Hyperthermie-Therapie ist eine spezialisierte Form der onkologischen Behandlung, bei der das Tumorgewebe schonend auf eine therapeutische Temperatur von typischerweise 40 °C bis 43 °C für etwa 60 Minuten erwärmt wird, um die Wirksamkeit von Strahlen- und Chemotherapie zu erhöhen.
Die Wärme wird lokal an das Behandlungsziel mittels elektromagnetischer Felder, kapazitiver elektrischer Felder, Ultraschall oder Infrarotstrahlung abgegeben, abhängig von der klinischen Indikation und der Tumorlokalisation. Durch eine sorgfältige Steuerung der thermischen Energiezufuhr kann der Tumorbereich gezielt erwärmt werden, während das umliegende gesunde Gewebe geschont bleibt.
Der kontrollierte Temperaturanstieg bewirkt mehrere vorteilhafte physiologische und zelluläre Effekte:
- Aktivierung der Immunantwort durch Stimulierung der T-Zell-Aktivität und der Expression von Hitzeschockproteinen.
- Verbesserte Durchblutung und Gewebeoxygenierung, wodurch Hypoxie – eine bekannte Ursache für Radioresistenz – entgegengewirkt wird.
- Hemmung der DNA-Reparaturmechanismen, wodurch Tumorzellen anfälliger für durch Strahlen- und Chemotherapie verursachte Schäden werden.
- Direkte zytotoxische Wirkung bei höheren thermischen Dosen, insbesondere in schlecht durchbluteten Tumorregionen.
Diese Mechanismen ermöglichen es der Hyperthermie, als wirkungsstarker Radiosensibilisator zu fungieren, der die biologische Wirkung der Strahlentherapie um den Faktor bis zu 2.5 erhöht. Aus diesem Grund wird die Hyperthermie meist in Kombination mit externer Strahlentherapie eingesetzt, wo sie die lokale Tumorkontrolle und die Behandlungsergebnisse für Patienten signifikant verbessert.

Indikationen
Die Hyperthermie wird vor allem bei soliden Tumoren eingesetzt, die als schwierig zu behandeln gelten oder bei denen eine Verbesserung der lokalen Kontrolle angestrebt wird. Typische Indikationen umfassen Weichteilsarkome, Brustkrebsrezidive, Zervixkarzinome und Kopf-Hals-Tumoren. Sie kann sowohl bei primären Tumoren als auch bei lokal fortgeschrittenen oder rezidivierenden Erkrankungen angewendet werden. Die Entscheidung zur Anwendung der Hyperthermie basiert auf der Tumorlokalisation, der vorliegenden Therapieplanung sowie den individuellen Patientenfaktoren.
Klinische Umsetzung in unserer Abteilung
Seit 2025 betreibt unsere Abteilung ein modernes System für oberflächliche Hyperthermie, das in multimodale onkologische Behandlungswege integriert ist. Das Gerät nutzt ein elektromagnetisches Feld mit 434 MHz, das eine kontrollierte Erwärmung von Tumorvolumina von der Hautoberfläche bis zu einer Tiefe von etwa 4,5 cm ermöglicht.
Die Behandlung wird durch eine Echtzeit-Temperaturüberwachung gesteuert, die sicherstellt, dass das therapeutische Zielvolumen während der gesamten Sitzung innerhalb des gewünschten Temperaturbereichs gehalten wird.

Sicherheit und Qualitätssicherung
Die Hyperthermie ist eine hochspezialisierte Therapie, die eine präzise Steuerung der elektromagnetischen Energie erfordert, um eine sichere und effektive Erwärmung des Tumorgewebes zu gewährleisten. Zur Sicherstellung der Patientensicherheit und der Behandlungsqualität werden strenge nationale und internationale Richtlinien eingehalten, entsprechend den Empfehlungen der European Society for Hyperthermic Oncology und ESTRO.
Unser System ist mit mehreren faseroptischen Temperatursensoren ausgestattet, die im und um den Behandlungsbereich platziert sind. Diese Sensoren ermöglichen eine kontinuierliche Echtzeit-Temperaturüberwachung, sodass die behandelnden Ärzte die Behandlungsparameter dynamisch anpassen können, um den Zieltemperaturbereich zu halten und eine Überhitzung des gesunden Gewebes zu vermeiden.
Zusätzlich überprüft ein unabhängiges Qualitätssicherungsprogramm vor jeder Behandlung die Ausgangsleistung des Applikators, die Kalibrierung und die Sicherheitsverriegelungen. Zusammen gewährleisten diese Massnahmen, dass die Hyperthermie unter höchsten Standards in Bezug auf Präzision, Sicherheit und klinische Wirksamkeit durchgeführt wird.