Institut für Klinische Pathologie
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Prof. Dr. med. Holger Moch Institutsdirektor |
Das Institut für Klinische Pathologie ist verantwortlich für die gesamte Breite der morphologischen Diagnostik, sowie für Aus-, Weiter- und Fortbildung auf dem Gebiet der Pathologie. Ein Schwerpunkt des Instituts ist die klinisch orientierte Forschung mittels molekularer Methoden.
Das Institut für Klinische Pathologie besteht aus den Abteilungen Biopsie/Autopsie, Zytologie, Paedopathologie sowie Molekularpathologie (Diagnostik/Forschung).
Das gemeinsam mit dem Institut für Sozial- und Präventivmedizin geführte Krebsregister mit der Abteilung molekulare Epidemiologie übt eine wichtige Funktion bei der Tumordokumentation und Inzidenzerfassung von Krebserkrankungen aus.
Im Jahr 2004 kam es zu einem Wechsel in der Institutsleitung. Nach der Emeritierung von Herrn Prof. Dr. Philipp U. Heitz wurde Prof. Dr. Holger Moch neuer Institutsvorsteher. Die Ziele des Instituts sind weiterhin eine hochspezialisierte Diagnostik auf universitärem Niveau, welche die Zentrumsfunktion des Instituts für Klinische Pathologie erweitert. Daneben sollen hohe Leistungen in der klinischen Forschung und Lehre angestrebt werden.
Dienstleistungen
Die Anzahl histologischer Untersuchungen stieg im letzten Jahr weiterhin an. Durch Zentralisierung der Laborabläufe wurde versucht, die Effektivität bei der Bearbeitung der Proben zu erhöhen und die Befundübermittlung an die Einsender zu beschleunigen. Die Umstrukturierung der Laborabläufe ermöglicht jetzt z.B. eine Befundübermittlung von Diagnosen an Mammastanzbiopsien innerhalb eines Tages. Parallel zum Anstieg der diagnostischen Untersuchungen wurde das im Jahr 2003 eingeführte Informatik-System «PathoPro» an die erhöhten Anforderungen angepasst (Auftragserteilung für Spezialuntersuchungen, Steuerung von Laborapparaten, Verwendung von Barcodes zur Probenidentifikation) und das neue Abrechungssystem TarMed eingeführt. Diese Einführung erfolgte nahezu reibungslos.
Auch in der Zytologie werden neue molekulare Untersuchungen für diagnostische Fragestellungen eingesetzt. Mit Hilfe von Fluoreszenz-in situ-Hybridisierung und Mikrosatelliten-Analysen können fragliche Befunde der Urinzytologie genauer abgeklärt werden. Der Nachweis von Translokationen mittels Fluoreszenz-in situ-Hybridisierung bzw. molekularpathologischen Techniken ermöglicht eine zunehmend sicherere Diagnose hämatologischer Erkrankungen.
Leider hat sich auch 2004 der gesamtschweizerische Trend der abnehmenden Autopsiezahlen durchgesetzt. Im Unterschied zu anderen Spitälern ist dies im Universitätsspital jedoch allein durch die geringere Anzahl Todesfälle im Jahre 2004 bedingt. Die Zahl der verweigerten Autopsien ist im Berichtsjahr erfreulicherweise nicht weiter angestiegen, sondern hat sich auf dem hohen Niveau von ca. 60% eingependelt hat. Wir hoffen, dass es uns gelingen wird, auch nach der Einführung des neuen Patientengesetzes, das ab 1.1.2005 die Umstellung von der Widerspruchs- zur Zustimmungslösung bringen wird, die Autopsiezahlen mindestens zu halten und die Kliniker weiterhin von der Bedeutung der Autopsie für die Qualitätssicherung überzeugen zu können. Trotz der gesunkenen Autopsiezahl hat die Arbeit auf der Autopsieabteilung nicht abgenommen. Die mit der ständig umfassender werdenden klinischen Diagnostik und Therapie zusammenhängenden Fragestellungen sowie komplexe Operationstechniken, beispielsweise im Bereich Herz-Gefäss-Chirurgie, machen immer aufwändigere Präparationen notwendig und erfordern auch vermehrt den Einsatz moderner, z.B. molekularbiologischer Untersuchungsmethoden. Die bewährte Zusammenarbeit mit den Kliniken sowohl im klinischen als auch im wissenschaftlichen Bereich wurde fortgesetzt.
Im Rahmen klinisch-pathologischer Konferenzen werden die Autopsiebefunde detailliert besprochen und auch wissenschaftlich ausgewertet. Damit erfüllt die Autopsie weiterhin eine wichtige Funktion im Rahmen der Qualitätssicherung am UniversitätsSpital Zürich.
Forschung
Das Institut für Klinische Pathologie hat folgende Forschungsschwerpunkte definiert: Klinische Krebsforschung, Tumor- und Entwicklungsbiologie, Immunpathologie/Translationelle Forschung und Molekulare Epidemiologie. Für die Krebsforschung und Translationelle Forschung bedeutsam war die Etablierung eines Labors für die Entwicklung der Gewebechip-Technologie. Die Gewebechip-Technologie ermöglicht die gleichzeitige Untersuchung hunderter Patientenproben. Damit können neue prädiktive und prognostische Parameter auf eine klinische Relevanz getestet werden. Durch den Aufbau des Labors für die Gewebechip-Technologie wird die interdisziplinäre Zusammenarbeit gefördert. Es bestehen bereits diverse Kollaborationsprojekte, z.B. mit der Klinik für Dermatologie, der Klinik für Onkologie, sowie dem Institut für Neurobiologie.
