Das Schicksal hat Mayahuel zur Ergotherapie ans USZ geführt – über einen gebrochenen Finger und einen mutigen Entscheid während einer Reise in Südamerika. Heute ist sie auf Palliative Care spezialisiert und hilft Long-Covid-Patient:innen dabei, besser mit ihrer Erschöpfung umzugehen.
Wie bist du zur Ergotherapie gekommen?
Das war fast schon schicksalshaft. Nach der Mittelschule habe ein Zwischenjahr gemacht, um über meine Berufswahl nachzudenken – und mir den Finger gebrochen. Also musste ich zur Ergotherapie. Die Therapeutin hat mich nach meinem Berufswunsch gefragt und angeboten, bei ihr zu schnuppern. Seither bin ich in dem Bereich tätig und noch immer voll begeistert.
Und was hat dich ans USZ geführt?
Auch das ist eine lustige Geschichte. Ich hatte eigentlich schon eine Zusage an einem anderen Ort und war auf Reisen. Eine Studienkollegin kontaktierte mich dann mit der Nachricht, dass auf der inneren Medizin am USZ eine Stelle frei würde. Eigentlich wollte ich nach der Reise zurück in meine Heimatstadt St.Gallen. Die Stelle am USZ liess mich aber nicht mehr los. Ich habe mich beworben, von Südamerika aus ein Bewerbungsgespräch geführt und die andere Stelle kurzerhand abgesagt – obwohl ich noch keinen Vertrag am USZ hatte. Ich habe gepokert und die Stelle nach meiner Rückkehr bekommen. Inzwischen bin ich fast neun Jahre am USZ.
Was machst du an einem typischen Tag als Ergotherapeutin in einem Akutspital?
Die Aufgaben sind sehr breit. Ich arbeite mit Patient:innen verschiedenster Krankheitsbilder zusammen. Ich mache kognitive Assessments, kläre ab, wie selbständig sie im Alltag sein können und unterstütze sie dabei, mit ihren Einschränkungen umzugehen. Dabei geht es nicht immer darum, ihre Leistung zu erhöhen.
Sondern?
Ergotherapie bedeutet nicht nur Rehabilitation. Bei palliativen Patient:innen ist es auch eine Erfolgsgeschichte, wenn sie auf ihrem letzten Lebensabschnitt gut begleiten werden und ihre Lebensqualität und Selbständigkeit trotz ihrer Einschränkungen erhalten können. Im palliativen Setting arbeite ich oft mit Entspannungs- und Achtsamkeitsübungen. Auch andere Patient:innen profitieren von diesen Methoden, die ich als ausgebildete Yogalehrerin mit ihnen übe. Es gibt immer mehr Verständnis dafür, dass auch diese Art von Training wertvoll ist.
Auch Long Covid-Patient:innen profitieren davon.
Richtig. Dabei ist die Achtsamkeit ein Tool des Energie-Managements. In Gruppentherapien helfe ich ihnen dabei, ihre Eigenwahrnehmung zu schärfen, Warnsignale zu erkennen und stärkende Pause zu machen. Gesellschaftlich ist noch viel Unwissen da in Bezug auf diese Krankheit. Sie betrifft den ganzen Körper, ist aber unsichtbar. Darum haben diese Patient:innen oft mit Vorurteilen zu kämpfen . Ich agiere dann auch mal als Case Managerin bei ihrem Arbeitgeber oder ihrer Versicherung.
Du bist das Aushängeschild der Ergotherapie in der Palliative Care.
Ich mache einen Master zu Palliative Care und gebe meine Erfahrungen auch als Dozentin weiter. Ich empfinde es als Privileg, schwer kranke Menschen so nahe zu begleiten. Ich habe Einblick in einen Bereich des Lebens, den man sonst nicht hat. Diese Arbeit ist sehr menschlich, sehr schön. Und ich bekomme viel Wertschätzung dafür, vom interdisziplinären Team und den Patient:innen.