen hier aufgeführten Forschungsgruppen weitere vier Akademikerstellen (drei PhD Doktoranden und eine Postdoktorandenstelle) sowie Sachmittel. Insgesamt gelang es, für unsere Forschungsprojekte über Drittmittel folgende Stellen zu finanzieren:
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