Risikoarme CT-Untersuchungen der Herzkranzgefässe am UniversitätsSpital Zürich

Eine Studie von Forschern aus dem UniversitätsSpital Zürich weist nach, dass Computertomographie-Untersuchungen (CT) der Herzkranzgefässe bei sehr tief dosierter Strahlungsbelastung durch ein neues Bildberechnungsverfahren ebenso gute Bilder liefert wie die herkömmliche Bildgebung. Dies verringert mögliche Strahlenrisiken so stark, dass einer breiten Anwendung der CT für Herzkranzgefässe nichts mehr im Weg steht.

Um Erkrankungen der Herzkranzgefässe möglichst früh zu erkennen oder auch um solche ausschliessen zu können, werden seit einigen Jahren Koronar-Angiographien mittels Computertomographie durchgeführt. Die Koronararterien werden dabei durch eine Röntgenuntersuchung abgebildet, indem ein zuvor gespritztes Kontrastmittel durch die Röntgenstrahlen sichtbar gemacht wird. Dabei können Plaque-Ablagerungen oder Verengungen der Herzkranzgefässe erkannt werden. Eine der wichtigsten Stärken dieser schonenden Untersuchung liegt in der Möglichkeit, koronare Herzerkrankungen mit hoher Treffsicherheit auszuschliessen. Alleine in der Schweiz werden jährlich über 40.000 Koronarangiographien mittels Herzkatheter durchgeführt, wobei über 20.000 dieser Eingriffe zum Ausschluss einer Erkrankung erfolgen. Für diese Patienten stellt die CT-Untersuchung schon heute eine nicht-invasive und daher sowohl risikoarme wie schmerzfreie Alternative dar.

Bedenken bestanden gegenüber der CT-Untersuchung wegen der Strahlenbelastung, die vor wenigen Jahren noch bei ca. 15 bis 20 Millisievert (mSv) lag, gegenüber 7 bis 10 mSv bei einer Angiographie mittels Herzkatheter. Am UniversitätsSpital Zürich konnte 2007 die Strah-lenbelastung beim CT weltweit durch EKG-Synchronisierung der Röntgenstrahlen mit dem Herzschlag erstmals um eine Zehnerpotenz auf ca. 1,5 bis 2,0 mSv gesenkt werden. Zum Vergleich: Die durchschnittliche jährliche Strahlenbelastung durch die Hintergrundstrahlung (aus dem Boden und dem Weltraum) liegt in der Schweiz bei ca. 4,4 mSv.1

Mit dem neuesten Verfahren konnte das Zürcher Team um Professor Philipp A. Kaufmann die Strahlenexposition nochmals um fast eine weitere Zehnerpotenz auf durchschnittlich 0,21 mSv senken. Dies liegt ungefähr in der Grössenordnung der Strahlenexposition durch ein einfaches Lungenröntgenbild (in zwei Ebenen) oder durch etwa drei bis vier Interkontinentalflüge.1 Dies ist um ein bis zwei Zehnerpotenzen tiefer als beim Herzkatheter, welcher zudem meist eine Kurzhospitalisation erfordert, während die CT-Untersuchung nur Sekunden dauert. Es ist daher absehbar, dass die CT-Untersuchung für die Abklärung der Herzkranzgefässe eine wesentliche Rolle spielen wird, wie die Autoren der im European Heart Journal erschienenen Studie schreiben.2 Dies deckt sich mit der Empfehlung des Swiss Medical Board, wonach die CT-Untersuchung bei tiefer bis mittlerer Vortestwahrscheinlichkeit die Herzkatheteruntersuchung ablösen sollte.3

Meilenstein in der Reduktion der Strahlenbelastung

Das nun vom Forscherteam des UniversitätsSpitals Zürich angewandte und in der Studie untersuchte Verfahren ist ein weiterer Meilenstein in der Reduzierung der Dosis. Diese liegt dank Verminderung von Röntgenstrom und -spannung so tief, dass mit herkömmlichen Me-thoden die CT-Bilder durch das starke Bildrauschen unbrauchbar wären. In Zusammenarbeit mit der Industrie wurde ein neues Bildverarbeitungsverfahren eingesetzt, mit welchem das Rauschen unterdrückt wird. Weil gleichzeitig als günstiger physikalischer Nebeneffekt der tiefen Röntgenröhrenspannung die Kontrastierung des Kontrastmittels in den Kranzarterien ansteigt, wird mit dieser Methode insgesamt eine ausgezeichnete Bildqualität erreicht.

Als nächstes wird das Zürcher Team diese neue Methode wissenschaftlich mit dem Einsatz von Herzkathetern vergleichen. Sollte auch dieser Vergleich einen Vorteil in der Anwendung der neuen Methode ergeben, ist die Einführung des neuen Verfahrens in die tägliche Anwen-dung am Universitätsspital bis Ende 2014 vorgesehen.

1 Gemäss BAG
2 siehe Publikationshinweis am Ende der Mitteilung.
3 Expertenrat des Swiss Medical Board: Cignacco E, Jüni P, Meier-Abt P, Metzger U, Biller-Andorno N, Felder S, Tag B. Computertomographie-Scanner in der Abklärung der koronaren Herzerkrankung. Schweizerische Ärztezeitung. 2013;94:7

Publikation:

Fuchs TA, Stehli J, Bull S, Dougoud S, Clerc OF, Herzog BA, Buechel RR, Gaemperli O, Kaufmann PA. Coronary computed tomography angiography with model-based iterative reconstruction using a radiation exposure similar to chest X-ray examination. Eur Heart J. 2014; [Epub ahead of print] doi:10.1093/eurheartj/ehu053

Die Publikation steht via Open Access zum Download bereit.

Ansprechpartner für Fragen:

Prof. Dr. med. Philipp A. Kaufmann,Stv. Klinikdirektor Nuklearmedizin, Leiter Kardiale Bildgebung NUK/CT/MRI, Telefon: +41 44 255 15 00, pak@usz.ch

Bildmaterial:

Bild
Bildlegende: Abbildung des menschlichen Herzen durch Computertomographie.

Film
Filmlegende: Animierte Abbildung des menschlichen Herzen durch Computertomographie.

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