Expedition Aconcagua Team

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Höchstleistung nach Transplantation: Für zwei Schweizer Alpinisten ging ein Traum in Erfüllung

Mit einem transplantierten Organ wieder Berge besteigen. Diesen Traum erfüllten sich zwei Schweizer Transplantationspatienten mit einer Expedition auf den Aconcagua, den mit 6961 Metern höchsten Berg Amerikas. Begleitet wurden sie von einem medizinischen Team des Universitätsspitals Zürich. Auf dem Weg zum Gipfel wurden Rekorde und medizinische Daten gesammelt.

Die Fortschritte in der Transplantationsmedizin machen es möglich, dass Organempfängerinnen und -empfänger dank eines Spendenorgans nicht nur weiterleben, sondern wieder ein aktives Leben mit Arbeit, Familie, Hobbies und Sport führen können. Für zwei Transplantationspatienten des USZ bedeutete dies, an einer Hochgebirgsexpedition auf den Aconcagua in Argentinien teilzunehmen, den mit 6961m ü. M. höchsten Gipfel Amerikas. Für die beiden vor ihrer Erkrankung aktiven und erfahrenen Bergsteiger ging damit ein grosser Traum in Erfüllung.

Die im Januar 2026 durchgeführte Expedition wurde in einem internationalen Team durchgeführt, bestehend aus neun transplantierten Patientinnen und Patienten und sechzehn medizinischen und wissenschaftlichen Begleitpersonen aus Österreich, Dänemark, Kroatien, den USA und der Schweiz. Das «Team Schweiz» bestand aus Corinne Aeschbacher und Marco Witzig, beide Transplantationspatienten des USZ, dem Intensivmediziner Matthias Hilty aus dem USZ sowie einer Forschungsassistentin und einem -assistenten. Der 54-jährigen Corinne Aeschbacher wurde 2019 am Universitätsspital Zürich die Leber transplantiert, der 56-jährige Marco Witzig erhielt 2021 eine Lunge.

Minuziöse Vorbereitung sorgt für Sicherheit

Der Expedition ging eine einjährige Vorbereitungszeit voraus. Neben dem körperlichen Training wurde die Expedition minuziös geplant, um die Sicherheit der Teilnehmerinnen und Teilnehmer zu gewährleisten. So musste die Infrastruktur angepasst werden und beispielsweise in den Zwischenlagern mehr Sauerstoff für den Notfall verfügbar sein, als üblicherweise eingeplant wird. Neben der medizinischen Begleitung und Überwachung vor Ort war die ständige Erreichbarkeit weiterer Experten, wie der Pneumologen und Hepatologen am USZ sichergestellt. «Diese sorgfältige Vorbereitung hat dazu beigetragen, dass die Expedition in jeder Hinsicht ein voller Erfolg war und für alle Teilnehmenden ein höchst erfreuliches Erlebnis», freut sich Matthias Hilty. «Allen Teilnehmerinnen und Teilnehmern ging es während der ganzen Expedition jederzeit gut, das unweigerliche Auftreten von akuter Bergkrankheit konnten wir problemlos behandeln und es gab keine medizinischen Zwischenfälle.»

Rekorde und Spitzenleistungen auf dem Weg zum Gipfel

Von den transplantierten Teilnehmenden erreichte ein Mann aus Österreich zusammen mit acht unterstützenden Personen aus dem Begleitteam am 24. Januar 2026 den Gipfel des Aconcagua auf 6961m ü. M. So hoch dürfte noch kein lungentransplantierter Mensch aus eigener Kraft und ohne zusätzliche Sauerstoffgabe gestiegen sein. Dokumentiert sind vergleichbare Expeditionen nur auf den Kilimanjaro mit 5895m ü. M.

Im Schweizer Team erreichte Marco Witzig seine Bestmarke auf 5080m ü. M., Corinne Aeschbacher nahm den Gipfel in Angriff und schaffte es bis auf 6200m u. M. «Das dürfte der Höhenrekord für einen Transplantationspatienten aus der Schweiz sein», so Matthias Hilty, selbst ein begeisterter und expeditionserfahrener Bergsteiger. «Nur etwa ein Drittel der gesunden Bergsteigerinnen und Bergsteiger erreicht ohne zusätzlichen Sauerstoff den Gipfel des Aconcagua. Vor diesem Hintergrund ist ihre Leistung grandios und umso eindrücklicher.» Hilty und die beiden wissenschaftlichen Begleiter des Schweizer Teams unterstützten den Schlussaufstieg bis zum Gipfel. Beim Abstieg wurde die Gruppe noch von einem Schneesturm eingeschneit, konnten aber rechtzeitig tiefere Gefilde erreichen. «Wir dürfen auf eine rundum gelungene Expedition zurückblicken», so Hiltys Fazit. «Im Zentrum stehen aber für alle Teilnehmenden die persönlichen Erfahrungen, die unbezahlbar sind. Unsere transplantierten Teilnehmerinnen und Teilnehmer zeigten, dass nach einer Transplantation der Lebensqualität und dem Erreichen persönlicher Träume keine Grenzen gesetzt sind.»

Wichtige Erkenntnisse für Patienten auf der Intensivstation

Ein Forschungsschwerpunkt des Intensiv- und Höhenmediziners Matthias Hilty ist die Anpassung des Körpers an Sauerstoffmangel. Insbesondere bei lungentransplantierten Patienten ist dieser Vorgang wenig erforscht. Für Hilty und sein Team beginnt nach seiner Rückkehr deshalb die Auswertung der auf der Tour erfassten Daten aller Teilnehmerinnen und Teilnehmer. Denn Informationen zur Herz- und Lungenfunktion, Vitalwerte, Sauerstoffversorgung und Symptome von Höhenkrankheit wurden nicht nur von den transplantierten Teilnehmenden erfasst, mit den Begleitern stand gleich eine ideale Vergleichsgruppe zur Verfügung. «Die Ergebnisse können einen wertvollen Beitrag liefern zum besseren Verständnis und zur besseren Versorgung von transplantierten Patienten», so Matthias Hilty. «Von dem Wissen profitieren aber letztlich auch andere Patientinnen und Patienten auf der Intensivstation.»

Impressionen der Expedition

Kontakt für Medienschaffende

Universitätsspital Zürich, Medienstelle

Tel. +41 44 255 86 20