Dank HPV-Impfung und Vorsorgeuntersuchungen erkranken weniger Frauen an Gebärmutterhalskrebs. Wird die Krankheit früh diagnostiziert, lässt sie sich zudem gut behandeln. Das gute Zusammenspiel von Niedergelassenen und Universitätsspital Zürich ist dabei der Schlüssel zur erfolgreichen Behandlung, erklärt Eleftherios Pierre Samartzis, Koordinator des gyn. Krebszentrums und Oberarzt an der Klinik für Gynäkologie.
Wie häufig ist Gebärmutterhalskrebs?
In der Schweiz treten pro Jahr rund 250 Krebsfälle auf. Gleichzeitig wird bei rund 5000 Frauen eine Vorstufe entdeckt. Die Zahlen sind erfreulicherweise rückläufig – dank Vorsorgeuntersuchungen und der HPV-Impfung. HPV-Viren sind der häufigste Auslöser von Gebärmutterhalskrebs. In Kohorten mit hoher Impfquote sehen wir deutlich weniger Hochrisiko-HPV-Infektionen, bis zu 70 Prozent weniger Krebsvorstufen und seltener invasive Karzinome. Die Kombination von Impfung – auch der Knaben – und Screening ist der Schlüssel dazu, das WHO-Ziel zu erreichen, Gebärmutterhalskrebs zu eliminieren. Das Screening bleibt wichtig, weil die Impfung gegen die neun häufigsten, aber nicht gegen alle HPV-Typen schützt.
Wie sieht das Screening aus?
Wir haben in der Schweiz kein organisiertes, sondern ein opportunistisches Screening. Das führt zu Teilnahmelücken, vor allem von jungen Frauen und sozial benachteiligten Gruppen. Wichtig ist, alle Patientinnen – unabhängig vom Impfstatus – regelmässig zu screenen. Gemäss den Empfehlungen soll dies im Alter von 21 bis 70 Jahren alle drei Jahre geschehen. Bis zum Alter von 29 Jahren als zytologisches Screening mit dem PAP-Test, ab 30 Jahren als zytologisches oder primäres HPV-Screening. Bei einem auffälligen Befund schliesst sich dem eine Kolposkopie mit Biopsie und allenfalls eine Konisation zur Diagnosesicherung und Therapie von Krebsvorstufen an. Ist eine Krebsdiagnose gesichert, erfolgt die Staging-Bildgebung, etwa mittels MRI und PET/CT.
Wie sieht die Arbeitsteilung zwischen Niedergelassenen und einem Spital wie dem USZ aus?
Die Primärdiagnostik und Behandlung von Krebsvorstufen erfolgt in der Regel bei Niedergelassenen. Eine Überweisung ist sinnvoll bei hochgradigem Verdacht oder einem bestätigten Karzinom, bei ausgedehnten Krebsvorstufen sowie bei unklaren Befunden und Rezidiven. Auch wenn eine fertilitätserhaltende Behandlung gewünscht oder eine multidisziplinäre Therapie wie eine Radiochemotherapie nötig wird, geschieht dies sinnvollerweise an einem Zentrum wie dem gynäkologischen Tumorzentrum am USZ.
Wie gut funktioniert die Zusammenarbeit zwischen Niedergelassenen und USZ?
Die Kooperation ist gut etabliert. Digitale Befunde erleichtern die Kommunikation und die Niedergelassenen sind in die Tumorboards und Nachsorgepläne nach einer Behandlung eingebunden. Die Nachsorge findet – je nach Risiko, Erhaltungstherapie und Präferenz der Zuweisenden – im Wechsel zwischen Niedergelassenen und USZ statt. Empfohlen werden in den ersten drei Jahren vierteljährliche, anschliessend halbjährliche und nach 5 Jahren jährliche Kontrollen. Die Intervalle können je nach Risiko davon abweichen.
Wie sieht die Behandlung des Gebärmutterhalskrebses aus?
Die wichtigsten Behandlungsarten sind die Operation, Chemotherapie und/oder Strahlentherapie. Krebsvorstufen werden mit Zervix-Konisation behandelt. Bei Krebs in einem frühen Stadium kommt die Hysterektomie beziehungsweise Trachelektomie zum Einsatz – bei grösseren Tumoren die radikale Hysterektomie. Bei fortgeschrittenen Krebsstadien wird häufig Radiochemotherapie mit anschliessender Brachytherapie angewandt. Zunehmend zum Einsatz kommen zudem ergänzend eine Immuntherapie mit Checkpoint-Inhibitoren. Beim Vorliegen von Metastasen wird häufig eine Kombination von Chemotherapie sowie Antikörper-Therapien eingesetzt. Die Prognose der Behandlung des Gebärmutterhalskrebses ist stadienabhängig. Bei einer frühen Diagnose liegt die Heilungsrate heutzutage bei mehr als 95 Prozent.
Welchen Mehrwert kann das USZ bei der Behandlung von Gebärmutterhalskrebs bieten?
Neben dem interdisziplinären Tumorboard ist zu erwähnen, dass unsere Patientinnen bei der Therapie durch Cancer Care Nurses begleitet werden. Ausserdem umfasst unser Angebot Psychoonkologie sowie Ernährung- und Bewegungstherapie. Was die Behandlungsmethoden anbelangt, bieten wir mit Roboterchirurgie und einem fest etablierten Sentinel-Lymphknoten-Mapping innovative Ansätze, welche die Morbidität zu reduzieren vermögen. Auch bei der MRI/CT-gesteuerten Brachytherapie besitzen wir international anerkannte Expertise. Zudem bietet das USZ Immuntherapie an und die Möglichkeit, an klinischen Studien teilzunehmen.
Was wird wohl die Zukunft bringen beim Thema Gebärmutterhalskrebs?
Künstliche Intelligenz wird sicher neue Durchbrüche bei der Diagnostik bringen. Bei der Behandlung rechne ich mit Fortschritten etwa beim Fertilitätserhalt und beim Einsatz neuer medikamentöser Therapien wie Antibody-Drug-Conjugates, insbesondere bei Rezidiven.
Abschliessend möchte ich daran erinnern, dass bei allen medizinischen und technologischen Fortschritten Gebärmutterhalskrebs weltweit hauptsächlich in Ländern mit schlechter medizinischer Versorgung auftritt. Dort kann mit Prävention wie Aufklärung, HPV-Impfung und regelmässiger Vorsorge noch viel erreicht werden. Das Ziel der WHO, das Gebärmutterhalskrebs zu eliminieren, ist hoch angesetzt. Aber wir sollten alles daransetzen, es möglichst bald zu erreichen. Hierzulande etwa, indem die HPV-Impfquote weiter gesteigert wird und wir eine hohe Screening-Abdeckung haben.