Der Faktor Mensch in der Fliegerei und im Gesundheitswesen

Die erste gemeinsame Tagung des USZ und von Swiss Aviation Training widmete sich am Donnerstag, 12. Februar 2015, dem Thema «Human Factors. Challenges in Health Care and Aviation». Fachleute und Teilnehmer diskutierten über die Gemeinsamkeiten und Risiken des Faktors Mensch in den beiden hochspezialisierten Industrien.

«Können die beiden so unterschiedlichen Branchen überhaupt etwas voneinander lernen?» fragte ein Teilnehmer provokativ nach dem Vortrag von Immanuel Barshi von der NASA, nachdem dieser aufgezeigt hatte, wie wenig der Mensch in einem modernen Airbus A380 noch direkt entscheidet. Im computergesteuerten Flugzeug trifft der Computer die Entscheidungen, der Mensch liefert per Kommunikationsmittel («Joystick» und Tastatur) lediglich Inputs. «Ich kann Ihnen nicht sagen, wie in 20 Jahren die Technologie aussehen wird», entgegnete Barshi, «aber ich habe eine Ahnung davon, wer die Systeme sowohl in der Aviatik als auch in den Spitälern bedienen wird – Menschen. Und ja, Menschen können voneinander lernen.»

Rund 150 Ärzte, Pflegefachpersonen, Piloten und Flugpersonal fanden sich am 12. Februar im Hörsaal Nord am USZ zusammen, um den Faktor Mensch in den beiden Gebieten zu betrachten, die Problematiken aufzuzeigen und diese zu diskutieren. René Amalberti, Professor für Medizin, Physiologie und Ergonomie sowie General der französischen Luftwaffe im Ruhestand, erklärte verschiedene Risikomodelle. In der Spitalumgebung besteht die Problematik des Zusammentreffens der Modelle mit unterschiedlichen Prioritäten. Frank Drews, Professor für kognitive Psychologie an der Universität Utah, brachte ein praktisches Beispiel mit, wie mit dem richtigen Design der Arbeitsumgebung – in vorgestellten Fall ein Infusionsset für das Pflegepersonal – die Infektionsrisiken drastisch gesenkt und damit nebst Zeit auch viel Geld gespart werden kann. In mehreren World Café Workshops konnten die Teilnehmer sich direkt mit den Referenten austauschen. Auf dem um Professor Luca Regli, Direktor der Klinik für Neurochirurgie am USZ, und Kapitän Christoph Ammann, Ausbildungsleiter bei der Swiss, erweiterte Podium wurden die Themen «Regeln» sowie «Fehlerquellen und wie man sie vermeidet» intensiv diskutiert.

Das Fazit von Hugo Sax, Leiter der Spitalhygiene des USZ und einer der Organisatoren, fällt denn auch durchweg positiv aus: «Das grosse Interesse an der Tagung und die angeregten Diskussionen über die Fachgrenzen hinweg haben gezeigt, dass das Thema «Human Factors» für die Sicherheit und Qualität in ganz unterschiedlichen Bereichen zentral ist. Diesen wichtigen Austausch wollen wir fortsetzen und vertiefen.»