Im Forschungsschwerpunkt Tumor- und Entwicklungsbiologie sind die Arbeitsgruppen von PD Dr. Silvia Marino sowie von Prof. Dr. Dieter Zimmermann federführend. Hervorzuheben ist die Publikation von Frau PD Dr. Marino in «Nature». In dieser Arbeit konnte Bmi-1 identifiziert und grundlegende Erkenntnisse zur Entwicklung von Medulloblastomen aufgedeckt werden. Es wurde gezeigt, dass Bmi-1 eine wichtige Rolle während der Kleinhirnentwicklung spielt, indem es das Wachstum der Vorläuferzellen der äusseren Körnerschicht fördert. Man vermutet, dass Medulloblastome, bösartige kindliche Hirntumore, durch eine unkontrollierte Proliferation solcher Vorläuferzellen verursacht werden können. In der Tat haben wir gezeigt, dass Bmi1 in der Mehrzahl der menschlichen Medulloblastome überexprimiert wird und daher eine wichtige Rolle bei deren Pathogenese spielen könnte.
Insgesamt wurden vom Institut für Klinische Pathologie zwei Dissertationen betreut. Forschungsprojekte wurden durch verschiedene Stiftungen unterstützt, z.B. durch den Schweizerischen Nationalfonds, die Stiftung Julius Müller, die Stiftung Lydia Hochstrasser und andere. Insgesamt standen Drittmittel in Höhe von rund CHF 2 Mio. zur Verfügung.
Im Berichtszeitraum folgten die Habilitationen von PD Dr. Silvia Marino mit dem Thema «Development and Tumorigenesis of the Cerebellum: Closely Related Processes» und von PD Dr. Nicole Probst-Hensch mit dem Thema «When Public Health Goes Molecular: Biomarkers in Cancer Epidemiology».
Auf diesen Gebieten wurden zahlreiche Publikationen und Buchkapitel veröffentlicht (siehe Anhang). Gleichfalls erfolgten Publikationen in Zusammenarbeit mit verschiedenen Kliniken im Rahmen von Kollaborationen.
Aus-, Weiter- und Fortbildung
Am Institut für Klinische Pathologie finden zahlreiche Weiter- und Fortbildungsveranstaltungen statt. Dies beinhaltet die täglichen Konsensuskonferenzen mit thematischer Weiterbildung für FMH-Kandidaten. Zusätzlich wird ein wöchentlicher Journal Club angeboten. Weiterhin wurden zahlreiche auswärtige Gäste für das Montagskolloquium eingeladen (vgl. gesonderte Übersicht). Das Institut für Klinische Pathologie beteiligt sich aktiv an den Departements-Seminaren.
Insgesamt werden von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Institutes für Klinische Pathologie monatlich 19 klinisch-pathologische Konferenzen in verschiedenen Kliniken des USZ gestaltet.
Das Institut für Klinische Pathologie trägt innerhalb des Departements die Hauptlast bei der Studentenausbildung. Grossen Anklang finden dabei weiterhin die thematischen Makroskopie-Kurse sowie die thematisch neu ausgerichteten Vorlesungen für das 6. Studienjahr. Zunehmend werden auch e-Learning-Projekte für die Studentenausbildung herangezogen. Bewährt hat sich dabei der virtuelle Histo-Pathologie-Kurs der von Norbert Wey gemeinsam mit Frau und Herr Dr. Glatz (Basel) gestaltet wurde.
Kongresse und Symposien
Im Februar fand ein Symposium zur Emeritierung von Herrn Prof. Dr. Philipp U. Heitz am Departement Pathologie statt. Dabei wurden zahlreiche in- und ausländische Referenten eingeladen.
Dr. Ariana Gaspert gestaltete das Schnittseminar über «Interstitielle Lungenerkrankung» der Schweizer IAP-Sektion.
Preise und Auszeichnungen
PD Dr. Wolfram Jochum erhielt den Rudolf Virchow-Preis 2004 der Deutschen Gesellschaft für Pathologie für die Arbeit «Rhabdomyosarcoma development in mice lacking Trp53 and Fos: Tumor suppression by the Fos protooncogene». In dieser Arbeit wird gezeigt, dass die gleichzeitige genetische Inaktivierung des Tumorsuppressorgens p53 und des Transkriptionsfaktors Fos in transgenen Mäusen zur Entstehung von Rhabdomyosarkomen, einem vor allem im Kindesalter auftretenden bösartigen Weichgewebstumor, führt. Sie illustriert, dass das Fos-Protein sowohl tumorauslösende als auch tumorunterdrückende Eigenschaften hat, und deutet darauf hin, dass ein Gen nur in Abhängigkeit vom zellulären Kontext als Onkogen oder Tumorsuppressorgen klassifiziert werden sollte. Der Rudolf Virchow-Preis ist der höchste Wissenschaftspreis der deutschsprachigen Gesellschaft für Pathologie.
Des weiteren erhielt Frau Charly Leung den G. Gabbiani-Prize der Schweizerischen Gesellschaft für Pathologie für die Arbeit «The Role of BMI-1 in Medulloblastoma Pathogenesis and Cerebellar Development».
Herr Oliver Senn erhielt den European a1 Antitrypsine Laureals Training Award der Bayer Healthcare für die Arbeit «Association between Plasma a1-Antitrypsine Concentration and 11 year course of Lung Function among Adult Smokers in the Sapaldia Cohort».
Frau Schilpee Dutt-Raghav erhielt eine Auszeichnung für einen herausragenden Vortrag junger Wissenschaftler am Jahrestreffen des ZKF Zürich.
Publikationen