Vollständige Heilung nach chronischer Niereninsuffizienz?

Die gleichzeitige Transplantation von Niere und Stammzellen desselben, direkt verwandten Spenders können dies möglich machen. Nach einer umfassenden Studie in den USA, haben am USZ bisher zwei Patientinnen von einer solchen kombinierten Therapie profitiert. Die erste Patientin lebt seit fast einem Jahr ohne immunsuppressive Medikamente.

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​Wenn die Nieren nicht mehr funktionieren und damit die Giftstoffe nicht mehr aus dem Blut gefiltert werden, bleibt jeweils nur der Gang zur Dialyse oder schliesslich die Nierentransplantation. Damit das fremde Organ vom Körper akzeptiert wird, muss beim Patienten aber die körpereigene Abwehr praktisch ausgeschaltet werden: Lebenslange Immunsuppression ist die Konsequenz. Damit ist aber natürlich zugleich die Abwehr gegen alle anderen Erreger wie Viren und Bakterien ebenfalls geschwächt. Immunsupprimierte Patienten sind daher deutlich anfälliger auf Infektionen aller Art, die Lebensqualität ist insgesamt eingeschränkt.

Ein ganz neuer, in den USA entwickelter Ansatz, geht dieses Problem an der Wurzel an: Den Patienten wird nicht nur das fremde Organ, sondern zugleich quasi ein Stück des Immunsystems des Spenders in Form von Stammzellen eingepflanzt. In einer breit angelegten Studie der Universität Standford wurde die Wirkung dieser kombinierten Therapie in unterschiedlichen Konstellationen untersucht. Die besten Resultate wurden erzielt, wenn der Spender von Niere und Stammzellen ein Geschwister war. In dieser Gruppe konnte bei 16 von 22 Patienten die Immunsuppression sogar vollständig aufgehoben werden.

Als erste Klinik in Europa führt das USZ eine darauf basierende klinische Studie durch. Bisher wurden zwei Patientinnen mit einem solchen Protokoll transplantiert. Die Belastung der Therapie selbst ist aufgrund der doppelten Transplantation natürlich grösser, sowohl für den Spender wie für den Empfänger. Für den Empfänger ist es aber eine lohnende Zusatzbelastung, denn dafür können die Medikamente zur Immunsuppression rasch reduziert und schliesslich möglicherweise ganz abgesetzt werden. So auch bei der ersten Patientin des USZ: Sie lebt seit fast einem Jahr ohne immunsuppressive Therapie und kann damit aus heutiger Sicht als vollständig geheilt gelten. Bei der zweiten Patientin ist die Transplantation erst sechs Monate her. Sie benötigt nur noch ein einziges Medikament.

​Dieses Projekt ist ein gutes Beispiel für Spitzenmedizin, wie sie nur durch die hervorragende Zusammenarbeit verschiedener Kliniken an einem Universitätsspital möglich ist. Mehr Informationen zur Studie finden Sie unter: www.swisstolerance.ch

 


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