Story

Leben mit einem unheilbaren Krebs

Die Diagnose kam unvermittelt: «Sie haben Krebs. Unheilbar.» Diese Nachricht im Jahr 2024 war für Sascha Brändle, den sportlichen Unternehmer, ein Schock. Triathlon? Beruf? Eine Zukunft! Nichts schien mehr greifbar. Heute, 16 Monate und fünf Therapien später, blickt der 49-Jährige auf sein Erlebtes zurück. Er vergleicht diese Phase seines Lebens mit dem verpatzten Schwimmstart eines Ironman-Rennens: «Füsse im Gesicht, Ellenbogen in den Rippen, keine Luft – nur Chaos». Er sagt aber auch: «Dank Spitzenmedizin und dem USZ fand ich den Weg wieder in ruhige Gewässer.»

Die ersten Beschwerden traten bei mir im Oberschenkel auf. Ich habe mich an meinen Arzt gewendet, der mich für die weiteren Abklärungen meiner Schmerzen ans USZ überwies. Ich hatte ehrlich gesagt keine gute Meinung vom Unispital – ich dachte, es sei eine unpersönliche Fabrik. Doch ich irrte mich. Besonders im Ambulatorium habe ich eine Kombination aus Professionalität und Menschlichkeit erlebt, die ich nicht erwartet habe: Die Wartezeiten waren kurz, die Kompetenz hoch und mir begegnete ein eingespieltes Team. All das gab mir enormes Vertrauen. Denn mir war bewusst, dass ich mit meiner Diagnose Knochenmarkkrebs einen langen Weg vor mir hatte.

«Ich wusste, jetzt brauche ich ein hochspezialisiertes Team»

Die erste Therapie bestand aus einer Kombination aus leichter Chemotherapie, Immunmodulatoren und Kortison – unkompliziert im Ambulatorium verabreicht, schmerzfrei und gut verträglich. Doch nach drei Monaten kam der erste Rückfall: Ich hatte Fieber und so starke Schmerzen, dass ich auf mich in die Notfallaufnahme begeben musste. Die Diagnose: ein Tumor an der Wirbelsäule, ein gebrochener Rückenwirbel und eine Lungenentzündung. Ein Moment, in dem alles zu kippen drohte.

Es folgte eine Zweitlinien-Therapie mit fünf Zytostatika – stationär, über einen zentralen Venenkatheter, welche körperlich sehr fordernd war und zum ersten Mal mit Haarausfall einherging. Als auch diese Behandlung nicht anschlug, erhielt ich eine Stammzellentransplantation – die wohl erschöpfendste aller Prozeduren. Selbst 50 Meter zu Fuss wurden für mich zur Herausforderung.

Die nächste Stufe war der Einsatz der so genannten CAR-T-Zelltherapie – eine personalisierte Immuntherapie mit gentechnisch veränderten T-Zellen aus meinem eigenen Körper. Die Wartezeit überbrückte das Team mit einer Antikörpertherapie, die zwar gut steuerbar war, aber Nebenwirkungen mit sich brachte: Ich verlor meinen Geschmackssinn und mir fielen die Nägel aus. Belastend – aber auch ein Zeichen dafür, wie entschlossen das USZ ist, jede Option auszuschöpfen.

Ich hatte im USZ stets Vertrauen in die Ärztinnen und Ärzte, die mich behandelten. Und schnell wurde mir bewusst, dass es sich hier um Spitzenmedizin handelt und Menschen, die (mich) nicht aufgeben. Das gilt auch für die Pflegefachpersonen, die mir in schwachen Momenten Halt geben. Sie handeln stets ruhig, fachlich versiert und empathisch. Diese Kompetenz im Umgang mit Chemotherapien gab mir Sicherheit. Besonders der Respekt bei der Körperpflege berührt mich. Davor hatte ich, im Nachhinein ganz unbegründet, Respekt.

Zwischen Hoffnung und Neuanfang

Zusammengefasst beinhaltet meine Krankengeschichte: Fünf verschiedene Therapien, ein Oberschenkelbruch, drei gebrochene Rückenwirbel, mehrere Rippenfrakturen, eine Lungenentzündung, Niereninsuffizienz, eine Hirnnerventzündung, ein Rückentumor und rund 100 Tage stationärer Aufenthalt. Immer wieder drohte ich «unterzugehen».

Doch aktuell beruhigt sich das Wasser. Ich finde meinen Rhythmus. Es besteht Hoffnung – grosse Hoffnung. Aktuell befinde ich mich in einer sogenannten Remission. Der Krebs verhält sich ruhig – niemand weiss, ob und wann er zurückkehrt. Mein Arzt meinte: nächste Woche, in zehn Jahren oder vielleicht nie mehr. Meine Frau und ich haben für uns entschieden, mit einer Annahme zu leben: zehn Jahre. Damit können wir umgehen – und wieder Pläne schmieden.

Vor der Diagnose war ich ein ambitionierter Berater, sportlich geprägt vom Triathlon. Die Krankheit hat meine Perspektive verändert. Ich nehme mich selbst nicht mehr so wichtig wie früher, schätze, was ich habe. Ich habe gelernt, im Jetzt zu leben, und dass jeder Schritt, oder eben jeder Kraulzug, zählt.

Der Weg zurück in den Beruf steht bevor – eine Herausforderung, die auch mit Unsicherheiten verbunden ist. Will mich noch jemand? Was kann ich noch? Aber ich weiss inzwischen: Ich bin zäh.

Was bleibt ist grosse Dankbarkeit. Für meine Frau, die mein Rettungsboot war und ist. Für mein Umfeld. Und für ein Team am USZ, das mich mit Spitzenmedizin überzeugt und menschlich begleitet hat – auch bei höchstem Wellengang.