Wenn sich Anzeichen von Frühgeburtsbestrebungen wie Kontraktionen, Blutung oder Blasensprung zeigen, ist es wichtig, schnell zu handeln. Informieren Sie sofort Ihre behandelnde Ärztin, Ihren Arzt oder Ihre Hebamme oder melden sie sich direkt bei uns im Gebärsaal unter +41 44 55 53 15. Diese können eine Einschätzung der Situation vornehmen und weitere Schritte empfehlen.
Frühgeburt hinauszögern – jeder Tag zählt
Wenn sich Anzeichen einer Frühgeburt zeigen, ist unser Ziel, die Schwangerschaft möglichst lange zu erhalten. Denn jeder Tag im Mutterleib fördert die Entwicklung des Babys. Unser erfahrenes Team setzt dabei auf individuell abgestimmte Massnahmen:
- Ruhe und Schonung: Manchmal hilft es bereits, sich zu schonen und Stress zu minimieren. In manchen Fällen ist jedoch auch ein stationärer Aufenthalt mit engmaschiger Überwachung nötig
- Medikamentöse Therapie: Mit sogenannten Tokolytika (Wehenhemmern) können Wehen gehemmt und so wertvolle Zeit gewonnen werden.
- Cerclage: Bei einer Verkürzung des Gebärmutterhalses kann bis zu 23 SSW eine Cerclage (Muttermundsverschluss) gelegt werden, um die Schwangerschaft zu stabilisieren.
Wehenhemmer verzögern die Geburt meist nur um wenige Tage – doch diese Zeit nutzen wir gezielt, um Ihr Baby bestmöglich auf die Welt vorzubereiten:
- Lungenreifungsinduktion: Sie erhalten zwei Dosen Kortison intravenös (antenatale Steroidgabe). Dies fördert die Lungenreife Ihres Babys und senkt das Risiko schwerer Komplikationen beim Kind.
- Antibiotika: Bei Infektionsrisiko schützen wir Mutter und Kind durch eine gezielte Antibiotikatherapie.
Einleitung oder Zulassen der Frühgeburt – individuell entschieden
Manchmal ist es medizinisch notwendig, die Geburt einzuleiten oder zuzulassen. Die Geburt kann auf natürlichem Weg oder per Kaiserschnitt erfolgen, abhängig von der medizinischen Situation. Bei Komplikationen oder Notfällen kann ein Kaiserschnitt innerhalb kürzester Zeit durchgeführt werden. Unsere Spezialistinnen und Spezialisten wägen gemeinsam mit Ihnen alle Optionen ab und begleiten Sie sicher durch die Geburt.
Früher Einbezug der Neonatologie
Bei drohender Frühgeburt werden die Spezialistinnen und Spezialisten der Neonatologie frühzeitig eingebunden. Dies ermöglicht eine gezielte Vorbereitung von Mutter und Kind auf die Frühgeburt und eine nahtlose Versorgung direkt nach der Geburt. Die werdenden Eltern werden ausserdem bestmöglich auf die Frühgeburt und deren Konsequenzen vorbereitet. Auf Wunsch können sie die Neugeborenenstation vorab besichtigen, um sich mit der Situation vertraut zu machen.
Nachsorge und Nähe – Ihr Frühchen in besten Händen
Direkt nach der Geburt übernimmt das Neonatologie-Team die medizinische Erstversorgung des Frühgeborenen. Frühgeborene benötigen oft Unterstützung bei Atmung, Temperaturregulation und Ernährung. In unserer hochmodernen Neonatologie wird das Frühgeborene – falls nötig – in einen Inkubator gelegt, wo es auch Atemunterstützung und künstliche Ernährung erhalten kann. Da die Neonatologie direkt an die Wochenbettstation angrenzt, können Sie Ihr Baby jederzeit besuchen und begleiten. So früh wie möglich beziehen wir Sie als Eltern auch mit in die Pflege Ihres Frühchens ein. Dies fördert die Bindung und unterstützt die Entwicklung des Kindes.
Für Frühgeborene ab 34+0 SSW bieten wir unter bestimmten Voraussetzungen auch eine gemeinsame Betreuung im Wochenbett an. Unser Team aus Pflege, Ärzteschaft, Stillberatung und Psychologie unterstützt Sie umfassend in dieser besonderen Lebensphase.
Eines der führenden Perinatalzentren der Schweiz
Im Jahr 2023 wurden im USZ 170 Kinder mit einem Geburtsgewicht unter 1500 g lebend geboren, darunter 75 Kinder mit einem Schwangerschaftsalter unter 28 Wochen. Damit gehört das USZ zu den grössten Perinatalzentren der Schweiz und verfügt über grosse Erfahrung in der Versorgung auch extrem kleiner Frühgeborener.