Vor 25 Jahren wurde am Universitätsspital Zürich Medizingeschichte geschrieben: Das weltweit erste klinische PET/CT-System wurde in Betrieb genommen. Damals eine technologische Pionierleistung, hat die neue Methode die Diagnostik und Therapieentscheide nachhaltig verändert und ist heute aus vielen Bereichen der Medizin nicht mehr wegzudenken.
PET/CT vereint zwei Welten in einem Bild: Während die Positronen-Emissions-Tomographie (PET) Prozesse wie beispielsweise Stoffwechsel oder Durchblutung im Körper sichtbar macht, liefert die Computertomographie (CT) präzise anatomische Informationen. Die Kombination ermöglicht eine deutlich genauere Diagnose und unterstützt Ärztinnen und Ärzte dabei, Krankheiten früher zu erkennen und Therapien gezielter zu planen.
Vor 25 Jahren bereits am USZ war Prof. Valerie Treyer. Für sie und Prof. Philipp Kaufmann begann die Geschichte schon vor der Einführung des ersten PET/CT in der Nuklearmedizin. „Uns war klar, dass die funktionellen Informationen der PET und die anatomischen Informationen der Bildgebung zusammengehören. Die Frage war nicht ob, sondern wann wir beides optimal kombinieren können.“ Genau wie Prof. Valerie Treyer war auch der heutige Klinikdirektor Philipp Kaufmann schon bei der Einführung am USZ.
Mut zu einer neuen Technologie
Der Weg zur Einführung war keineswegs selbstverständlich. Viele Fachpersonen gingen damals davon aus, dass andere bildgebende Verfahren die PET langfristig verdrängen würden. Am USZ entschied man sich dennoch, an das Potenzial der Technologie zu glauben. „Wir haben früh gesehen, welchen Mehrwert die Kombination der Verfahren bringen kann. Dann brauchte es den Mut, in eine neue Technologie zu investieren und die Neugier, die vielfältigen Anwendungsbereiche wissenschaftlich zu evaluieren und die Vorteile nachzuweisen“, blickt Philipp Kaufmann zurück.
Das erste PET/CT war damals noch kein industriell gefertigtes Standardgerät. „Wir haben nicht einfach ein fertiges Hybridgerät bekommen. Wir haben das PET und das CT zuerst in zwei Räumen betrieben und mit speziellem Transportsystem Patientinnen und Patienten zwischen den Geräten transportiert“, erinnert sich Valerie Treyer. So konnte gezeigt werden, dass der Nutzen eines kombinierten Systems mehr Wert hat als beide Systeme separat. Danach wurden beide Systeme miteinander in einem Raum verbunden. „Es war und ist ein echtes interdisziplinäres Projekt“, weiss Valerie Treyer. Ärzteschaft, Radiologiefachpersonen, Naturwissenschaftlerinnen, Radiopharmazeuten und Ingenieurinnen mussten Hand in Hand arbeiten. „Das hat auch 25 Jahre später im Routinealltag noch Gültigkeit“, so Philipp Kaufmann. Die Pionierlösung, die Zusammenlegung der beiden Systeme, legte den Grundstein für eine Technologie, die heute weltweit zum Standard gehört.
Stetige Weiterentwicklung im Sinne der Patientinnen und Patienten
Die Erwartungen bestätigten sich rasch. Insbesondere in der Krebsmedizin verbesserte PET/CT die Diagnostik und Therapieplanung erheblich. Gleichzeitig profitierten auch die Patientinnen und Patienten: Untersuchungen wurden schneller, einfacher und komfortabler, weil mehrere Untersuchungsschritte in einem einzigen Termin zusammengeführt werden konnten.
Die Entwicklung blieb in den letzten Jahren aber nicht stehen. Bildqualität, Untersuchungsdauer und Strahlenexposition konnten kontinuierlich verbessert werden. Gleichzeitig erschlossen Forschende und Klinikerinnen neue Anwendungsgebiete weit über die Onkologie hinaus. Als universitäres Zentrum spielte das USZ dabei stets eine aktive Rolle. Neue Technologien wurden früh wissenschaftlich untersucht, internationale Fachpersonen ausgebildet und innovative radiopharmazeutische Verfahren gemeinsam mit Partnern weiterentwickelt.
Der Blick nach vorne
Auch ein Vierteljahrhundert nach der Einführung des ersten PET/CT ist das Innovationspotenzial noch längst nicht ausgeschöpft. Künstliche Intelligenz und neue Bildauswertungsverfahren dürften die molekulare Bildgebung in den kommenden Jahren weiter verändern. „Die grossen Fortschritte werden künftig vor allem im digitalen Bereich stattfinden. Wir werden aus den vorhandenen Bilddaten noch mehr Informationen gewinnen können und Untersuchungen weiter optimieren“, ist sich Valerie Treyer sicher.
Was vor 25 Jahren als Weltneuheit begann, ist heute ein unverzichtbarer Bestandteil der modernen Medizin. Das Jubiläum steht deshalb nicht nur für ein Gerät, sondern für 25 Jahre kontinuierlichen Fortschritt in Diagnostik, Forschung und Patientenversorgung am USZ.