Der Oktober gilt weltweit als Brustkrebsmonat – ein Anlass, um das Bewusstsein für Vorsorge, Früherkennung und Behandlung dieser häufigsten Krebserkrankung bei Frauen zu stärken.
Etwa jede achte Frau in der Schweiz erhält im Laufe ihres Lebens die Diagnose Brustkrebs, jährlich sind es rund 6’000 neue Fälle. Trotz grosser Fortschritte in Diagnostik und Therapie bleibt Brustkrebs die häufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen. Umso wichtiger ist die Früherkennung: Je früher die Erkrankung entdeckt wird, desto besser sind die Heilungschancen und desto schonender können Behandlungen verlaufen.
Während in vielen Kantonen gesetzlich geregelte Screening-Programme bestehen, fehlt ein solches Angebot bisher im Kanton Zürich. Wir haben mit Christina Christen-Gremlich, Präsidentin von Europa Donna Schweiz und Mitglied im Patientenbeirat des CCCZ, sowie mit Prof. Dr. med. Isabell Witzel, Klinikdirektorin der Klinik für Gynäkologie am USZ, gesprochen. Sie schildern die aktuelle Situation, erläutern die Bedeutung von Screening-Programmen und geben Einblicke in die Arbeit am Comprehensive Cancer Center Zürich (CCCZ).

Prof. Dr. med. Isabell Witzel, Klinikdirektorin, Klinik für Gynäkologie
Was sind die wichtigsten Vorsorgeuntersuchungen für Brustkrebs?
Isabell Witzel: Die regelmässige Selbstuntersuchung der Brust ist ein erster, wichtiger Schritt. So lassen sich Knoten oder Veränderungen frühzeitig bemerken. Ergänzend dazu können Frauenärztinnen und Frauenärzte je nach individueller Risikosituation weitere Untersuchungen empfehlen. Besonders bedeutsam sind bildgebende Verfahren wie Mammografie und Ultraschall, die Veränderungen sichtbar machen, bevor sie tastbar sind. Darüber hinaus spielen ein gesunder Lebensstil und die Reduktion bekannter Risikofaktoren eine wesentliche Rolle in der Prävention.
Warum sind Früherkennung und Prävention wichtig?
Isabell Witzel: Je früher ein Tumor entdeckt wird, desto besser stehen die Chancen auf Heilung. Deshalb ist es entscheidend, Brustkrebs in einem möglichst frühen Stadium zu diagnostizieren.

Christina Christen-Gremlich rechts mit Danijela Simonovic-Juric
Wie schätzen Sie die aktuelle Situation der Brustkrebsvorsorge im Kanton Zürich ein?
Christina Christen: «In vielen Kantonen der Schweiz gibt es gesetzlich geregelte Mammografie-Screening-Programme für Frauen zwischen 50 und 69 Jahren, zum Teil bis 74 Jahren, die von der Krankenkasse übernommen werden. Im Kanton Zürich fehlt ein solches Programm bisher. Das bedeutet, dass Frauen hier selbst aktiv werden müssen, was nicht alle gleichermassen tun, zum Teil auch kostenbedingt – und so kann Brustkrebs später erkannt werden. Dabei wissen wir, dass eine frühe Diagnose die Heilungschancen deutlich verbessert, was die neusten Studien klar bestätigen.»
Was könnte ein kantonales Screening-Programm bewirken?
Christina Christen: «Ein flächendeckendes Programm würde Frauen zwischen 50 und 69 Jahren regelmässige, qualitativ gesicherte Mammografien ermöglichen – ohne, dass die Frauen das aus eigener Tasche zahlen müssten. Das erhöht die Chancengleichheit, erleichtert den Zugang und führt nachweislich zu einer früheren Erkennung von Brustkrebs. Die Mehrheit der Kantone machen uns bereits vor, dass dies funktioniert, einige schon sehr lange. Für Zürich wäre ein Screening-Programm endlich ein grosser Fortschritt in der Frauengesundheit. Trotzdem die Frau kann immer noch selber entscheiden, ob sie diese Chance nutzen will. Ein Brustkrebs der früh erkannt wird, braucht weniger aggressive Therapien, weniger Psychotherapie und die Frau ist wieder früher im Arbeitsprozess. Dies verringert Kosten.»
Wo sehen Sie die nächsten politischen oder gesellschaftlichen Schritte?
Christina Christen: «Im September 2025 haben Vertreterinnen und Vertreter aus mehreren Fraktionen im Zürcher Kantonsrat eine Motion eingereicht, um die gesetzlichen Grundlagen für ein kantonales Brustkrebs-Screening zu schaffen und dieses rasch einzuführen. Ziel ist es, Frauen in Zürich denselben Zugang zu strukturierter, kostenloser Früherkennung zu ermöglichen wie in anderen Kantonen. Jetzt ist entscheidend, dass Politik, Fachpersonen und die Gesellschaft gemeinsam an der Umsetzung arbeiten und parallel die Bevölkerung weiterhin sensibilisiert wird. Das gleiche Recht für Alle beim Zugang zu qualitätsgesicherten Mammographie-Screening Programmen muss für die ganze Schweiz gelten! Dieses Recht fordere ich auch vom Bund.»
Wie unterstützt das CCCZ/USZ Brustkrebspatientinnen?
Isabell Witzel: Im Brustzentrum des CCCZ bieten wir ein umfassendes Angebot – von der Risikoberatung für gesunde Frauen über Früherkennungsuntersuchungen bis hin zur hochspezialisierten Behandlung bei einer Erkrankung. Alle Abklärungen erfolgen schnell, zuverlässig und schonend. Die Betreuung ist interdisziplinär organisiert und basiert auf den neuesten wissenschaftlichen Erkenntnissen. Unser Ziel ist es, Patientinnen in jeder Phase optimal zu begleiten – von der Prävention bis zur Therapie und Nachsorge.
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