Als Biotechnologin hat Lirui selbst geforscht. Heute bereitet sie mit Hilfe von künstlicher Intelligenz Daten auf für die Forschung am USZ.
Du hast in China Biotechnologie studiert. Wie kamst du in die Schweiz?
Man könnte es Zufall nennen – oder Schicksal. Meine spätere Doktormutter hat an meiner Universität in China einen Vortrag gehalten. Ich war so begeistert von ihr, dass ich sie danach kontaktiert habe, um meinen PhD bei ihr zu machen. Das hat dann tatsächlich geklappt. So kam ich nach Zürich.
Dein Doktorat hast du dann aber abgebrochen.
Ja. Um zu forschen, braucht es sehr grosses Interesse am jeweiligen Thema. Aber mir fehlte der Sinn und dadurch die Motivation. Ausserdem war ich bereits Mutter geworden. Das Doktorat wurde zur Belastung für mich und meine Familie. Daher bin ich ausgestiegen und habe mich für eine Weile auf meine Familie fokussiert.
Wie kamst du dann zu Data Science?
Schon während meines Biologie-Studiums habe ich leidenschaftlich gerne Daten analysiert. Aus Rohdaten Grafiken zu machen, hat mich immer besonders begeistert. An einem Studiengang der ZHAW habe ich dann typische mathematische Modell gelernt, und wie man diese in der Gesundheitsbranche anwendet. Wir haben viel in Gruppen gearbeitet, was mir grossen Spass gemacht hat.
Wie steht es jetzt um die Sinnhaftigkeit in deinem Job?
Jetzt sehe ich den Sinn in meiner Arbeit. Ich bereite Daten auf für die Forschung und arbeite dafür mit künstlicher Intelligenz. Wenn die KI nicht mit hochwertigen Daten trainiert wird, dann wird auch die Lösung nicht gut. Eine gute Datenqualität ist die Basis für aussagekräftige Forschungsergebnisse.
Was tust du konkret?
Basierend auf dem Forschungsauftrag suche ich gemeinsam mit meinem Team aus einer Unmenge von Daten die relevanten heraus. Und anonymisiere sie, damit der Datenschutz der Patienten und Patientinnen gewährleistet ist. Ich bin auf Bilddaten spezialisiert. Auch nach zwei Jahren in diesem Bereich lerne ich noch täglich Neues dazu. Ich habe grossen Spass an meiner Arbeit und fühle mich erfüllt davon.
Wie siehst du die Chancen und Risiken von künstlicher Intelligenz?
Wir müssen uns als Gesellschaft überlegen, wie wir mit dieser Technologie umgehen. Sie kann uns unterstützen, wie in meiner Arbeit. Language Modelle wie ChatGPT, die von der breiten Öffentlichkeit genutzt werden, verbreiten aber auch falsche Informationen. Und bei Bildern kann man von Auge nicht mehr erkennen, was reell ist. Daher sage ich meinen Kindern: «Glaube nicht alles, was du siehst.» Ich bin aber optimistisch, dass wir als Gesellschaft einen Weg finden werden, damit umzugehen.