Die Mischung aus technischer Komplexität und Nähe zu den Patientinnen und Patienten macht für Sebastian den Reiz der Anästhesiepflege aus.
Was fasziniert dich an der Anästhesiepflege?
Sie ist sehr technisch. Wir arbeiten mit komplexen Geräten und führen viele manuelle Handlungen durch, zum Beispiel das Intubieren. Wir sind andererseits sehr nah an den Patientinnen und Patienten in einer prekären Phase. Sie sehen uns als Letztes, bevor sie einschlafen, und als Erstes, wenn sie nach dem Eingriff wieder aufwachen. Wir sind stets in ihrer Nähe. Es gibt während der Anästhesie Phasen der Ruhe. Diese «Langeweile» wird immer wieder durchbrochen durch hohen Stress. Dieser Wechsel macht für mich bis heute den Reiz dieses Berufsbildes aus.
Du wolltest ursprünglich Medizin studieren.
Ja. Das hat aber nicht geklappt. Heute bin ich froh, in der Pflege tätig zu sein. In Sachen Führung beispielweise sind wir den Ärzten um einiges voraus. Flache Hierarchien, Transparenz und klare Kommunikation werden in der Pflege schon seit Jahrzehnten gelebt. In der Anästhesiepflege ist die Zusammenarbeit mit den Ärztinnen und Ärzten in der Regel sehr gut und eng. Wir sind wie Pilot und Co-Pilot: Beide können starten, landen und in der Luft bleiben. Wir sind stets auf einander angewiesen.
Was hat dich dazu motiviert eine Führungsrolle zu übernehmen?
Als Führungsperson kann ich Dinge verändern, an betrieblichen Zielen arbeiten und in interprofessionellen Sitzungen meine Stimme erheben für unseren Beruf. Ich möchte dafür sorgen, dass meine Mitarbeitenden motiviert bleiben. Ihnen im Alltag helfen und sie fördern. Dabei habe ich ein besonderes Auge auf ihre mentale Gesundheit.
Warum bist du auf mentale Gesundheit sensibilisiert?
Ich habe Mitarbeitende durch ihr Burnout begleitet. Dadurch erkenne ich mittlerweile Anzeichen einer Erschöpfung und spreche sie an. Wir tragen eine hohe Verantwortung in unserem Beruf. Dazu kommt der Druck, immer mehr zu leisten, effizienter zu arbeiten und den monetären Gewinn zu erhöhen. Diese Belastung kann auslaugen. Darum spreche ich mich offen für Abgrenzung und mentale Fitness aus, unter anderem in einem Podcast.
Welche Themen beschäftigen dich als Führungsperson noch?
Die neuen Generationen fordern mehr Feedback ein und haben ein anderes Bewusstsein für Work Life Balance / Work Life Blending. Mit flexiblen Lösungen möchten mein Team und ich ihnen so weit wie möglich entgegenkommen. Wir bieten Pensen von 10 bis 100% an, nehmen bei der Dienstplanung grosse Rücksicht auf individuelle Präferenzen, arbeiten mit Jahresarbeitszeit und gewähren unbezahlten Urlaub. Auch Re-Integration, zum Beispiel nach der Elternzeit, ist ein wichtiges Thema. So trage ich dazu bei, New Work-Ansätze auch in der Pflege zu etablieren.
Und wie sorgst du für deine eigene Work Life Balance?
Während des Bachelors in Pflegemanagement habe ich gelernt, zu priorisieren, mich abzugrenzen und fixe Ruhezeiten einzuplanen. Die Natur erdet mich und ich umgebe mich gerne mit mir lieben Menschen. Ich verbringe möglichst viel Zeit mit meiner Frau und den zwei Kindern. Ich treibe regelmässig Outdoor-Sport oder wandere. Ich laufe, fahre Ski und Mountainbike. Zudem versuche ich pro Monat ein Buch zu lesen.