Andreas Wicki

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Prof. Dr. Andreas Wicki ist neuer Präsident Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie

Prof. Dr. med. Andreas Wicki übernimmt per sofort die Präsidentschaft der Schweizerischen Gesellschaft für Medizinische Onkologie (SGMO).

Der Leiter des Klinischen Programms am Comprehensive Cancer Center Zürich (CCCZ) und stellvertretender Klinikdirektor der Klinik für Medizinische Onkologie und Hämatologie am USZ, wird mit seiner langjährigen Erfahrung an der Schnittstelle von Klinik, Forschung und Innovation die Weiterentwicklung der onkologischen Versorgung in der Schweiz aktiv mitgestalten.

Im Interview spricht Andreas Wicki über seine Ziele für die SGMO, die Herausforderungen der flächendeckenden Versorgung und die Chancen neuer Technologien für die Krebsmedizin der Zukunft.

Welche Prioritäten setzen Sie für die SGMO in den nächsten 2–3 Jahren, z. B. in den Bereichen Forschung, Versorgung, Weiterbildung?

Die Behandlung von Menschen mit Krebserkrankungen hat in den letzten Jahren erfreulicherweise deutliche Fortschritte gemacht. Neben neuen und wirksameren Medikamenten haben auch neue diagnostische Instrumente und innovative Daten-basierte Ansätze die Bühne betreten. Das stellt neue Anforderungen an die ärztliche Weiterbildung. Unsere Fachgesellschaft hat hier die Aufgabe, die onkologische Weiterbildung, um neue Inhalte zu ergänzen (z.B. Maschinelles Lernen und prädiktive Modelle) und gleichzeitig eine Hilfestellung zu leisten, wie Fachärzte mit der zunehmenden Informationsflut in unserem Fach umgehen können. Da Krebs heute für rund 20% der Patient*innen mit metastasierten Erkrankungen zur chronischen Krankheit wird, müssen wir auch mengenmässig mehr Onkologinnen und Onkologen weiterbilden – dazu braucht es genügend qualifizierte Weiterbildungsstellen in den Kliniken. Auch dafür wollen wir uns einsetzen. Ein weiteres dringendes Thema ist der Zugang zu innovativen Therapien. Die SGMO muss im Rahmen ihrer Möglichkeiten dazu beitragen, dass der Zugang zu Therapien rasch, zielgerichtet und gleichberechtigt erfolgt.

Wie wollen Sie als SGMO-Präsident die onkologische Versorgung und Krebsforschung in der Schweiz weiterentwickeln — insbesondere in Regionen ausserhalb grosser Zentren, Stichwort flächendeckende Versorgung und Innovation?

Es ist mir ein wichtiges Anliegen, dass die Krebsforschung in der klinischen Versorgung ankommt. Wir haben hochkarätige Forschung in der Schweiz, die clevere Lösungen für eine Vielzahl onkologischer Fragestellungen entwickelt. Etwas weniger gut sind wir darin, diese Forschung in klinischen Studien zu evaluieren und zur Anwendung zu bringen. Hier möchten wir zusammen mit unseren Partnerorganisationen, wie dem Swiss Cancer Institute, besser werden. Bei der Versorgung ist es wichtig, dass diese nahe am Patienten erfolgt. Das gilt aber nicht zwingend für Therapieentscheide und hochspezialisierte Interventionen: aufgrund der zunehmenden Komplexität und des wachsenden Ressourcenbedarfs wäre es sinnvoll, diese regional und nach Qualitätskriterien zu organisieren. Die allermeisten onkologischen Behandlungen an sich können aber fachlich und menschlich sehr kompetent in dezentralen Einrichtungen erbracht werden. Dazu wäre es wichtig, dass Tumorzentren in ihrer Umgebung Netzwerkstrukturen bilden, die je nach Sinnhaftigkeit Leistungen zentral oder dezentral erbringen. Damit definieren wir schlussendlich erkrankungsspezifische Patientenpfade, welche die Versorgung verbessern.

Welche Rolle sollten neue Technologien und Daten, z. B. personalisierte Medizin und Künstliche Intelligenz, bei der künftigen Onkologie spielen — und wie sieht hier die SGMO-Strategie aus?

Eine Kernfrage an Onkologinnen und Onkologen ist, wie eine Krebserkrankung am wirksamsten aber auch am schonendsten behandelt werden soll. Wir können heute viel mehr messen und therapieren als vor 15 Jahren. Das führt aber auch dazu, dass immer häufiger die Frage gestellt wird, welche Therapie und welche Abfolge für einen bestimmten Patienten und in der spezifischen Situation am besten ist. Neue technologische Plattformen und AI-gestützte Datenanalysen können uns helfen, hier bessere Antworten zu finden. Während das Generieren biologischer und klinischer Daten heute viel schneller und billiger ist als früher, bleibt die Interpretation eine Herausforderung. Wie mache ich aus einem halben Terabyte Daten eine Therapievorhersage? Hier braucht es einerseits gute Ideen und anderseits eine Unterstützung durch validierte und überprüfbare AI-Modelle. Die Datenmodelle helfen dann dem Arzt und dem Patienten, möglichst gute Entscheidungen zu treffen. Die SGMO sollte diese Entwicklung nicht nur durch eine Anpassung der Weiterbildung unterstützen, sondern auch durch Vorschläge, wie ein förderliches und zielorientiertes regulatorisches Umfeld für diese Aufgabe geschaffen werden kann.