Evdokia setzt sich mit Leidenschaft für Patient:innen ein, die oft stigmatisiert werden. Die psychosomatische Medizin unterstützt sie dabei. Auch bei Patient:innen mit schwer einzustellenden Bewegungsstörungen setzt sie sich mit Präzision, Geduld und fachlicher Expertise für eine optimale Therapie ein.
Warum hast du dich für die Neurologie als Fachgebiet entschieden?
Meine Entscheidung für die Neurologie traf ich schnell und mit grosser Überzeugung. Aus meiner Sicht vereint Neurologie Biologie, Mathematik, Physik und Psychologie. In der Neurologie macht alles plötzlich mehr Sinn und bleibt dennoch komplex und teilweise nicht ganz erforscht. Jeder Patient bringt eine ganz eigene Welt mit sich. Der Umgang mit den Patient:innen erfordert oft Intuition, Sensibilität und Kreativität – Eigenschaften, die ich fast als künstlerisch bezeichnen würde. Genau diese Mischung hält meine Neugierde lebendig.
Du hast dich auf Bewegungsstörungen spezialisiert und forscht u.a. zu Parkinson. Was fasziniert dich daran?
Die Medizin wird immer digitaler. Bei Bewegungsstörungen bleibt die klinische Untersuchung jedoch der entscheidende und spannendste Teil für die Diagnose und Therapie. Mich begeistert die Vielfalt der therapeutischen Möglichkeiten, insbesondere die Tiefenhirnstimulation. Das Einstellen der verschiedenen Stimulationsparameter erfordert Expertise, Geduld, Präzision und immer wieder auch ein wenig Kreativität.
Du hast eine neue Sprechstunde für funktionelle neurologische Krankheiten gegründet. Warum?
Bei funktionellen neurologischen Störungen haben die Patient:innen Symptome, deren Ursache durch standard-diagnostische Methoden nicht erklärbar sind. Daher wird ihnen oft unterstellt, zu simulieren, oder die Symptome werden pauschal psychischen Ursachen zugeschrieben. So kommt es regelmässig zu verzögerten Diagnosen und inadäquaten Therapien. In unserer neuen Sprechstunde möchte ich diese bislang vernachlässigte und stigmatisierte Patientengruppe ins Licht rücken und interprofessionell behandeln.
Welche Rolle spielt dabei die Psychosomatik?
Eine grosse. Bei den meisten Patient:innen liegt eine psychosomatische Dimension vor, die in der Diagnostik und Behandlung beachtet werden muss. Ärzte und Laien denken oft in einem dualistischen Modell, in dem Körper und Psyche getrennt betrachtet werden. Doch beide wirken auf einander ein. Die Psychosomatische Medizin ist eine verbindende Disziplin, jedoch leider ein untergeordneter Teil der medizinischen Ausbildung. Meine Zusatzausbildung in psychosozialer und psychosomatischer Medizin hat mir dabei geholfen, diesen blinden Fleck zu beleuchten.
Du unterrichtest auch Medizinstudent:innen und betreust Master- und Doktorarbeiten. Was macht dir daran Spass?
Andere für das zu begeistern, was mich selbst fasziniert – das treibt mich an. Beim Unterrichten kann ich ein Fenster zu meiner beruflichen Welt öffnen und meine Leidenschaft für das Fach weitergeben. Ideen und Beobachtungen aus meinem Alltag gemeinsam mit den Studierenden zu vertiefen und daraus Forschungsfragen zu entwickeln, macht mir besonders Spass.
Wie haben dich deine über zehn Jahre am USZ geprägt?
Ich bin mit dem USZ gross geworden. Meine Zeit hier ist geprägt von Momenten grosser Freude und tiefen Mitleids. Meine Arbeit zeigt mir immer wieder, dass das Leben unberechenbar ist. Genau das ist für mich ein Grund, die Gegenwart zu schätzen.