Bettina Sobottka-Brillout und Jan Hendrik Rüschoff sind habilitierte Fachärztin bzw. Facharzt für Pathologie mit dem Schwerpunkttitel Molekularpathologie und leiten seit 2022 gemeinsam die Abteilung Molekularpathologie am Institut für Pathologie und Molekularpathologie in einem 80% und 100% Pensum.
Ihre beruflichen Wege haben sich am USZ gekreuzt, wo sie einen grossen Teil ihrer Weiterbildung absolviert haben und wo auch die Idee entstand, Führungsverantwortung gemeinsam zu übernehmen. Neben ihrer gemeinsamen Leitungsfunktion sind beide weiterhin aktiv in der Diagnostik tätig mit Schwerpunkten in der Gastro- und Leberpathologie sowie in der Lungen- und Uropathologie. So bleiben sie nah an der Praxis und den Patientinnen und Patienten.
Ein modernes Führungsmodell mit Wirkung
Die Entscheidung für eine Co-Leitung war für Bettina und Jan ein bewusster Schritt, inspiriert durch eine Veranstaltung der Fachstelle Diversity & Inclusion der Direktion HRM im Jahr 2021, bei der sie von erfahrenen Tandem-Führungskräften lernen konnten. In der Wirtschaft und öffentlichen Verwaltung ist dieses Modell bereits häufiger etabliert, im ärztlichen Umfeld jedoch noch selten. Genau das hat ihr Interesse geweckt: Wie kann moderne Führung in der Medizin aussehen?
Die gemeinsame Bewerbung auf die ausgeschriebene Leitungsstelle war für Bettina und Jan ein logischer nächster Schritt – gerade, weil sie vor umfassenden strukturellen Veränderungen standen und beide erstmals Führungsverantwortung übernahmen. Die geteilte Verantwortung erschien ihnen ideal, um Innovation, Qualität sowie Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben miteinander zu verbinden.
Innovation durch Zusammenarbeit
In den letzten drei Jahren haben Bettina und Jan die Abteilung grundlegend transformiert: von klassischen Sanger-basierten Analysen hin zu modernsten molekulargenetischen Verfahren. Heute bieten sie als erste pathologische Einrichtung in der Schweiz die diagnostische Ganzgenomsequenzierung (WGS) an – ein Meilenstein in der Präzisionsmedizin mit klarem Nutzen für das USZ.
Der Wandel erforderte nicht nur technische Erneuerungen, sondern auch ein neues Verständnis von Führung. Das Co-Leitungsmodel ermöglicht, unterschiedliche Perspektiven und Stärken gezielt in die Veränderungsprozesse einzubringen und so Innovation mit Stabilität zu verbinden.
Führung braucht Vertrauen und Reflexion
Die Erfahrung der beiden zeigt: Co-Leitung funktioniert und sie bereichert. Sie verbessert die Kontinuität in klinischen und administrativen Prozessen, erhöht die Entscheidungsqualität und reduziert die individuelle Belastung. Auch bei Abwesenheit eines Tandempartners bleiben Prozesse stabil – ein grosser Vorteil im dynamische Klinikalltag.
Damit das Modell funktioniert, braucht es jedoch bestimmte Voraussetzungen: Offene Kommunikation, gegenseitiges Vertrauen, eine transparente Fehlerkultur, klare Entscheidungswege und Zeit für gemeinsame Reflexion. Ist dies gegeben, profitiert das Co-Leitungstandem fachlich und persönlich voneinander, u.a. durch unterschiedliche Führungsstile sowie methodische Herangehensweisen. Zudem eignet sich das Modell für besonders komplexe Führungsaufgaben, bei denen unterschiedliche Kompetenzen gefragt sind.
Mut zur visiblen Veränderung – auch in der Führung
Moderne Medizin braucht moderne Strukturen. Die Co-Leitung ist ein Beispiel dafür, wie sich Innovation nicht nur auf Technologie beschränken muss, sondern auch auf die Art, wie wir zusammenarbeiten und führen. Co-Leitung stärkt die Vereinbarkeit von Beruf und Privatleben und schafft eine Führungskultur, die partizipativ und reflektiert ist.
Somit ihr Rat an junge Ärztinnen und Ärzte; Nicht auf später zu warten, sondern frühzeitig interprofessionelle Führungsfähigkeiten und eine Kultur der Zusammenarbeit und Resilienz zu fördern. Wer im Tandem führt, lernt Verantwortung zu teilen, produktiv mit Spannungen umzugehen und eigene Grenzen besser zu erkennen. Alles Kompetenzen, die im oft herausfordernden Klinikalltag unverzichtbar sind.