Arbeiten am USZ

«Hier kann ich nicht nur arbeiten – hier kann ich wachsen.»

Durch ihre Patientinnen und Patienten hat Sara gelernt, die wirklich wichtigen Dinge im Leben zu erkennen. Es berührt sie jedes Mal aufs Neue, ihre Patientinnen und Patienten in Momenten der Hoffnung und symbolischer Neugeburt zu begleiten.

Wie bist du zur Stammzell- und Immuntherapie gekommen?

Ich bin als diplomierte Pflegefachfrau aus Österreich in die Schweiz gekommen und wollte eigentlich auf der Notfallstation arbeiten. Durch Zufall bin ich auf die Stammzell- und Immunzelltransplantation gestossen. Nach einem Schnuppertag auf der Abteilung wusste ich: Hier kann ich nicht nur arbeiten – hier kann ich wachsen. Heute bin ich Fachexpertin in diesem hochspezialisierten Bereich und habe meinen Master in Pflege mit Schwerpunkt Forschung an der ZHAW abgeschlossen.

Was fasziniert dich an deiner Rolle?

Als Fachexpertin darf ich mein Wissen weitergeben und aktiv an der Weiterentwicklung von Pflege und Praxis mitwirken. Die Medizin in unserem Bereich entwickelt sich rasant weiter. Gleichzeitig ist es die Nähe zu den Patientinnen und Patienten, die meine Arbeit so besonders macht. Rückblickend war es kein Zufall, sondern ein Geschenk, dass ich hier gelandet bin. Diese Arbeit hat mich zu der Pflegefachperson gemacht, die ich heute bin. Und zu einem reflektierteren, bewussteren und offeneren Menschen.

Warum?

Der Mut und der Lebenswille meiner Patientinnen und Patienten haben mich tief geprägt. Ihre Mischung aus Zerbrechlichkeit und Lebenslust erinnert mich daran, was im Leben wirklich zählt: echte Begegnungen, Zuhören, Mitfühlen – und die Kraft der Hoffnung. Mich berühren vor allem die kleinen, stillen Momente, in denen man spürt, wie viel Stärke in jedem Menschen steckt. Sie sind oft leise, fast unsichtbar, aber tief und ehrlich.

Zum Beispiel?

Wenn eine Patientin nach einer anstrengenden Therapieeinheit trotzdem lächelt. Oder wenn die kleinen, feinen Härchen am Kopf wieder nachwachsen und wir uns alle darüber freuen. Besonders emotional ist der Moment der Stammzelltransplantation. Diesen feiern wir oft als zweiten Geburtstag. Einem Patienten durfte ich danach den Bart abrasieren, den er sich über sieben Jahre hatte wachsen lassen. Das war ein symbolischer Neuanfang. Solche Augenblicke gehen unter die Haut und wirken lange nach.

Was wünscht du dir für deine Patientinnen und Patienten?

Dass wir als Gesellschaft mehr über Krebs lernen. Dank moderner Therapien ist Krebs heute längst nicht mehr das unweigerliche Todesurteil, das viele noch im Kopf haben. Krebspatientinnen und -patienten kämpfen nicht nur gegen die Krankheit selbst, sondern oft auch gegen Vorurteile und Missverständnisse. Sie suchen kein Mitleid, sondern Anerkennung für ihren Alltag, der von vielen Belastungen, Unsicherheiten und Einschränkungen geprägt ist. Ebenso dürfen wir die Angehörigen nicht vergessen, die oft still und unsichtbar mitkämpfen und mitunter sogar mehr belastet sind als die Patientinnen und Patienten selbst. Auch ihnen gebührt unsere Anerkennung, Unterstützung und Dankbarkeit.

Sara Ubovic

Fachexpertin Pflege